Geschwister laden zum literarischen Kinderspiel
16.02.2010 | 17:38 Uhr 2010-02-16T17:38:00+0100
Wanne-Eickel. Die Wanne-Eickeler Geschwister Beckmann stehen gemeinsam auf der Bühne. Sie laden am 20. Februar zum Ruhrgebietsabend mit "Kinder, Kumpels & Kanal". Bei der szenischen Lesung präsentieren die vier unter anderem Texte von Ralf Rothmann, Jürgen Lodemann und Nils Beckmann.
Wer den Beckmanns zuhört, wie sie so erzählen vom Entstehen ihres „Ruhrgebietsabends”, der lernt: Man muss den Zufall nur machen lassen, dann werden aus Ideen ratzfatz Erfolge. So geschehen mit „Kohle, Kumpels & Kanal”, einer Art szenischer Lesung, die die vier Geschwister aus Wanne-Eickel schon dreimal aufgeführt haben. Am Samstag (20.) ist das Programm mit Texten von Ralf Rothmann, Jürgen Lodemann, Werner Streletz, Peter Stripp und Nils Beckmann in den Flottmann-Hallen zu erleben.
Die Beckmanns, das sind Maja (33), Lina (28), Nils (26) und Till (24), die es nach Kindheit und Jugend an der Bielefelder Straße einen nach der anderen auf die Bühne zog, wo inzwischen alle zu Hause sind. Ob „die Gene” schuld sind, das Vorbild der Älteren oder das Schultheater an der Hiberniaschule, wer weiß das schon so genau? Maja jedenfalls spielt im Ensemble des Bochumer Schauspielhauses und gelegentlich bei „Stromberg” mit, Lina ist nach Bochum und Zürich in Köln am Schauspiel gelandet, während die zwei Brüder - ein dritter ist Beleuchter und lebt in Berlin - eng mit dem Herner Theater Kohlenpott verbunden sind: Unter Frank Hörner machten sie ihre ersten Gehversuche, inzwischen leiten sie nicht nur das pottfiction-Kulturhauptstadt-Projekt, sondern spielen (neben ihren Studien an der Ruhr-Universität) auch noch Theater in Krefeld.
Begeisterte Anhänger von Ralf Rothmann
Jetzt sind sie also ein Quartett, die „Spielkinder”. „Wir sind alle vier begeisterte Anhänger von Ralf Rothmann”, erklärt Till Beckmann den Ursprung des Gemeinschaftsprojekts. So kam der Gedanke auf, aus den Ruhrgebietsromanen des in Oberhausen geborenen Schriftstellers „etwas zu machen”. Lina und Maja hatten schon in Bochum erfolgreich mit „Titanic” die Eve-Bar des Schauspielhauses bespielt, die Wege der Brüder kreuzten sich mehrfach - warum also nicht alle zusammen?
Und so begab sich Till daran, die Texte für die Bühne zu bearbeiten, mit dem Einverständnis Rothmanns, der für das Projekt ebenso schnell zu gewinnen war wie die Wanne-Eickeler Fotografin Brigitte Kraemer, deren Aufnahmen aus dem Alltag im Ruhrgebiet jetzt als Bühnenbild des literarischen Kinderspiels dienen.
"Vieles entsteht spontan"
Dass sich Bild, Text und Geräuschkulisse zu einem Auftritt verbinden, dem Kritiker „Witz, Esprit und Einfühlungsvermögen” bescheinigen, ist offenbar nicht in erster Linie Ergebnis mühsamen Probens. „Vieles entsteht spontan”, sagen die Brüder. „Wir haben versucht, einen kleinen Rahmen zu finden, es aber nicht kaputt zu inszenieren”. Und das kam an. Nach einem ersten Abend in der aus allen Nähten platzenden Bochumer Buchhandlung Napp meldete sich der Intendant des Schauspielhauses, Elmar Goerden, bei Maja Beckmann, um das Programm für sein „Theater unter Tage” zu buchen. „In zwölf Stunden waren die Karten ausverkauft.” Im Dortmunder „Sissikingkong” haben die Vier später noch gelesen, weitere Auftritte stehen an, u.a. auf dem Kulturschiff auf dem Rhein-Herne-Kanal. An Anfragen mangelt es nicht, schwieriger ist da schon die terminliche Abstimmung der vielbeschäftigten Geschwister untereinander.
Dass dem ersten Spielkinder-Abend weitere folgen, ist wahrscheinlich, ein gemeinsames Stück nicht auszuschließen. „Das ist unser Traum und Fernziel”, sagt Nils Beckmann. Ins Auge gefasst ist eine Theaterfassung von Ralf Rothmanns „Milch und Kohle”.
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