Gottesdienst verliert in Herne an Bedeutung

Beim Gottesdienst am Sonntagmorgen predigt der Pastor oft vor ziemlich leeren Bänken.
Beim Gottesdienst am Sonntagmorgen predigt der Pastor oft vor ziemlich leeren Bänken.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Leere Kirchenbänke beschäftigen besonders die Protestanten. Als Grund für den Bedeutungsverlust gilt der gesellschaftliche Wandel

Herne..  Das Bild in den Kirchen zeichnet sich wohl in allen Herner Gemeinden ähnlich: Pfarrer und Pastoren predigen vor zunehmend leeren Bänken. „Die Gemeinden im Evangelischen Kirchenkreis Herne haben mit einem Rückgang der Gottesdienstbesucher zu kämpfen“, sagt Superintendent Reiner Rimkus. Im Schnitt kämen an einem normalen Sonntag 1500 Besucher in die Kirchen. „Das ist für evangelische Verhältnisse allerdings nicht wenig“, meint Rimkus. Im Vergleich zu einem Heiligabendgottesdienst mit rund 18 000 Besuchern erscheint diese Zahl jedoch sehr gering. „Es macht uns ziemlich zu schaffen, dass die regelmäßigen Gottesdienstbesuche hinter denen von etwa 20, 30 Jahren weit zurück liegen“, so der Superintendent. Insgesamt zählt der Kirchenkreis Herne, zu dem auch Castrop-Rauxel gehört, 15 Gemeinden und 70 000 Gemeindemitglieder. Als Grund für den Besucherrückgang nennt Rimkus gesellschaftliche Entwicklungen: „Die Kirche mit ihrem spirituellen Anliegen gehört nicht mehr wie selbstverständlich zum Leben dazu.“ Eine diskutierte Verlegung der Gottesdienste auf einen Wochentag lehnt Rimkus ab. „Aus theologischen Gründen würde ich nie von dem Sonntag abweichen“, sagt der Superintendent. Allerdings könnten unter der Woche zusätzlich Angebote geschaffen werden. Auch wenn Rimkus schon lange dafür plädiert, Gottesdienste auf einen späteren Zeitpunkt, etwa 11 Uhr, zu verlagern, um „Ausschlafen und den Gottesdienst unter einen Hut zu bekommen“, sagt er: „Diese Veränderung würde nicht die Bedeutung der Gottesdienste erhöhen.“ Vielmehr sei ein anderer Zugang sinnvoll. So sollten etwa diejenigen Menschen, die in die Kirche gehen, nach außen tragen, warum der Gottesdienst so wichtig ist. „Gott erwartet, dass wir uns bei ihm und mit ihm versammeln. Lob und Dank, Bitten und Klagen sind von elementarer Wichtigkeit für das persönliche Leben. Der Gottesdienst ist ganz klarer Ort dafür“, erklärt Rimkus die Bedeutung des Gottesdienstes.

Pfarrer Norbert Johannes Walter sieht den Bedeutungsverlust des Gottesdienstes nicht ganz so drastisch. „In der Katholischen Kirche spielt der Gottesdienst eine größere Rolle als bei den Protestanten. Wir haben relativ konstante Zahlen“, sagt der Pastoralverbundsleiter aus Herne-Nord. Dennoch sei aufgrund des demografischen Wandels ein Rückgang der Besucher spürbar. „Es kommen einfach nicht mehr so viele junge Leute nach. Außerdem ist die Mobilität größer geworden“, so der Pfarrer. So würden manche Gottesdienstbesucher auch schon mal häufiger am Wochenende wegfahren und dann nicht in die Kirche kommen. Walter hat aber auch festgestellt, dass später beginnende Gottesdienste, etwa um elf Uhr, höher frequentiert seien.