Goldschmuck-Bande: Anwalt gegen Richter

Justiz-Zentrum Bochum Innenstadt mit Amtsgericht und Landgericht, Bochum, Ruhrgebiet, Nordrhein-Westfalen, Deutschland
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Foto: www.blossey.eu
Ein weiterer Befangenheitsantrag verzögert Prozess gegen fünf mutmaßliche Mitglieder einer Herner Goldschmuck-Bande.

Bochum/Herne..  Das Klima ist angespannt, die Verteidigung zeigt sich angriffslustig: Im Prozess gegen fünf mutmaßliche Mitglieder einer Herner Goldschmuck-Bande hat es am Montag bereits den zweiten Befangenheitsantrag gegen den Vorsitzenden Richter gegeben.

Die Worte, die dabei gefallen sind, waren nicht gerade schmeichelhaft. Vor dem Bochumer Landgericht war von „Willkür“ die Rede, von „rechtlich unvertretbarem Verhalten“ und von Verstößen gegen die Strafprozessordnung.

Sind die Richter voreingenommen?

Im Kern geht es um die Umstände einer Haftentscheidung. Der Vorwurf der Verteidigung: Die Richter sollen sich ihr Urteil bereits vor der offiziellen Haftprüfung gebildet und das auch zu Papier gebracht haben. Damit sei eine objektive Herangehensweise nicht mehr gewährleistet gewesen. Die Angeklagte – die nach wie vor auf freiem Fuß ist – habe nach Ansicht ihres Anwalts nun die Befürchtung, dass die Richter in ihrem Fall voreingenommen sind.

Der Befangenheitsantrag muss nun geprüft und dann beschieden werden. Wird ihm stattgegeben, platzt der Prozess. Sonst geht es weiter. Über die eigentliche Anklage ist bis jetzt allerdings noch kein Wort gesprochen worden.

Dem Hauptangeklagten, der sich „Tarzan“ nennt und in der Vergangenheit angeblich unter neun Alias-Namen aufgetreten ist, wurde allerdings schon signalisiert, dass ihm im Falle einer Verurteilung ohne Geständnis sieben Jahre Haft drohen.

Wie berichtet, wirft die Staatsanwaltschaft den Männern und Frauen aus Herne und Castrop-Rauxel eine Serie von Einbruchstaten vor. Einmal soll gleich ein ganzer Tresor mitgenommen worden sein. Der Inhalt: Goldschmuck im Wert von rund 200 000 Euro.

Um keine Spuren zu hinterlassen, sollen die Angeklagten völlig unauffällig gelebt haben. In Herne waren sie offiziell nie gemeldet, sie hinterließen kaum Spuren. Die Miete wurde angeblich im Voraus und in bar bezahlt. Die Handyverträge sollen im Ausland abgeschlossen worden sein.

Der Prozess wird fortgesetzt.