Herne muss kurzfristig 350 Plätze für Flüchtlinge schaffen

Voraussichtlich Anfang August sollen 95 Flüchtlinge ins ehemalige Siemens-Werk an der Südstraße ziehen.
Voraussichtlich Anfang August sollen 95 Flüchtlinge ins ehemalige Siemens-Werk an der Südstraße ziehen.
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Was wir bereits wissen
Der Druck nimmt zu: Bis Jahresende muss die Stadt voraussichtlich 350 weitere Unterbringungsplätze für Füchtlinge schaffen.

Herne..  Der Anstieg der Asylbewerberzahlen erhöht den Druck auf die Herner Verwaltung: Bis zum Jahresende müsse die Stadt noch weitere 450 Unterbringungsplätze für Flüchtlinge schaffen, berichtet Sozialdezernent Johannes Chudziak. Nachgedacht werde auch über die Nutzung leer stehender Schulen sowie mittelfristig über den Bau neuer Unterkünfte.

Allein in diesem Jahr hat Herne die Zahl der Unterbringungsplätze bisher von 280 auf 540 erhöht. „530 Plätze sind derzeit belegt“, so Johannes Chudziak. Der Zustrom neuer Flüchtlinge reiße nicht ab: Da Herne zurzeit die offizielle Zuweisungsquote des Landes „nur“ zu 92 Prozent erfüllt habe, stehe kurzfristig die Aufnahme von 61 weiteren Flüchtlinge bevor.

Der starke Anstieg der Asylbewerberzahlen werde sich im kommenden Jahr fortsetzen, so die Prognose des Herner Sozialdezernenten. Am Ende des Jahres werde die Stadt 1000 Flüchtlinge aufgenommen haben.

Verwaltung sondiert Grundstücke

Die Verwaltung arbeite „mit Hochdruck“ an der Einrichtung neuer Quartiere, erklärt Stadtsprecher Christoph Hüsken. In das angemietete ehemalige Siemens-Werk an der Südstraße könne voraussichtlich Anfang August von 95 Flüchtlingen bezogen werden. Nach einem zweiten Bauabschnitt könnten dort 80 weitere Menschen untergebracht werden. Und auch das Aufstellen von Wohncontainern an diesem Standort schließt die Stadt inzwischen nicht mehr aus.

Darüber hinaus sondiere die Verwaltung zurzeit Grundstücke für den Bau neuer Einrichtungen, so Chudziak. Auch „die Ertüchtigung leer stehender Schulgebäude“ werde ins Auge gefasst. Welche Schulen hier in Frage kommen, sagt der Dezernent nicht.

Die „frohe Botschaft“ über die Verdoppelung der Soforthilfe für die Flüchtlingskosten durch den Bund habe er zwar vernommen. Aber: „Das ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.“ 800 000 Euro könne Herne hier für 2014 erwarten; die Kosten dürften aber bei fünf bis zehn Millionen Euro liegen. Auch personell seien weitere Anstrengungen sowohl im Sozialamt als auch im Ausländeramt nötig.

Unter den in Herne lebenden Asylbewerbern gibt es auch sieben unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Das berichtete die Verwaltung am Mittwoch im Sozialausschuss auf Anfrage der Linkspartei. Abgeschoben worden sei bisher kein minderjähriger Flüchtling, so die Stadt.