Helfer sorgt sich um die Armen in seiner alten Heimat

Bewohner eines Altenheims in Schlesien freuen sich über die Spende, die der Herner Henry Smolinski überbrachte.
Bewohner eines Altenheims in Schlesien freuen sich über die Spende, die der Herner Henry Smolinski überbrachte.
Foto: Smolinski
Was wir bereits wissen
Henry Smolinski fährt alle zwei Monate mit seinem Transporter nach Schlesien. Herner Bürger sammeln für ihn Kleidungsstücke und Lebensmittel. Sie landen bei armen Familien, in Kinder- und Altenheimen .

Herne..  Wenn Henry Smolinski kommt, freuen sich die Leute. So oder so. Die einen, weil er ihnen etwas zu Essen bringt oder Kleidung. Die anderen, die Menschen auf der Geberseite, weil sie jemanden haben, der ihnen sein Ohr leiht, jemand, der Zeit hat für einsame Menschen. Der gebürtige Schlesier fährt alle zwei Monate mit seinem roten Transporter in die alte Heimat, um dort Not zu lindern. Die sei dort auch ein Vierteljahrhundert nach dem Ende des Kommunismus noch verbreitet zu finden, weiß der 58-Jährige. Einkaufsstraßen mit schicken Schaufenstern, das sei die eine Seite der Dörfer und Städte Schlesiens. Bittere Armut in heruntergekommen Plattenbauten und Bauernhöfen auf dem Land die andere.

Zahlreiche Herner kennen Smolinski, fast zu viele, denn er kommt kaum noch nach mit der Annahme der Gaben, die er mitnehmen soll. „Mehr schaffe ich nicht“, sagt er, schließlich geht er einer anstrengenden Arbeit nach, ist als Lastwagenfahrer ständig auf Achse. Um dann in seiner knapp bemessenen Freizeit anderen Menschen zu helfen, Familien, Kinder- oder Altenheimen in Waldenburg (Wałbrzych), Langenbielau (Bilawa) und Breslau (Wroclaw).

Tschernobyl-Hilfe machte Anfang

Angefangen hat alles vor 19 Jahren, als er seine Nichte in einer Klinik in Breslau besuchte: „Das Mädchen hatte Krebs, wie so viele Menschen damals in Schlesien nach dem Reaktor-Unfall in Tschernobyl. Drei Jahre später ist sie gestorben.“ Ganz wenig hätten die Menschen damals gehabt in dieser Klinik in Breslau. Smolinski stieg bei der Tschernobyl-Hilfe des Herners Reinhard Hellnick ein und machte weiter, als Hellnick verstarb, trat somit das Erbe des Wohltäters an.

Eine Bekannte ruft Smolinski in diesem Moment auf dem Handy an, sie habe einen Koffer voller Kleidung ihres verstorbenen Mannes zu verschenken. Smolinski freut sich und sagt: „Sie bekommen einen Handkuss von mir“. Etwas Nettes als Dank, das ist vielen Spendern der schönste Lohn. „Ich gehe gerne zu den Menschen, oftmals bin ich auch so eine Art Seelsorger für Sie.“

Einer Familie mit acht Kindern auf einem halb verfallenen Bauernhof brachte er Fahrräder, eine weitere bitterarme Familie mit zehn Kindern wollte partout nichts annehmen: „Der Vater war zu stolz, er wollte keine Almosen.“

Für all die Spenden hat Smolinski gar kleinen Platz zuhause, deshalb ist er froh, dass Jutta Holz ihm hilft. Sie hat ein hübsches Gartenhäuschen, das sie als Lager umfunktioniert hat. Dort stapelt sich alles, was wärmt – Winterstiefel, dicke Jacken, wärmende Mützen und Handschuhe – sowie Lebensmittel, die haltbar sind: Dosen-Eintopf, Nudeln, Zucker und H-Milch. Ende Februar fährt Smolinski wieder los Richtung Polen. Armen Menschen zu helfen ist zu seinem Lebensinhalt geworden.