Kulturhauptstadt 2010
Herne legt nach
17.01.2010 | 14:33 Uhr 2010-01-17T14:33:00+0100
Herne/Wanne-Eickel. Städtische Galerie und Flottmann-Hallen hatten eingeladen und viele sind gekommen: Eine Woche, nachdem auf Zeche Zollverein das Kulturhauptstadtjahr eröffnet wurde, legte Herne am Samstagabend nach, mit der ersten Doppelfolge des vierteiligen Ausstellungszyklus' „Liquid Area”.
So voll war es bei einer Ausstellungseröffnung in der Galerie am Karl-Brandt-Weg wohl noch nie: Ob in dem Foyer – eigentlich nur eine größere Diele – ob im Windfang oder oben auf der offenen Galerie: Dicht an dicht drängten sich die 250 Besucher, manche fanden drinnen anfangs gar keinen Platz. So eng war es, dass selbst die ausstellenden Künstler Susanne Kutter und Harald Hilscher Mühe hatte, sich ihren Weg zu bahnen, Richtung Rednerpult und Mikrofon, wo OB Horst Schiereck in seiner kurzen Ansprache die doppelte Doppelausstellung – zwei Künstler, die in der Galerie ausstellen, zwei in den Flottmann-Hallen – als „erstes großes Projekt und erstes großes Highlight” der Kulturhauptstadt in Herne herausgehoben hatte. Und auch Oliver Doetzer-Berweger, Leiter des Emschertal-Museums und damit auch der Galerie freute sich ganz unverhohlen, der erste zu sein: Der erste, in dessen Haus eine Ausstellung der zu den RuhrKunstMuseen zusammengeschlossenen Einrichtungen eröffnet wurde – was auch die Ruhr2010 mit einem zumindest kurzen Besuch von Geschäftsführer Oliver Scheydt würdigte. Nach einem schon sehr anspruchsvollen Vortrag von Privatdozent Andreas Steffens, der die Ausstellung und das Thema „Wasser” kulturhistorisch einordnete, gab es Gelegenheit, sich die sehr unterschiedlichen Arbeiten von Susanne Kutter und Harald Hilscher anzusehen – so gut oder eher schlecht das bei dem Gedränge möglich war. Schade eigentlich, dass nicht mehr Zeit für beide übrig war und es auch an der Ruhe fehlte. Kutters ironisch-bedrohliche Szenarien und Hilschers auf grundlegende Strukturen gerichtete Aufmerksamkeit erfordern vom Betrachter Muße.
Doch schon zieht der Tross weiter zu den Flottmann-Hallen, wo das Foyer mit Tischen, Stühlen und Kerzenlicht hergerichtet ist für den Ausklang des Abends, wo eine kleine Bühne aufgebaut ist für die spätere Uraufführung des Musikstücks „Ins Wasser geschrieben” von Karola Pasquay und Uwe Fischer-Rosier. Doch zunächst führt der Weg in die große Halle, in der Luka Fineisen und Gereon Krebber den zweiten Teil der Ausstellung inszeniert haben. Noch einmal Ansprachen und die nicht minder anspruchsvolle Fortsetzung des Vortrags von Steffens, kurz unterbrochen von Luka Fineisens Kunstobjekt: Mit leisem Fauchen breiten sich von der Deckeninstallation wabernde Nebelschwaden aus, ziehen durch den Raum, umhüllen Krebbers Objekte wie auch die Besucher. Kinder aus der Gästeschar nutzen die Chance und stürzen sich ins Nebelfeld, das von einer Maschine erzeugt wird, die an eine Apparatur aus dem Kabinett von Dr. Frankenstein erinnert. Eine besondere Form des Wassers, der Nebel, der Dampf wird hier eingesetzt, zu einem Spiel mit Erwartung und Wahrnehmung, mit Veränderung von Strukturen und neuen Perspektiven: „Liquid Area” - eine Region ist in Bewegung.
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