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Geld arbeitet doch nicht

15.04.2009 | 16:32 Uhr

Ein Herner Sparer weiß nun, dass ein Sparbuch-Guthaben auch verschwinden kann.

Wilhelm Schönfeld mit seinem Sparbuch der Citibank. Foto: Stefan Kuhn, pi

Da sagt man immer so schön: Geld arbeitet. Im Fall von Wilhelm Schönfeld ist das nicht der Fall. Er hat sein Guthaben, das er auf einem Sparbuch hatte, verloren. Das machten ihm jetzt jedenfalls Mitarbeiter der Citibank-Filiale an der Bahnhofstraße klar. Wegen Untätigkeit des Sparers aufgebraucht, lautete die Begründung, die den 68-Jährigen vor Ärger zur WAZ führte. Und siehe da: Das Geld scheint doch nicht verloren. Ein Citibank-Sprecher war um Klärung zugunsten des Kunden bemüht.

Im Oktober 1994 hatte Schönfeld ein Sparbuch bei der Citibank eröffnet. Fünf Jahre lang bewegte er damit Geld zwischen ihm und der Bank hin und her. Im Buch findet sich heute ein letzter Eintrag vom 29. Dezember 1999, als Schönfeld Geld abhob. 60 D-Mark und 40 Pfennige standen da noch zu Buche. Nun, gut neun Jahre später, wollte Schönfeld das Sparbuch auflösen. Er sprach bei der Citibank an der Bahnhofstraße vor. „Oh, das ist ja ein ganz altes Buch, wir wissen nicht, ob das noch existiert”, habe er zunächst zu hören bekommen. Später habe es geheißen: Das Sparguthaben ist wegen fälliger Gebühren aufgebraucht.

Davon, dass er bei einem Guthaben von weniger als 50 Euro und drei Jahren ohne Kontobewegung pro Jahr zwölf Euro an die Bank zu leisten habe, wusste Schönfeld nichts. In den Geschäftsbedingungen, denen er bei Vertragsabschluss zugestimmt hatte, steht davon nichts geschrieben. Erst jetzt drückte ihm die Bank die Kopie aktueller Bedingungen in die Hand. Und präsentierte die Rechnung: 60,40 D-Mark bei neun Jahren ohne Kontobewegung – macht ein Guthaben von Null. „Ich dachte, ich höre nicht richtig. Das ist doch nicht normal”, sagt Schönfeld. „Normal ist: Ich leihe einer Bank Geld, die arbeitet damit und gibt mir Zinsen.”

Citibank-Filialleiter Uwe Adam wollte, konnte oder durfte zu dem Fall keine Stellung nehmen und leitete die WAZ-Anfrage an die Pressestelle seines Geldinstitutes in Düsseldorf weiter. Dort verwies Sprecher Ingo Stader auf das geltende Preis-Leistungsverzeichnis der Citibank. Demnach würden bei einem Sparbuchguthaben von weniger als 50 Euro und drei Jahren ohne Kontobewegung seit Ende 2002 Gebühren verlangt. Die entsprechende Neuregelung habe im Vorhinein sechs Monate lang in jeder Bank ausgehangen. Er räumte allerdings ein, dass ein Kunde wie Schönfeld, der keinen Kontakt zur Bank pflegt, dieses nicht mitbekommen haben muss. Dann sei „eine Kommunikation schwieriger”.

Gleichzeitig eröffnete der Citibank-Sprecher dem Herner Sparer eine Möglichkeit, doch noch an sein Guthaben zu kommen. Die Gebühren seien hinfällig und würden ersetzt, wenn er jetzt Geld einzahle und damit über das Minimum von 50 Euro Einlage komme – „wir wollen unseren Kunden schließlich halten”.

Schönfeld hat da nach seinem vergeblichen Besuch in der Herner Filiale eine andere Wahrnehmung.

Rechtlich nicht angreifbar

Die Verbraucherzentrale NRW hält die Gebührenerhebung auf ein Sparbuch für legitim. „Es ist rechtlich nicht angreifbar, weil der Bank für das Einlagegeschäft ein gewisser Verwaltungsaufwand entsteht”, so deren Finanzjurist Hartmut Strube zur WAZ. Allerdings seien sich die Verbraucherschützer uneins darüber, ob die Einführung per Aushang im Geldinstitut in Zeiten des elektronisierten Bankverkehrs transparent genug sei. Strube selbst vertritt die Meinung, dass eine Bank ihre Kunden bei einer Änderung der Konditionen anschreiben oder zumindest per Kontoauszugsdrucker darauf hinweisen sollte.

Gleichzeitig sieht der Finanzjurist auch den Bankkunden in der Pflicht, seine Vertragsverhältnisse im Auge zu halten. Grundsätzlich müsse sich ein Verbraucher fragen, warum er über Jahre ein Sparbuch halte, dass er nicht nutze und auf dem „Kleinstbeträge vor sich hindümpeln”.

Die Postbank belegt Sparkonten mit dreimonatiger Kündigungsfrist aus Gründen der Wirtschaftlichkeit übrigens bereits seit Januar 2008 mit einer Gebühr von monatlich 1 Euro, wenn dort ein Guthaben von weniger als 60 Euro verzeichnet ist und drei Jahre lang keine Bewegung stattgefunden hat. Man habe alle betroffenen Kunden angeschrieben und darüber informiert, so Bank-Sprecher Ralf Palm. Das Entgelt entfalle, sobald das Sparkonto reaktiviert werde. Minderjährige und Inhaber weiterer Postbank-Konten sind ohnehin befreit.

Jörg Velling, Sprecher der Herner Sparkasse, kritisiert die Gebührenerhebung der Wettbewerber. Das Gebaren der Citibank im Fall Wilhelm Schönfeld „kommt praktisch einer Enteignung gleich”, sagt er. Bei der Sparkasse gelte weiterhin: keine Gebühren für Spar- und Termineinlagen sowie Sparbriefe.

Mirco Stodollick

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