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Gräber werden freigehämmert

13.02.2012 | 18:11 Uhr
Gräber werden freigehämmert
Hart wie Beton: Bevor der Bagger eine Chance hat, lockert Sven Pollaschek den Erde mit dem Hydraulikhammer. Foto: Thomas Schild / WAZ FotoPool

Herne.   Trotz Minusgraden muss der Betrieb auf den Herner Friedhöfen weitergehen. Stadtgrün-Mitarbeiter kämpfen mit Bodenfrost

Es geht alles, sagt Oliver Stennei, manchmal braucht es halt nur ein wenig länger. Seit Wochen herrschen in Herne Minusgrade, der Frost hat die Stadt fest im Griff. Das ist nicht nur ein Problem für Spaziergänger und Autofahrer, sondern gerade auch für diejenigen, deren Geschäft unter die Erde geht. Trotz eisiger Temperaturen und gefrorener Böden muss etwa auf den Friedhöfen der Betrieb weitergehen. Ob mit Frost oder ohne, die Mitarbeiter vom Herner Stadtgrün sind im Einsatz – im Moment dauert alles eben nur ein wenig länger.

„Der Boden ist bis zu 35 Zentimeter tief gefroren“, sagt Oliver Stennei, während er den von einem Schneefilm bedeckten Hauptweg des Südfriedhofes an der Wiescher-straße abläuft. Stennei ist Stadtgrün-Mitarbeiter, der Friedhof fällt in seinen Zuständigkeitsbereich und damit auch die Probleme, die er im Winter bereithält. Braucht es sonst eine Dreiviertelstunde, um ein Grab auszuheben, sind es momentan bis zu zwei. „Der Boden ist hart wie Beton“, versucht Stadtgrün-Mitarbeiter Sven Pollaschek das Getöse des Hydraulikhammers zu übertonen, zur Sicherheit wiederholt er noch mal: „hart wie Beton“. Um dagegen anzukommen, setzen die Landschaftsbauer Werkzeug aus dem Straßenbau ein, konstruiert um Teerdecken zu durchbrechen. Damit geht es gegen das eigentlich lockere Erdreich.

2,20 Meter mal 1,80 Meter misst das Grab, mit dem die Arbeiter sichtlich Mühe haben, erst wenn die steinharte Oberfläche durchbrochen ist, kann die eigentliche Arbeit beginnen. „Wir lockern den Boden auf“, erklärt Klaus Altenburg den Arbeitsschritt mit dem Hydraulikhammer, „dann kann der Bagger erst greifen.“ Der arbeitet dann wie gewohnt, hebt das Grab vollständig aus, dann wird ein sogenanntes Verbauteil eingesetzt, eine Art Stütze, die das Grab in seiner Statik bis zur Beerdigung schützt. Ist alles gelaufen, wird aber das Stützkonstrukt selbst zum Problem: „Die Verbauteile frieren an“, sagt Oliver Stennei, „nach der Beerdigung müssen wir sie mit dem Bunsenbrenner erwärmen und aus der Erde ziehen.“

150 Gräber hat Stadtgrün auf dem 35 Hektar großen Südfriedhof winterfest vorbereitet. Letzten Oktober war das, seitdem werden die Flächen mit Rindenmulche und Asche vor der Kälte geschützt, soweit möglich. Bei Bedarf werden sie abgerufen. 60 Bestattungen wurden seit Jahresbeginn an der Wiescherstraße vorgenommen – nicht jede davon verläuft in ihren Vorbereitungen gleich beschwerlich. Die Urnen-Kammern des vor anderthalb Jahren eröffneten Kolumbariums etwa werden lediglich mit einer Platte verschlossen, Erde wird keine verschoben. Lediglich die Wege müssen dann noch wintertauglich gemacht werden.

Klas Libuda

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