Herne erlebt drei Tage lang den Spielewahnsinn

Viel zu entdecken gab es von Freitag bis Sonntag für Spielefans im Kuz beim „Spielewahnsinn“. Auch im benachbarten LWL-Museum wurde gespielt. Testen einiger Neuerscheinungen.Spielewahnsinn.
Viel zu entdecken gab es von Freitag bis Sonntag für Spielefans im Kuz beim „Spielewahnsinn“. Auch im benachbarten LWL-Museum wurde gespielt. Testen einiger Neuerscheinungen.Spielewahnsinn.
Foto: Ralph Bodemer
Am Wochenende war das Kulturzentrum Anlaufpunkt für verspielte Kinder und - vor allem - Erwachsene. Auch im benachbarten Archäologie-Museum wurde gespielt.

Herne..  Beim Anblick des Kulturzentrums ist an diesem Wochenende wohl jedes Spielerherz schneller geschlagen. Ob Brett-, Karten-, Multiplayer- oder Rollenspiele – der „Spielewahnsinn 2015“ hatte sie mal wieder alle. Insgesamt rund 40 Aussteller, unter ihnen Verlage, Hersteller und Spielautoren, präsentierten drei Tage lang Neuheiten und Klassiker rund um das Thema Gesellschaftsspiele.

„Wir wollen jeden ansprechen“, erklärte Susanne Klaus vom städtischen Spielezentrum. „Das hat bis jetzt auch immer gut geklappt. Es kommen viele Familien, Jugendliche, und natürlich sind auch die obligatorischen Spielenerds dabei.“ Das bedeutet: An den Tischen herrscht ein buntes Treiben, die Stimmung ist ausgelassen. Hin und wieder kann man den Jubel eines Siegers oder den resignierten Seufzer eines Verlierers hören.

Das Spiel „Colt Express“ ist eine der beliebtesten Neuheiten des Asmodee-Verlags, ein Spiel um die Fahrt des Union Pacific Express. „Das Brettspiel ist in Amerika im Jahr 1899 angesiedelt“, erklärte Barbara Spiegel, die die Spieler begleitete und im Notfall die richtige Regel parat hatte. „Auf seiner Fahrt wird der Zug von Banditen überfallen. Jeder der Spieler ist ein eigenständiger Bandit und plant den Überfall mit Bewegungs- und Aktionskarten.“ Derjenige, der das meiste Diebesgut erbeutet, gewinnt.

„Seven Wonders“-Turnier im benachbarten Museum

In diesem Jahr stand den Spielern nicht nur das Kulturzentrum als Spieleparadies zur Verfügung: Im LWL-Museum für Archäologie am Europaplatz fand eines der Turniere im Rahmen des Spielewahnsinns statt. „Wir haben einen Kooperationsvertrag mit dem Museum unterzeichnet“, erklärte Susanne Klaus. Das bedeutet, dass die Besucher des Spielewahnsinns mit ihren Eintrittskarten auch die Ausstellung des Museums besuchen konnten, in der thematisch passend das „Seven Wonders“-Turnier, ein verschiedene Epochen streifendes Kartenspiel, ausgetragen wurde.

„Neu ist auch die große Präsenz von Spieleautoren“, ergänzte Susanne Klaus. Einer von ihnen war Frank Schlüter, der das Kartenspiel „Dragon Hunter“ ersonnen hat und das Spiel nun per Crowdfunding selbst verlegen möchte. „Dragon Hunter ist ein Liverollenspiel, dass in einer fantastischen Welt spielt. Die Spieler werden in eine komplette Geschichte entführt“, erzählte er. Das Spielen an sich sei für ihn nicht nur Vergnügen, sondern ein ständiger Reflexionsprozess. „Verspieltheit ist eine Eigenschaft, die ich mir selbst als Lebenseinstellung bewahren möchte“, sagte der Autor schmunzelnd.

Damit sprach er wohl vielen Besuchern des 34. Spielewahnsinns aus der Seele.

36 Teams beim Finale

Nicht jeder Besucher kam zum Spielewahnsinn, um Neuheiten kennenzulernen. Für Andrea Reich-Halver und ihr vierköpfiges Team „Guns ‘n’ Roses“ etwa ging es um die Qualifikation für die diesjährigen Mannschafts-Brettspiel-Europameisterschaft in Essen. Denn beim Spielewahnsinn wird schon seit 21 Jahren das Finale der Deutschen Meisterschaft im Brettspiel ausgerichtet.

„36 Teams können sich auf vorangehenden Turnieren qualifizieren und beim Spielewahnsinn im Finale der Deutschen Meisterschaften antreten“, erklärte Michael Bartusch-Lenzen vom Spielezentrum. Im Verlauf des Turniers spielten die Spieler jeweils vier Brettspiele, die im Februar bei der Nürnberger Spielemesse präsentiert wurden – dies sollte sicherstellen, dass alle Kandidaten die selbe Vorbereitungszeit hatten. In diesem Jahr mussten die Teams ihr Können bei den Brettspielen „Cacao“, „Gaia“, „evolution“ und „Marco Polo“ beweisen.

Am Ende gewannen die Spieler von „In Team“. Andrea Reich-Halver landete mit „Guns ‘n’ Roses“ auf dem 21. Platz.