Gegen sinnlose Kriminalisierung
26.04.2009 | 20:30 Uhr 2009-04-26T20:30:00+0200
Am Samstagnachmittag (25.) roch es auf dem Gelände des Jugendzentrums „Am Heisterkamp” verdächtig nach Autolack. Das ließ nur einen Schluss zu: Hier wurde gesprayt. Eigentlich ein Fall für die Polizei, doch nicht an diesem Samstag.
In Zusammenarbeit mit dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe hatte die Jugendförderung der Stadt Herne eine Aktion auf die Beine gestellt, die ein Zeichen für jugendliche Integration in die Stadtpolitik und gegen sinnlose Kriminalisierung setzten sollte. Von 10.30 Uhr bis 21Uhr durften 20 Herner und Wanner Jugendliche einmal zeigen, was sie künstlerisch drauf haben. Dazu stellten die Jugendförderer vom Team „Herne Mitte” und vom Stadtteilzentrum Pluto in Wanne ihre mobilen Einsatzwagen zur Verfügung. Diese sonst eher tristen Kleinbusse bekamen einen neuen Anstrich.
„Wir wollen die Jugendlichen in ihrem Revier erreichen und bedürfnisorientiert mit ganzen Gruppen zusammenarbeiten”, erklärt Sozialpädagoge Markus Knapp von der Jugendförderung die Idee, die hinter der mobilen Arbeit steckt. Der Lösungsansatz ist vielversprechend: Es wird mit Bussen durch die Stadt gefahren und direkt in die Gruppen hineingehört. „Heute reicht es nicht mehr, die Jugendlichen zu bespielen, wir müssen auf sie eingehen und Möglichkeiten zur Auslebung ihrer Interessen schaffen”, gibt Dieter Schaaf von Pluto zu bedenken. Die Jugendlichen seien stark vom Hip-Hop geprägt, Sprayen stünde somit auf der Tagesordnung.
Ein altbekanntes Problem kommt dabei wieder neu auf: „Wo soll man sprayen, ohne sich gleich strafbar zu machen”, fragt sich der Wanner Sprayer „Weone”, der gerade die Beifahrerseite des Einsatzbusses „Pluto” besprüht. „Es gibt einfach zu wenig Möglichkeiten, die Jugendlichen werden somit schnell kriminalisiert”, sieht auch Markus Knapp die Problematik.
Ganz ohne Regeln geht's nicht: Alle Sprayer, die am Samstag mit an die Busse durften, hatten im Vorhinein an einen zweiwöchigen Workshop unter der Leitung von Sprayer Marcus Fuchs aus Dortmund teilnehmen müssen. Dort ging es nicht nur um Techniken, „vielmehr haben wir gemeinsam darüber diskutiert, wie schnell man sich beim Sprayen auf dünnes Eis begibt und wie hart die Strafen sind”, so der Dortmunder Coach. Gleichzeitig sieht es Fuchs, der schon in vielen Städten Workshops geleitet hat, auch realistisch: „Die Stadt denkt oft, man stellt den Jugendlichen eine weiße Wand hin und damit ist es getan. Doch das ist kein Selbstläufer!”
So gehören zu der Sprayeraktion nicht nur der zweiwöchige Workshop und das kollektive Ausdenken von passenden Motiven, sondern es wird auch noch ein Gespräch mit Kommunalpolitikern folgen. Denn viel wichtiger als die Identifikation mit den Jugendförderern ist die Erkenntnis, dass die Jugendlichen etwas Eigenes erschaffen können.
08:17
sprühen ohne mundschutz?! wie kann man das nur erlauben?!
15:21
#4 Ja ich kann die Freude der Hausbesitzer auch nachempfinden wenn sie irgendwelche Gabi ich liebe dich oder andere Schmierereien an ihren Fassaden entdecken.
Denn jedes Gebäude gehört jemandem. Und wenn es nur städtisch ist. Dann blechen die Steuerzahler nämlich für die Beseitigung dieser Kunst.
Also vielleicht erstmal denken und dann Meinung bilden.
13:50
Die Menschen sollten eher froh darüber sein, dass es in einer so kulturell verarmten Stadt noch immer Jugendliche gibt, die sich kreativ mit sich selbst und ihrer Umgebung auseinander setzen.
Ich freue mich, wenn ich Graffitis auf unseren Strassen sehe, da sie von der Lebendigkeit einer Stadt und ihren Menschen zeugen.
Illegales Graffiti ist und bleibt eine Straftat und das ist auch gut so. Dennoch würde ich mir legale Flächen wünschen, damit es Plätze gibt, an denen sich SprayerInnen weiterentwickeln und ausprobieren können.
Dies kann einer 170.000 Einwohner Stadt, die für Jugendliche keinerlei Möglichkeiten bereithält (ausser Fußball e.v. natürlich) nur zugute kommen und sollte auch möglich sein. Was das subkulturelle Leben angeht, hängt Herne meines Wissens nach weit hinter Städten mit einer Einwohnerzahl die ein viertel so groß ist hinterher. Das die Jugendlichen hier nahezu verkümmern sollte einem schon zu denken geben.
Zum Thema Kriminalisierung möchte ich noch erwähnen, dass jeder vor seiner eigenen Haustür kehren sollte!
Die Menschen, die nach einem härteren Rechtsstaat schreien und eine härteres Vorgehen fordern, sind auch meist die Menschen, bei denen Probleme aus reinem Wunschdenken entstehen. Herne hat weiß Gott viele Probleme, aber bestimmt kein Graffitiproblem.
20:17
booor voll hamma ja ich bin dort gegen sinloses sprühen und hat voll bookk gemacht
07:47
#1 Stimmt!
23:33
„Es gibt einfach zu wenig Möglichkeiten, die Jugendlichen werden somit schnell kriminalisiert”
Die Jugendlichen werden nicht kriminalisiert. Das machen sie ganz alleine wenn sie fremdes Eigentum beschmieren (beschädigen).