Genial bis bitter
31.03.2008 | 19:45 Uhr 2008-03-31T19:45:04+0200Verdi-Sekretär Arndt sieht im Tarifkompromiss für den Öffentlichen Dienst eine Trendwende, kritisiert aber die Arbeitszeitverlängerung
Mit der Einigung in der Tarifauseinandersetzung des Öffentlichen Dienstes kann Verdi Herne gut leben - trotz Verlängerung der Arbeitszeit. "Das Ergebnis kommt unseren Forderungen sehr nahe", so Gewerkschaftsfunktionär Norbert Arndt.
Im Schnitt 5 % Gehaltserhöhung und 50 Euro Einmalzahlung in diesem Jahr, dazu noch weitere 3 % Tariferhöhung plus 225 Euro Zuschlag im Jahr 2009 - so sollen die Arbeitnehmer von der gestern in Potsdam ausgehandelten Abmachung zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeber profitieren. Im Gegenzug sollen die Beschäftigten eine halbe Stunde mehr pro Woche arbeiten, dann nämlich 39 Stunden. Von letztgenanntem ausgeschlossen bleiben sollen Mitarbeiter etwa der Müllabfuhr und Krankenschwestern. "Die Verlängerung der Arbeitszeit stößt natürlich bitter auf", kritisiert Norbert Arndt. Dieser fresse letztlich 1,3 % der Tariferhöhung wieder auf. Doch der Herner Verdi-Funktionär sieht den Abschluss dennoch positiv: "Es ist genial, dass wir mit den Einmalzahlungen die soziale Komponente durchgesetzt haben." Von der pauschalen Zahlung profitierten insbesondere die mittleren und unteren Einkommensgruppen. Insgesamt bewertet Arndt den Kompromiss als "Ausbruch aus der Verzichtspolitik" der jüngeren Vergangenheit, als man mit tarifunwirksamen Einmalzahlungen "abgespeist" worden sei. Das gestrige Ergebnis könne eine Tarifwende mit steigenden Reallöhnen auch für die Zukunft bedeuten.
Die Stadt als größte öffentliche Arbeitgeberin am Ort wollte das Verhandlungsergebnis gestern nicht kommentieren. "Heute wird hier keiner mehr rechnen", so Stadtsprecherin Jutta Daniel. Es sei noch "das Kleingedruckte" zu studieren, um sagen zu können, wie teuer der Abschluss die Stadt kommen wird. sto
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