Große Sause zum Ende einer Ära in Haus Wiesmann

Haus Wiesmann: Abschiedsparty.
Haus Wiesmann: Abschiedsparty.
Foto: Socrates Tassos/FUNKE Foto Servi
Was wir bereits wissen
Das „Haus Wiesmann“, die Kneipe im Herzen von Sodingen, ist Geschichte. Bevor Bagger das Gebäude bald abreißen, feierten Stammgäste eine letzte Party.

Herne..  Am Wochenende ging im Herner Osten eine Ära zu Ende. Es gab ein letztes Mal Kaffee und Kuchen, eine letzte fette Party. Viele einstige Stammgäste kamen, um sich vom Haus Wiesmann, der Sodinger Kultkneipe, zu verabschieden.

Schon in wenigen Wochen soll von dieser Stätte nichts mehr zu sehen sein. Bald werden die Abrissbagger anrollen. Bis Sommer 2016 sollen neue Wohn- und Gewerberäume an der Mont-Cenis-Straße entstehen.

Rückkehr der Hermine Wiesmann

„Da kann man halt nichts machen“, zeigte sich die ehemalige Pächterin und gute Seele des Hauses, Hermine Wiesmann, pragmatisch. Alles habe schließlich sein Ende. Sie und ihr Gatte hätten sich schon vor 18 Jahren von Haus Wiesmann verabschiedet, als sie in den Ruhestand nach Niedersachsen zogen. Dennoch ließen sie sich einen Abschiedsbesuch in ihrem zweiten Zuhause nicht entgehen.

„Ich bin hier aufgewachsen“, schwelgte Elisabeth Flintner in Erinnerungen. Die 82-Jährige wohnte als Kind gleich nebenan. „Als die Tiefbomber kamen, durften meine Mutter, mein Bruder und ich mit zu Wiesmanns in den Keller und haben in Kartoffelkisten geschlafen, weil es dort sicherer war.“ Bei einer Begehung des alten Gebäudes am Freitagnachmittag kamen auch bei Bruder Alfred Beerens Erinnerungen auf. Er kennt jede Ecke.

Ebenso Johanna Haagemann. „Ich habe früher gleich die Straße runter gewohnt“, berichtete die 58-Jährige und erinnert sich gern an Waldmeistereis aus großen Töpfen und das erste Bier in Jugendjahren. „Die Karnevalspartys hier waren immer super“, sagte sie grinsend. „Stimmt, hier war immer Highlife“, pflichtete ihr Heinz Galuba bei. Auch der Rentner hat die eine oder andere Stunde im Wiesmann verbracht, wie er verriet. Bis in die „Bremskammer“, das legendäre Eckchen für den Absacker der Kegel-Stammgäste, habe er es aber nie geschafft. „War gut da”, lachten die Mitglieder des Kegelclubs „Immer lustig“. Sie waren gekommen, um sich von ihrem Treffpunkt der vergangenen über 40 Jahre zu verabschieden. „Wir konnten noch unser Jubiläumsfoto von der Wand retten“, ist eine der Damen stolz. Traurig über das Ende sei sie jedoch nicht. „Wir erinnern uns lieber an die Schönen Sachen.“

Die Kneipe ins Museum

Dafür, dass die guten Erinnerungen an Haus Wiesmann nicht vergessen wird, möchte Heinz Galuba sorgen. Mit seiner Kamera dokumentierte der Hobbyfilmer zusammen mit Kollege Ortwin Horn die Abschiedsszene. „Es ist mir wichtig, dass ein Teil dieser Herner Geschichte erhalten bleibt“ erklärte er. Jürgen Köhne, Architekt des Neubaus an der Mont-Cenis-Straße, hat derweil vorab dafür gesorgt, dass die alten Kneipenrelikte nicht dem Schrottcontainer zum Opfer fallen. Vieles wurde an den Stadthistoriker Ralf Piorr übergeben, der im Museum eine Kneipenszene nachbauen möchte.

Dass Haus Wiesmann in Sodingen je vergessen wird, scheint eh unwahrscheinlich: „In unseren Herzen leben die Erinnerungen ans ja sowieso weiter“, meinte einer der Gäste.