Härtetest für die U-Bahn-Fluchtwege in Herne

Einen Großbrand in der Herner U-Bahn gab es bislang glücklicherweise nicht, im Bild eine Übung der Feuerwehr aus dem Oktober 2012.
Einen Großbrand in der Herner U-Bahn gab es bislang glücklicherweise nicht, im Bild eine Übung der Feuerwehr aus dem Oktober 2012.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Können Passanten in der Herner U-Bahn bei einem Brand rechtzeitig in Sicherheit gelangen? Ein Experte untersucht bis 2019 alle Bahnhöfe.

Herne..  Können sich Passanten im Falle eines Feuers in den Herner U-Bahnhöfen rechtzeitig ins Freie retten? Das will die Bogestra in den kommenden vier Jahren testen: Ein Gutachter, sagt Bogestra-Sprecher Christoph Kollmann auf Anfrage der WAZ, nehme sich nun jeden Bahnhof einzeln vor.

Zur Ausgangslage: Es gibt sechs Bahnhöfe zwischen Bochum und Herne, die von der U35/Campus-Linie angefahren werden: Berninghausstraße, Hölkeskampring, Archäologie-Museum/Kreuzkirche, Herne-Mitte, Herne Bf (S) und Schloß Strünkede. Eröffnet wurde die Strecke im September 1989. In neuen Anforderungen an den Brandschutz in U-Bahnhöfen wird als „Schutzziel“ bei Feuer „Selbstrettung vor Fremdrettung“ festgelegt, heißt es in einem Bericht der Stadt an die Politik. Dieses Schutzziel gilt demnach als erreicht, wenn Passanten bei einem Feuer in Sicherheit sind, bevor der Rauch eine Höhe von zwei Metern erreicht hat.

Ob das in den Herner U-Bahnhöfen möglich ist, sprich: ob dafür die Flutwege reichen, soll der externe Gutachter klären. Einen Ernstfall, sagt Kollmann, gab es bislang glücklicherweise nicht. Für den Testlauf würden keine Übungen, etwa unter Nutzung von Rauch, durchgeführt, sagt Ralf Dost, Fachbereichsleiter bei der Bogestra.

Testlauf kostet 100 000 Euro

Sondern: Die Arbeit erledige ein Computer. Das aber sei sehr aufwändig. Die Bahnhöfe würden im Rechner simuliert, auch „Rauch und Fluchtwege können abgebildet werden“. Es könne dabei durchaus Wochen dauern, bis die Ergebnisse für einen Bahnhof durchgerechnet seien.

Die Bogestra schätzt die Kosten für den Testlauf auf rund 100 000 Euro. Die Stadt Herne als Eigentümerin der U-Bahnhöfe soll 50 Prozent der Mittel tragen. Ob Herne auch Geld für Maßnahmen bereitstellen muss, sollten sich Lücken im Brandschutz auftun, das „kann man zum jetzigen Zeitpunkt nicht beantworten“, sagt Kollmann. Man wolle zunächst den ersten Schritt abwarten. Bei einer ähnlichen Testreihe in Gelsenkirchen habe etwa der Brandschutz im Hauptbahnhof überarbeitet werden müssen, so der Bogestra-Sprecher. Er betont jedoch: „Die U-Bahnhöfe sind nicht zu vergleichen.“

FDP-Chef Thomas Bloch fragte in diesem Zusammenhand auf der letzten Sitzung des Ausschusses für Planung und Stadtentwicklung, wie es um den baulichen Zustand der U-Bahnhöfe in Herne stehe. Hier und da seien Wasserschäden zu sehen. Ob da auf die Stadt Herne eine Kostenlawine zurolle? Es gebe derzeit „keine Erkenntnisse, dass sich ein Erneuerungsbedarf abzeichnet“, antwortete Josef Becker, Chef des städtischen Fachbereichs Tiefbau und Verkehr.