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Bergmanns-Tradition

Glück auf, Herr Pfarrer

15.02.2010 | 14:05 Uhr

Wanne-Eickel. Beim traditionellen Tzscherper-Frühstück schlugen Wanne-Eickler Knappen ihren Pfarrer Karl-Heinz Pötter zum Ehrenhauer. Das war die Belohnung für seine langjährige Unterstützung der Bergleute in geistigen Angelegenheiten.

Der Festraum im Peckelsenhaus ist voll. Die Knappen des Knappenvereins Glückauf Wanne-Eickel sitzen in ihren Uniformen im Gemeindezentrum der Herz-Jesu-Kirche. Auch viele Ehefrauen sind dabei. Alle Blicke sind auf Pfarrer Karl-Heinz Pötter gerichtet. Er schnallt sich das Arschleder um. Ein Kumpel hält eine große Kohleschippe vor seinen Allerwertesten. Der Mottek, ein großer Hammer der Bergleute, wird geschwungen und - klonk - ist Domkapitular Pötter zum Ehrenhauer geschlagen. Mit dieser besonderen Ehrung sei der Pfarrer, so ist sich zumindest der Protektor des Knappenvereins Erich Zdebel sicher, „der einzige Ehrenhauer in Wanne-Eickel”.

Beim traditionellen Tzscherper-Frühstück bedankten sich die Knappen mit dieser Auszeichnung für die besonderen Verdienste ihres Pfarrers. Seit 2002 begleitet Karl-Heinz Pötter die Bergleute in geistigen Angelegenheiten. So feiert er mit ihnen in jedem Jahr die bergmännisch gestalteten Gottesdienste. Dazu gehören die Messe zu Ehren der Heiligen Barbara und der Bergdankgottesdienst, der auch am vergangenen Sonntag stattfand.

Bereits seit 2004 ist Pfarrer Pötter Ehrenknappe bei Glückauf. „In den folgenden Jahren sind auf seiner Plusseite weiterhin viele Eintragungen erfolgt”, lobt ihn Erich Zdebel in seiner Rede und begründet so den Entschluss der Knappen, ihren Pfarrer zum Ehrenhauer zu schlagen.

Im Anschluss an die Ehrung dürfen sich die Knappen endlich mit dem Tzscherper-Frühstück stärken. Auf den gedeckten Tischen stehen Grubenlampen, die zur Uniform gehörenden rot gefiederten Hüte sind beiseite gestellt. „Das Tzscherper-Messer hatte jeder Bergmann unter Tage bei sich”, erklärt Erich Zdebel. „Es gehörte zum bergmännischen Gezähe und wurde zum Beispiel für kleine Holzarbeiten benötigt”, ergänzt Rolf Klarenbach, der Vorsitzende der Knappen. „Mit dem Messer wurden aber auch Schinken und Wurst über den Daumen geschnitten”, so Zdebel. Mit dem Tzscherper-Frühstück soll diese Tradition aufrechterhalten werden.

Damit diese nicht abbricht, sucht der Verein Nachwuchs. Momentan hat der Knappenverein Glückauf Wanne-Eickel etwa 110 Mitglieder. Willkommen seien nicht nur ehemalige Bergleute und deren Ehefrauen, sondern jeder, der sich dem Bergbau verbunden fühle, betont Rolf Klarenbach.

Ehrenhauer Pötter und die anderen Knappen widmen sich mittlerweile den Brötchen, Würsten und dem Speck. Allerdings: ein Tzscherper-Messer nutzen sie dabei nicht.

Infos zur Mitgliedschaft unter: WAN 79 42 20.

Jennifer Kalischewski

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