Geld für den Bergbau-Zeugen
22.12.2008 | 18:32 Uhr 2008-12-22T18:32:50+0100Berlin signalisiert Fördergelder für den Malakowturm Unser Fritz I/IV. Mit dem Geld soll die Bausubstanz des maroden Gebäudes gesichert werden. Ideen für eine zukünftige Nutzung
An die Zeche Unser Fritz I/IV erinnert nicht mehr viel. Seit 1874 wurde hier Kohle gefördert, 1993 war endgültig Schicht im Schacht. Das einzige Relikt aus dieser Epoche ist der Malakowturm über Schacht I. Der viergeschossige Backsteinbau steht seitdem leer auf einem von Bergbaurelikten freigeräumen Areal, das zu einem Logistik-Standort weiterentwickelt werden soll. Nun könnte die Debatte um die künftige Nutzung an Tempo gewinnen: Der Bund wird nach WAZ-Informationen 71 000 Euro für die Sanierung des denkmalgeschützten Turms bereit stellen.
Das hat der Bundeskulturbeauftragte Bernd Neumann dem Herner Bundestagsabgeordneten Gerd Bollmann (SPD) mitgeteilt. Die Stiftung Industriedenkmalpflege mit Sitz in Dortmund, die den Förderturm betreut, bestätigt dies: "Uns wurde signalisiert, dass die Zeichen gut stehen, dass unser Antrag bewilligt wird", sagt Ursula Mehrfeld, Geschäftsführerin der Stiftung, auf Anfrage. Noch ist die Zusage indes nicht offiziell. Im Laufe des kommenden Jahres könnte der Bescheid aus Berlin in Dortmund eintreffen.
Mit dem Geld soll die Bausubstanz des maroden Gebäudes gesichert werden. Mehrfeld erhofft sich durch die Finanzhilfe auch einen Schub für Gespräche über eine spätere Nutzung des Turms. Eine Machbarkeitsstudie brachte eine Verwendung als Büro- oder Seminargebäude oder als Trucker-Motel ins Gespräch. Die Stiftung führt Verhandlungen mit einem Investor. "Das dauert aber noch. Das Gelände steht noch unter Bergaufsicht, es gibt auch keinen Bebauungsplan", so Mehrfeld.
Die finanzielle Unterstützung aus Berlin stammt aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm der Bundesregierung, das den Erhalt stark beschädigter historischer Bauten sichern soll. Der Malakowturm der Zeche Unser Fritz hat die Förderkriterien auch deshalb erfüllt, weil er, 1873 errichtet, das älteste Zeugnis des Bergbaus in Wanne-Eickel und Herne ist. Im gesamten Ruhrgebiet sind zudem nur ein Dutzend Malakowtürme erhalten. "Das Gebäude ist also sehr würdig", sagt Mehrfeld. Wie streng die Förderbedingungen waren, belegt das Beispiel Kokerei Hansa in Dortmund. Die, obwohl eines der bekanntesten Industriedenkmäler des Reviers, bekommt voraussichtlich kein Geld aus dem Sonderprogramm.
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