Herner Arbeitsgericht hebt Kündigung von Jürgen Hellmann auf

Jürgen Hellmann war Geschäftsführer des Marienhospitals. Seine Kündigung ist unwirksam, entschied das Arbeitsgericht Herne.
Jürgen Hellmann war Geschäftsführer des Marienhospitals. Seine Kündigung ist unwirksam, entschied das Arbeitsgericht Herne.
Foto: Hans Blossey
Was wir bereits wissen
Die Kündigung des früheren Marienhospital-Geschäftsführer Jürgen Hellmann ist unwirksam. Dieses Urteil fällte das Herner Arbeitsgerichts.

Herne..  Niederlage für die Stiftung Katholisches Krankenhaus Marienhospital: Die Kündigung von Geschäftsführer Jürgen Hellmann ist unwirksam. Dieses Urteil fällte gestern die 3. Kammer des Herner Arbeitsgerichts.

Zur Erinnerung: Nur wenige Tage nach der Fusion des Marien Hospitals Herne und der Elisabeth-Gruppe im Mai 2013 hatte die Stiftung Hellmann fristlos gekündigt und ihn mit sofortiger Wirkung freigestellt. Die Stiftung hatte in der folgenden Zeit gleich sechs Kündigungen ausgesprochen.

Nach erfolglosen Güte- und Kammerterminen stieg Richterin Nadja Große-Wilde gestern in die Beweisaufnahme ein. Wobei sie gleich zu Beginn deutlich machte, dass sie Bedenken habe, dass - bis auf einen - die Sachverhalte formale Gründe für fristlose Kündigungen seien. Zu den Vorwürfen zählten: Jürgen Hellmann soll die Lieferungen an die Moritz-Apotheke nicht schnell genug eingestellt haben, obwohl die Apotheke sechsstellige Schulden beim Krankenhaus angehäuft hatte; er soll ein teures Gutachten zur geplanten Fusion mit der Elisabeth-Gruppe in Auftrag gegeben haben, das zu seinen Gunsten ausgefallen sein soll; er soll einen 400-Euro-Arbeitsvertrag für seinen Neffen abgenickt haben; und er soll seiner Tochter eine renovierte und stiftungseigene Wohnung zu viel zu günstigen Bedingungen besorgt haben.

Blieb übrig: der Vorwurf, dass Jürgen Hellmann seinem Sohn Stefan als „Direktor Altenzentrum - Wohnungswirtschaft“ außerordentliche Gehaltserhöhungen zukommen ließ. Am Stiftungs-Kuratorium und dessen Präsidium mit Pfarrer Christian Gröne und Dieter Doktorczyk vorbei. Tatsächlich stieg Stefan Hellmanns Gehalt in recht kurzer Zeit um das Doppelte auf einen sechsstelligen Betrag.

Doch die anschließende Befragung von vier Zeugen förderte keine Hinweise in diese Richtung ans Licht. „Ich habe mich nach jeder Gehaltserhöhung persönlich bei Herrn Doktorczyk bedankt“, gab Stefan Hellmann selbst zu Protokoll. Darüber hinaus hätten bei mehreren Gesprächen - in denen Doktorczyk anwesend gewesen sei - Unterlagen vorgelegen, in denen die Jahresgehälter der Mitarbeiter notiert gewesen seien. Auch der ehemalige Verwaltungsdirektor Wolfgang Wessels gab an, dass Doktorczyk Kenntnis über alle Unterlagen - und die Gehaltserhöhungen - hatte.

Mit dem Urteil des Herner Arbeitsgerichts dürfte der Fall Hellmann allerdings noch längst nicht beendet sein. Er dürfte vor das Landesarbeitsgericht in Hamm wandern, darüber hinaus läuft noch ein Strafverfahren gegen Hellmann.