Heinrich Schneider geht mit Wehmut und Stolz in Ruhestand

Heinrich Schneider nimmt nach fast 34 Jahren bei den Werkstätten für Behinderte neue Ziele in den Blick.
Heinrich Schneider nimmt nach fast 34 Jahren bei den Werkstätten für Behinderte neue Ziele in den Blick.
Foto: Bodemer
Was wir bereits wissen
Heinrich Schneider verabschiedet sich nach fast 34 Jahren bei den Werkstätten für Behinderte in den Ruhestand. Er geht mit Wehmut und Stolz.

Herne..  Regale und Schreibtisch haben sich zum größten Teil geleert, in den kommenden Tagen werden sich die Abschiedsbesuche mehren. Am kommenden Freitag wird Heinrich Schneider die Tür zu seinem Büro endgültig hinter sich schließen. Der Geschäftsführer der Werkstätten für Behinderte (WfB) verabschiedet sich, die passive Phase seiner Altersteilzeit beginnt. Damit endet so etwas wie eine Ära an der Langforthstraße, denn der 63-jährige Schneider war fast 34 Jahre dort tätig. Im Gespräch mit WAZ-Redakteur Tobias Bolsmann blickt er zurück - und ein klein wenig nach vorn.

Herr Schneider, wie schwer fällt Ihnen nach so langer Zeit der Abschied?

Schneider: Es ist schon ein bisschen Wehmut dabei. Ich werde die Begegnung und die Erlebnisse mit den behinderten Menschen vermissen. Ich bin aber auch stolz. Ich denke, dass die Werkstätten für die kommenden Jahre gut aufgestellt sind. Sie haben einen guten Stand im Vergleich zu vergleichbaren Einrichtungen.

Das dürfte daran liegen, dass die WfB als Dienstleistungsunternehmen ziemlich breit aufgestellt sind.

Ja, seit ich 1981 hier begonnen habe, hat sich viel getan. Damals waren 155 Menschen mit Behinderung beschäftigt, heute sind es rund 900. Seit fünf Jahren veranstalten wir den Adventsmarkt, der sich zu einem großen Ereignis entwickelt hat. Mit unseren verschiedenen Bereichen wie Schreinerei, Heißmangel, Gärtnerei, Druckerei oder der Kfz-Werkstatt haben wir Kunden in ganz Nordrhein-Westfalen. Und in der Nische Taubensport, für den wir fast 300 unterschiedliche Artikel herstellen, sind wir quasi weltweit aktiv.

Wie hat sich die Arbeit der Werkstätten in vergangenen Jahren verändert?

Als ich angefangen habe, war Herne sehr stark vom Bergbau und deren Zulieferer-Firmen geprägt. Dort hatten wir viel Kunden, deshalb waren die Werkstätten indirekt vom Niedergang des Bergbaus betroffen. Auch heute sind wir abhängig von der wirtschaftlichen Lage unserer Kunden. Deshalb mussten und müssen wir unsere eigenen Produkte entwickeln.

Welche Chancen haben die denn am Markt?

Auch wenn wir ein soziales Unternehmen sind: Wir wollen nicht, dass ein Kunde nur aus Nächstenliebe zu uns kommt. Das Ziel ist es, qualitative Produkte zu marktgerechten Preise anzubieten.

Das hört man den Kaufmann in Ihnen. . .

. . .ja, ich habe die Ressourcen immer schon kostenbewusst eingesetzt. Um es aber ganz klar zu sagen: Der Mensch steht im Mittelpunkt, das wichtigste ist, dass wir etwas für die behinderten Menschen tun. Uns ist bewusst, dass es nur die wenigsten unserer Beschäftigten in den ersten Arbeitsmarkt schaffen. Doch der kleine Umfang, in dem die Behinderten arbeiten können, hat für sie selbst eine sehr große Bedeutung. Sie sind hoch motiviert, sie haben in den Werkstätten das soziale Umfeld.

Ein Stück weit waren die Werkstätten ja auch Ihr soziales Umfeld. Haben Sie Pläne für die Zeit nach Ihrem Abschied?

Ja, es ist wichtig, dass man etwas zu tun hat. Am 3. Juni werde ich ein Boot von Holland nach Berlin überführen, und die Herbstferien mit meiner Ehefrau auf den Berliner Gewässern verbringen.