Habicht entdeckt Herne für sich als „Büfett“

Ein exzellenter Flieger: der Habicht, Vogel des Jahres 2015
Ein exzellenter Flieger: der Habicht, Vogel des Jahres 2015
Foto: Nabu W. Lorenz
Was wir bereits wissen
Der Nabu Deutschland hat den Habicht zum „Vogel des Jahres 2015“ erklärt. In Herne ist er bislang nur als Futtergast nachgewiesen.

Herne..  Als Hiltrud Buddemeier am Neujahrsmorgen vor einem Jahr mit ihren Hunden einen Spaziergang in Wanne-Nord unternahm, machte sie eine Entdeckung, die ihr den Start ins neue Jahr sofort trübte: Zu Füßen eines Hochhauses fand die Vorsitzende des BUND Herne einen toten Habicht. Sie ließ ihn untersuchen, um sicherzustellen, dass der Greifvogel, der ganzjährig streng geschützt ist, nicht vergiftet worden war. „Er hatte sich das Genick gebrochen“, erzählt sie. „Vermutlich ist er durch das Geballer in der Nacht aufgeschreckt worden, losgeflogen und gegen das Haus geprallt. Es war ein schönes, großes, noch junges Männchen“, bedauert sie. Um so mehr, weil es bislang in Herne keinen Nachweis für die Ansiedlung eines Habichts gibt, den der Nabu Deutschland zum „Vogel des Jahres 2015“ erklärt hat.

Nicht nur die Entdeckung des toten Tieres durch Hiltrud Buddemeier lässt Jürgen Heuser von der Biologischen Station Östliches Ruhrgebiet an der Vinckestraße vermuten, dass in Herne Habichte zumindest immer mal wieder unterwegs sind, um hier auf Nahrungssuche zu gehen. „Wir haben aus dem Umfeld des Voßnacken immer häufiger gehört, dass dort Habichte gesichtet wurden“, berichtet er. „Verwunderlich wäre das nicht, das ist ein Gebiet, das Habichten, die exzellente Flieger sind, gefallen würde.“ Weil bislang aber kein Habicht-Horst in Herne nachgewiesen werden konnte, vermutet Jürgen Heuser ebenso wie Hiltrud Buddemeier, dass die Tiere aus den Nachbarstädten wie zum Beispiel aus Castrop-Rauxel Herne als „Büfett“ für sich entdeckt haben.

Horst hoch in den Bäumen

Mal eben zu beobachten sind Habichte eher nicht. „Sie bauen ihre Horste hoch in den Bäumen“, weiß Bernhard Bruns, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Emschergau. „Sie jagen hauptsächlich in der Dämmerung und halten sich ansonsten versteckt, ganz anders als der trottelige Bussard, den man überall hocken sehen kann, sei es an Autobahnen oder irgendwo auf Pfosten.“ Bernhard Bruns ist fest davon überzeugt, dass sich in Herne schon ein Habicht-Brutpaar angesiedelt hat: „Ich habe selbst schon Habichte am Gysenberg gesehen.“

Jäger und Habichte - sie sind nicht unbedingt Freunde, auch Tauben- und Hühnerzüchter sind oft nicht gut auf die gewandten Flieger zu sprechen. „Habichte jagen vor allem Vögel“, sagt Norbert Kilimann, Vorsitzender des Nabu Herne. „Kleine ebenso wie große.“ Und dazu gehören eben nicht nur Singvögel , sondern auch Tauben, Hühner und Rebhühner. Laut Informationen des Nabu werden in NRW Greifvögel - insbesondere Bussarde und Habichte - immer noch illegal gejagt, sei es mit Gift oder mit Schlagfallen, in die lebende Tauben als Köder für die Greifvögel gesetzt werden.

„Habichte zu töten, ist ein Straftatbestand“

In Herne ist von solchen Vorkommnissen weder dem BUND, noch dem NABU, der Biologischen Station oder den Jägern etwas bekannt. „Das müsste sofort angezeigt werden“, sagt Bernhard Bruns. „Habichte zu töten, ist ein Straftatbestand und nichts anderes als Wilderei. Wenn ich von so etwas wüsste, würde ich sofort einschreiten.“

Greifvögel wie Habichte gehörten fraglos zur Natur dazu. Sicher sähen es viele nicht gerne, wenn Singvögel geschlagen werden - oder ihre Hühner und Tauben: „Aber das ist Natur. Der Habicht hat auch Hunger und will leben.“ So lange es ein Gleichgewicht gebe, so Bruns, sehe er auch keine Probleme. Schwieriger werde es dagegen, wenn Bestände verschiedener Tierarten schon zurückgegangen seien. Das sei zum Beispiel bei den Rebhühnern der Fall, die in der heutigen Agrarlandschaft kaum noch Futter und Brutmöglichkeiten fänden. Sie könnten dann noch mehr in Bedrängnis geraten.

Häufig mit dem Sperber verwechselt

Häufig verwechselt wird der Habicht mit dem Sperber. Kein Wunder, gehören die beiden doch zur gleichen Familie. Und Sperber sind in der Tat in Herne und Wanne -Eickel recht häufig vertreten und brüten auch hier.

„Ihr Bestand hat in den letzten Jahren wieder zugelegt“, sagt Jürgen Heuser von der Biologischen Station. „Sperber gehen mittlerweile auch in Siedlungsbereiche.“ Zur Verwechslung von Habicht und Sperber komme es, weil die beiden ähnlich gezeichnet sind - und ein ausgewachsenes Sperberweibchen könne es schon durchaus mal auf die Größe eines Habichtmännchens bringen. „Bei den Greifvögeln sind die weiblichen Tiere immer größer als die männlichen“, erklärt Heuser.

Habicht und Sperber tauchen blitzschnell auf

Ebenso wie die Habichte sind die Sperber auszeichnete Flieger und unglaublich schnelle Jäger. Anders als zum Beispiel der Mäusebussard, der oft hoch am Himmel kreisend zu beobachten ist oder der Turmfalke, der auf einer Stelle in der Luft zu stehen scheint (Rüttelfalke), schießen Habicht und Sperber wie aus dem Nichts blitzschnell auf ihre Beute zu.

Norbert Kilimann hat das schon mehrfach aus der Nähe beobachten können, so bei der letzten Nabu-Zählung der „Wintervögel“ im vergangenen Monat am Herner Haus der Natur. Dort hatten sich an der Futterstelle viele Vögel versammelt, als aus heiterem Himmel ein Sperber auf sie zugeschossen kam. „Wir haben alle die Luft angehalten“, sagt Norbert Kilimann. Allerdings sei der Angriff für den Sperber erfolglos geblieben. Ebenso ohne Futter sei ein Sperber am Haus der Natur wieder abgezogen, nachdem er sich auf eine Gruppe aus 117 Erlenzeisigen gestürzt hatte. „Die Vögel flogen alle sofort auf“, erzählt Kilimann. „Der Sperber war völlig verwirrt und wusste nicht, für welches Tier er sich nun entscheiden sollte.“ Schwarmintelligenz schlägt einsamen Jäger.