Großer Ansturm am ersten Wochenende von "AufRuhr1225"
01.03.2010 | 12:54 Uhr 2010-03-01T12:54:00+0100
Herne. Ritter, Burgen und eine wahre tragische Geschichte: Das Konzept für die große Mittelalter-Ausstellung im Archäologie-Museum Herne ging am ersten Wochenende nach der Eröffnung schon auf. Am Sonntagnachmittag bildeten sich an den Kassen lange Schlangen.
Im Foyer werden die vielen Besucher schon erwartet – von mehreren Souvenirständen. Wenn sie aus der Sonderausstellung kommen, bleibt ihnen gar nichts anderes übrig, als sich ein oder zwei Andenken mitzunehmen – zumindest dann nicht, wenn kleine Kinder die Erwachsenen zielsicher zu Spielzeug-Rittern und Literatur mit Titeln wie „Das große Buch der Burgen” ziehen.
Darauf haben es die erklärten Mittelalter-Fans (es scheint einige davon zu geben) nicht abgesehen. Sie fassen eher das Buch zu „AufRuhr 1225!” ins Auge. „Darin erfährt man mehr über die Hintergründe”, sagt Tobias Thimm. Der 24-Jährige bezeichnet sich als „Hobby-Historiker”, Archäologie und das Mittelalter seien für ihn „wie für andere Fußball gucken”. Doch je mehr die Besucher in die Geschichte des Erzbischofs Engelbert von Köln – den Aufhänger der Schau – eintauchen, desto größer wird ihre Gewissheit, dass das Mittelalter verdammt grausam war. Die Chronik des Mordes noch einmal in Kurzform: Am 7. November 1225 lauerten Friedrich von Isenberg und einige Begleiter Engelbert auf und brachten ihn brutal um – der Erzbischof wurde dem Vogt des Stiftes Essen zu mächtig. Doch Friedrich sollte seine Tat bald entsetzlich büßen.
In drei Räumen ist „AufRuhr 1225!” untergebracht. Der Zugang zum größten, der, in dem die Tragödie von Engelbert und Friedrich im Mittelpunkt steht, ist nichts für Stöckelschuhe: Der Boden ist einem holprigen Weg nachempfunden, mit Eindrücken von Pferdehufen und Räderspuren, und dunkel ist es auch – auf solch einem Pfad, denkt der Besucher unwillkürlich, muss der Kölner Erzbischof zu Tode gekommen sein. Dazu dann die Erläuterung auf einer Tafel, dass es im Mittelalter kaum befestigte Straßen gegeben hat, dass das Reisen nicht Vergnügen, sondern Herausforderung war und nicht selten tödlich endete.
Begehbare Karte der Region
Wie es in Herne wohl ausgesehen hat, damals, zur Zeit der Kreuzzüge? Einen kleinen Eindruck vermittelt der begehbare Stadtplan der Metropole Ruhr, in dem alle ehemaligen Adelssitze dieser Gegend verzeichnet sind. 16 Burgen gab es allein im heutigen Herner Stadtgebiet, über 400 in der gesamten Ruhrregion. Einige sind noch erhalten, zumindest als Ortsname: Gysenberg, Grimberg, Dorneburg, Crange. Doch wer weiß schon, dass sich nur einen Katzensprung von Strünkede entfernt eine Wallburg Baukau befand?
Friedrich, der Mörder, wurde schließlich ein Jahr nach der Tat gefasst. Ein Henker folterte ihn, brach ihm dann Arme und Beine und flocht ihn an ein Rad. Dort hängend, heißt es auf den Erklärtafeln, soll er noch einige Zeit gelebt haben. Nein, sagt Karl-Eugen Brandt, vor einem der Souvenirtische stehend: Im Mittelalter hätte er wirklich nicht leben wollen. „Höchstens als Adeliger. Die haben es sich ja durchaus gutgehen lassen.”
18:12
Der Trend unserer Zeit:
Zu viel Erlebnis, zu wenig Wissen!
17:34
Schade!
Wozu werden Besucher befragt, wenn hinterher nur eine, zudem falsch verstandene, Tatsache in den Bericht aufgenommen wird?
Die Ausstellung war nett. Seichte Nachmittagsunterhaltung, leider aber nur auf der Oberfläche dümpelnd. Wer sich Wissensgewinn erhoff und über ein wenig Vorwissen verfügt, ist hier fehl am Platz. Der Mitmach-Raum für Kinder ist vom Grundgedanken her gut, doch in der Kleiderkiste finden sich Kostüme mit Gummizug und Plastikknöpfen. Die Exponate sind spärlichst beleuchtet und erläutert. Zumindest die Beleuchtung mag man sich noch erklären können, doch Zeichnungen von den Siegeln u.ä. wären dann hilfreich gewesen, tappte man doch oft im Dunkeln, was dort wohl zu erahnen sein könnte. Etwas weniger Deko in den Räumen, etwas mehr Inhalt, das wäre wünschenswert gewesen.
Erlebnisausstellung ist also ein treffender Begriff. Es kann einiges erlebt werden, man hat sich bemüht, einen Rundumblick zu gewähren. Sicher wird auch beim ein oder anderen kleinen Besucher Interesse an mehr geweckt werden. Doch nachlesen, was man denn da erlebt hat, wird man wohl daheim im Kinderbuch so lebten die Ritter...