Ganz freundlich angelächelt
11.03.2009 | 18:38 Uhr 2009-03-11T18:38:00+0100
Im Lukas-Hospiz helfen zurzeit 42 Ehrenamtliche mit. Sie kümmern sich um die Gäste, begleiten sie in ihren letzten Stunden. Die WAZ hat sich mit drei Mitarbeitern an der Jean-Vogel-Straße getroffen.
„Die Atmosphäre hat mich überrascht. Eigentlich hatte ich eine Totenstille erwartet, aber es wurde viel gelacht”, erinnert sich Christa Kleversaat an ihren ersten Tag als ehrenamtliche Mitarbeiterin im Lukas-Hospiz. Das war vor gut zwei Jahren, als das Hospiz eröffnete. Seitdem kommt die Rentnerin jeden Montag an die Jean-Vogel-Straße und kümmert sich um die zehn Patienten - im Haus Gäste genannt -, die zum Sterben in das Hospiz vermittelt wurden.
„Natürlich gibt es auch tragische Momente”, erzählt sie, „aber ebenso viele schöne.” Mit der Betreuung von sterbenskranken Menschen hatte Christa Kleversaat bisher keine Erfahrung, vielmehr hat sie jahrelang in einem Büro gearbeitet. Dorthin wollte sie eigentlich auch zurück, als sie in der Zeitung las, dass das Lukas-Hospiz ehrenamtliche Helfer suche. Dann landete sie aber in der Küche, ein Wagen mit Kuchen drauf rollte an und schon fand sich Christa Kleversaat in einem der Gästezimmer wieder. Zunächst zögerte sie, aber dann sah sie die freundliche Dame in ihrem Bett liegend: „Sie lächelte mich an, ganz freundlich. Dann war es nicht mehr schlimm. Sie hat meine Hand genommen und fest gedrückt.”
Die Ehrenamtlichen im Hospiz bringen viel Zeit mit. Zeit, mit den Sterbenden zu sprechen, zu lachen, herumzualbern und auch „mal zu lästern”, wie Kleversaat verrät. Auch Rita Königsmann ist seit den ersten Tagen des Hospiz' dabei. Sie kümmert sich um die Menschen, spricht aber auch viel mit den Angehörigen. „Ihnen geht es oft genauso schlecht wie den Gästen”, sagt sie. Oft sind die beiden auch dabei, wenn die Gäste sterben. Solche Momente können freilich auch belastend für die Ehrenamtlichen sein, daher treffen sie sich einmal im Monat und tauschen sich aus. Auch schaut regelmäßig eine Psychologin vorbei, mit der die Mitarbeiter sprechen können.
Wie die Ehrenamtlichen letztlich im Hospiz helfen und wie viel Zeit sie erübrigen können, bleibt ihnen selbst überlassen. Nach dem Credo „Alles kann, nichts muss” entscheiden sie selbst, was sie tun. Ritas Ehemann, Klaus Königsmann, etwa hilft im Garten, organisiert das Trauercafe´ und die Gedenkgottesdienste. Manchmal schmeißt er auch die Bohrmaschine an. Den nächsten Basiskurs zum ehrenamtlichen Hospizhelfer will er dann auch besuchen. Von den insgesamt 42 Ehrenamtlichen kümmern sich 30 um die Gäste, der Rest widmet sich anderen Aufgaben: basteln, gärtnern, Kuchen backen, einkaufen. Nur die Pflege der Gäste übernehmen speziell ausgebildete Mitarbeiter.
Christa Kleversaat sowie Rita und Klaus Königsmann wollen auf ihre neue Aufgabe nicht mehr verzichten. „Ich mache das auch, um auf dem Boden zu bleiben”, sagt Rita Königsmann, „alle Probleme werden plötzlich so klein, wenn man hier ist.” Und Christa Kleversaat fügt hinzu: „Es ist für mich nicht nur ein Geben, sondern auch ein Nehmen.”
08:26
Neues Angebot für an der ehrenamtlichen Arbeit im Lukas-Hospiz Herne Interessierte:
Am 21.03.2009 um 17.00 sind alle an ehrenamtlichen Mitarbeit interessierten Menschen ins Lukas-Hospiz eingeladen, um sich dort über die Hospizarbeit, Einsatzmöglichkeiten und Fortbildungssangebote zu informieren.
10:00
Als Angehöriger eines ehemaligen Gastes möchte ich mich bei allen Mitarbeitern, darunter zählen natürlich auch die ehrenamtlichen, bedanken. Ich bin froh, dass es solch eine Einrichtung in Herne gibt. Ohne die ehrenamtlichen Helfer wäre die Leitung einer solchen sinnvollen Institution kaum möglich.