Heinz Sokoll ist ein begnadeter Schnitzer

Heinz Sokoll ist begnadeter Drechsler und Schnitzer.
Heinz Sokoll ist begnadeter Drechsler und Schnitzer.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Heinz Sokoll hat sich seinen Traum vom Arbeiten mit Holz erst in späten Jahren erfüllt.Der 85-Jährige fertigt Dekoratives für den Wohnzimmerschrank.

Herne..  Waren Sie schon einmal im Erzgebirge? In einem dieser Touristenläden, in denen sich filigran geschnitzte Engelchen, Schachfiguren und Puppen in den Regalen stapeln? Falls ja – dann wissen Sie so ungefähr, wie es bei Heinz Sokoll zuhause aussieht.

85 Jahre ist Sokoll alt, viele Herner haben dekorative Korken, Schalen oder Teller aus seiner Hand im Wohnzimmer stehen. Dass aus dem Ur-Herner ein stadtbekannter Holz-Artist werde würde, war lange nicht zu erahnen. Doch Sokoll hat sich seinen Traum erfüllt – gegen alle Widrigkeiten.

Seine Geschichte beginnt in den 40er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Als Heinz Sokoll, ein Junge von der Gräffstraße, von der Schule abging, hatte er ein klares Ziel vor Augen: Er wollte Schreiner werden, denn mit Holz konnte er umgehen, sein Talent hatte er früh erkannt. „Als ich mit meinem Vater zur Berufsberatung ging, hieß es: Schreiner kannst du nicht werden, wir haben nur eine Lehrstelle anzubieten als Anstreicher.“

Für den jungen Mann muss das dem Zerplatzen einer Seifenblase gleichgekommen sein. Doch Sokoll fügte sich in sein Schicksal. Während seiner Ausbildung schickten sie ihn fast jeden Tag nach Dortmund, „wir sollten nach den Bombenangriffen die zerborstenen Fensterscheiben ersetzen. Aber am nächsten Tag, wenn die nächsten Bomben gefallen waren, war das Glas wieder kaputt.“

Acht Jahre unter Tage gearbeitet

Der Krieg ging vorüber, Sokoll überlebte, doch sein Traum von der Arbeit als Schreiner rückte in immer weitere Ferne. Eine Zeit lang verdingte er sich als Eisenanstreicher, half beim Wiederaufbau des Oberhausener Gasometers. Später wechselte der Mann, der seit 45 Jahren an der Holsterhauser Straße gegenüber der Kultkneipe „Sonne“ wohnt, auf Zeche Shamrock I/II. Acht Jahre arbeitete er unter Tage, doch die Maloche machte ihm zu schaffen. Ein Freund verschaffte ihm einen Job bei Westdeutschen Getriebewerken an der Südstraße, dort blieb Sokoll bis zur Rente. Auch privat verlief sein Leben in geordneten Bahnen. 1956 heiratete er, aus der Ehe gingen zwei Töchter hervor. „Von meinem Traum, mit Holz zu arbeiten, habe ich mich aber nie abbringen lassen“, sagt Sokoll.

Er öffnet die Kellertür. Als er das Licht einschaltet, geht automatisch ein altes Autoradio an, auf WDR4 läuft Neil Diamonds „Sweet Caroline“. In dem kleinen Kabuff hat Sokoll eine Werkbank aufgebaut, hier arbeitet er an neuen Figuren. Vor zwölf Jahren ist seine Frau gestorben, es war kurz vor Weihnachten. „Manchmal, wenn ich alleine bin“, sagt Heinz Sokoll im fahlen Licht der Deckenlampe, „kommen die Gedanken. Aber wenn ich mit Holz arbeiten kann, ist das für mich große Entspannung.“