Herner Archäologen widmen sich Aberglauben, Tieren, Vietnam

Das LWL-Museum für Archäologie holt einen Terrakotta-Drachen der kaiserlichen Familie Thang Long (Aufsteigender Drache) aus Vietnam nach Herne. Das Bild zeigt  Museumsleiter Josef Mühlenbrock mit dem Nachbau aus Kunststoff.  FUNKE Foto Services
Das LWL-Museum für Archäologie holt einen Terrakotta-Drachen der kaiserlichen Familie Thang Long (Aufsteigender Drache) aus Vietnam nach Herne. Das Bild zeigt Museumsleiter Josef Mühlenbrock mit dem Nachbau aus Kunststoff. FUNKE Foto Services
Foto: MARTIN KERSTAN FOTOGRAFIE / FUNK
Was wir bereits wissen
Sonderausstellungen zu den Themen Aberglauben und Tiere zeigt das Herner Archäologiemuseum dieses Jahr. 2016 folgt eine große Vietnamausstellung.

Herne..  Zwei Sonderausstellungen wird das LWL-Museum für Archäologie in diesem Jahr präsentieren. Dazu laufen parallel die Vorbereitungen auf die große Vietnam-Ausstellung weiter, die nächstes Jahr stattfinden soll.

Aberglauben

Mit dem „Aberglauben“ setzen sich die Künstlerinnen Ines Braun und Iris Stephan auseinander, deren gleichnamige Ausstellung vom 17. Mai bis zum 1. November am Herner Europaplatz zu sehen ist. Die Kölner Künstlerinnen beschäftigen sich seit Jahren mit dem Thema. In Herne haben sie zuletzt die große Möbelinstallation „GeSCHLOSSene Gesellschaft“ für die Ausstellung zum 350. Geburtstag des Schlosses Strünkede gebaut.

Für die neue Ausstellung wollen die Künstlerinnen Hexenglauben, Reliquienverehrung und magischen Kräften mit künstlerischen Mitteln auf die Spur kommen. Eigene Erfahrungen stehen dabei im Vordergrund. Aufenthalte auf alten Burgen und in Klöstern gehören ebenso dazu wie die Einsicht in mittelalterliche Handschriften und in die Protokolle der Hexenverfolgungen. Neben Malerei, raumbezogener Installation und Objektkunst steht auch inszenierte Fotografie auf dem Programm.

„Wir werden bei dieser Ausstellung erstmals den wissenschaftlichen und künstlerischen Bereich miteinander kombinieren“, sagt Stefan Leenen, wissenschaftlicher Mitarbeiter. Unterteilt nach neun Themengebieten stellt das Museum den etwa 150 Kunstwerken zu „Glauben“ und „Aberglauben“ archäologische Exponate aus der Dauerausstellung gegenüber. Dabei gehe es nicht um Aberglauben nach der Devise „schnell auf Holz klopfen“, so Leenen, sondern um den kultischen Aspekt. Allerdings: „Es ist nicht immer klar, ob etwas kultisch genutzt wurde oder nicht“, so Leenen. Das gelte vor allem bei Fundstücken aus Zeiten ohne schriftliche Überlieferungen. „Es gibt unter Archäologen den häufig zitierten Satz: Was man nicht erklären kann, sieht man gern als kultisch an“, schmunzelt Leenen.

Tiere

Im Herbst steht das Thema Tiere an, einen präzisen Titel gibt es noch nicht. Die Sonderausstellung entsteht in Zusammenarbeit mit dem Herner Nabu, der Tierfotos beisteuert, während das Museum Exponate wie Mammutknochen und Funde von Tieren zeigt, die bis heute in Westfalen leben. Leenen: „Da gibt es jede Menge Möglichkeiten.“

Vietnam

In Vorbereitung der für Herbst 2016 geplanten Vietnam-Ausstellung „Aus dem Land des aufsteigenden Drachen - Schätze der Archäologie und Kultur Vietnams“ weilt unterdessen Museumsleiter Josef Mühlenbrock zurzeit in Hanoi.

Es ist sein vierter Aufenthalt in der Hauptstadt, Stefan Leenen war ebenfalls schon zwei Mal vor Ort. Wie lange sein Aufenthalt diesmal dauern wird, weiß Mühlenbrock bei Antritt der Reise noch nicht genau zu sagen. Mit „bis zu zwei Wochen“ rechnet er vage. Themen der Ausstellung sind Kultur und Geschichte des südostasiatischen Landes von der Steinzeit bis zur Gegenwart. Ein Schwerpunkt sind die archäologischen Funde aus dem Kaiserpalast Thang Long („Aufsteigender Drache“), der mittelalterlichen Hauptstadt Vietnams. Einige Exponate waren noch nie außerhalb des Landes zu sehen.

Auch wenn er überzeugt ist, dass die Kooperationsausstellung (mit Museen in Chemnitz und Mannheim) den Aufwand lohne, sei die Vorbereitung der Schau für ihn persönlich „die bisher komplizierteste und langwierigste“, seufzt Mühlenbrock mit einem Lachen. Es sei viel zu klären, bis alles unter Dach und Fach gebracht sei, auch wenn die Schirmherrschaft von Außenminister Frank-Walter Steinmeier „uns viele Tore öffnet“, einfach weil sie in Verhandlungen eine andere Hierarchie-Ebene beim Gegenüber erfordere. Die Ausstellung ist seit 2008 in Vorbereitung; ihre Eröffnung wurde bereits einmal verschoben.

Die aktuelle Sonderausstellung „Das weiße Gold der Kelten“, ist bis zum 22. Februar verlängert worden.


Susanne Jülich, stellvertretende Museumsleiterin, hält heute (15.), 19 Uhr, dazu einen Vortrag im Museum: „Keine Kelten - kein Bergwerk - trotzdem Salz“. Es geht um die Salzgewinnung in Soest und im Hellwegraum. Der Vortrag wird vom Verein der Freunde und Förderer des Museums unterstützt. Eintritt: frei.