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Trendsportart

Für Crossgolfer ist der Abschlag verboten

02.09.2009 | 15:39 Uhr
Für Crossgolfer ist der Abschlag verboten

Herne. Rudi aus Herne und Nils aus Castrop-Rauxel schauen sich im Internet Satellitenbilder an. Sie suchen freie Wiesen und Flächen, um Golf zu spielen. Crossgolf oder Urban Golf nennt sich das Hobby des zwanglosen Golfspielens in der Stadt.

Doch was für die einen Freiheit bedeutet, ist für andere beängstigend. Crossgolf ist aus Sicherheitsgründen verboten.

Allein in diesem Jahr hat der Kommunale Ordnungsdienst der Stadt Herne bereits über 20 Mal Crossgolfer erwischt. „Auch ich wurde einmal aus dem Herner Stadtpark verjagt”, erzählt Rudi. Aber ansonsten habe er noch keine Beschwerden gehört. „Es gibt Leute, die in alte Abrissgebäude gehen nach dem Motto: Koste es, was es wolle. Aber das kommt für uns nicht in Frage”, sagt Rudi. Die Crossgolfer haben ihre festen Plätze und achten immer darauf, dass keine Personen in der Nähe sind. Rudi: „Weiter als 120 Meter kommen wir eh nicht - und das können wir gut einsehen.”

Die Stadt sieht das anders: Sie erwischt Jugendliche wie Erwachsene, meist zwar nicht im kompletten Golfoutfit, aber durchaus schon mit mehreren Schlägern, Bällen und Markierungsfahnen. In Aktion treten die Crossgolfer am häufigsten auf dem Hibernia-Gelände oder an der Ecke Grabenstraße/Albert-Einstein-Straße.

Bisher gab es nur Verwarnungen. Einen Crossgolfer haben die städtischen Ordnungshüter als Wiederholungstäter erwischt und ihm eine letzte Warnung verpasst. Ab sofort gilt: Der Erstverstoß geht vielleicht noch durch, danach hagelt es Verwarnungsgelder von 35 Euro, bei mehrfachen Wiederholungen ein Bußgeld ab 40 Euro.

„Bisher waren alle Personen umgänglich und haben das Spiel eingestellt”, so Martin Wagner vom Kommunalen Ordnungsdienst. Er nehme die Angelegenheit „sehr ernst”, weil er und seine Kollegen bereits mehrfach von Bürgern angesprochen wurde. Anwohner haben Angst, dass sie plötzlich ein Golfball trifft, wenn sie aus dem Haus gehen.

Grundsätzlich ist es verboten, in öffentlichen Grün- und Parkanlagen Golf zu spielen. Das ist festgelegt in der – Achtung, Luft holen – „Ordnungsbehördlichen Verordnung über die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung im Stadtgebiet Herne”. In Paragraph fünf heißt es, dass es verboten ist, in den Anlagen Wurf- und Schleudergeräte zu benutzen. Und ein Golfschläger zählt für die Stadt als Schleudergerät.

Info
Ohne Gehabe

Castrop-Herne-Crew heißt ein Zusammenschluss von Crossgolfern aus Herne und Castrop-Rauxel.

Nach eigenen Angaben wollen sie Golf spielen, und zwar „abseits von überzogenem Gehabe oder Etikette, albernen Verkleidungen (Kleiderordnung), hohen Mitgliedsbeiträgen und Clubhaus-Atmosphäre". Vielmehr gehe es darum, nach eigenen Regeln auf ungezwungener Basis jederzeit spielen zu können. Regel Nummer eins für die Hobbygolfer: Sicherheit zuerst. Als Ziele, also Ersatz für Löcher, kommen für die Stadtgolfer zum Beispiel Bäume in Frage, aber auch Sandkästen, Papierkörbe oder größere Steine. Die Golfbälle sind neuerdings sogar gar keine klassischen harten Golfbälle mehr, sondern Kunststoffkugeln, die weitaus ungefährlicher sind.

„Es gibt immer mal wieder Bürger, die sich gewisse Stellen für Crossgolf aussuchen”, weiß Martin Wagner vom Kommunalen Ordnungsdienst. Manchmal sind es Abschläge von nur einigen Metern, manchmal über 100. Weil in den Parkanlagen so viele Menschen unterwegs sind, sei die Verletzungsgefahr zu hoch. „Selbst wenn man Übung hat, kann man nicht jeden Ball berechnen”, so Wagner. Beispielsweise sei die Windgeschwindigkeit immer anders. Wagner zieht den Vergleich mit einem offiziellen Golf-Klub: Dort lernen Einsteiger gezielt auf abgezäuntem Gelände – in öffentlichen Grünflächen ist das nicht möglich.

Auch die öffentliche Rasenfläche leidet unter den Crossgolfern. Fragt sich nur, warum Crossgolf so im Kommen ist. Polo oder Cricket auf einer öffentlichen Wiese mitten in Herne hat das Ordnungsamt noch nicht registriert. Golfspielen dagegen wird als Trendsportart derzeit von Sporthäusern oder Discountern gefördert. „Viele meinen, das sei wie Fahrradfahren", kritisiert Wagner. Problem: Die nächsten Golfplätze sind am Kemnader Stausee, in Herten-Westerholt oder Recklinghausen und Gelsenkirchen.

Und selbst die sind Crossgolfern dann zu spießig. Zu hohe Mitgliedsbeiträge, zu viel Statusgehabe, argumentieren die Freigolfer. Darum wollen sie auch weiter draußen Golf spielen. „Unser Motto ist: Safety first”, so Crossgolfer Rudi. Darum hat er Angst, dass er nur wegen seines Hobbys in die Illegalität driftet.

Thomas Majchrzak

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Kommentare
09.08.2010
20:02
Für Crossgolfer ist der Abschlag verboten
von Hubertus | #17

Leute Leute! Soviel Freiheit wie möglich und nur soviel Regeln wie notwendig! Klar ist: Sicherheit geht vor! Muss sich jeder dran halten! Und redet mit den Verantwortlichen der Stadt! Es ist immer was möglich!
Ansonsten ruft mich an!

10.03.2010
18:28
Für Crossgolfer ist der Abschlag verboten
von funkymonkey | #16

Applaus Applaus, wieder einmal hat es die Stadt geschafft sich von ihrer schlechten Seite zu zeigen.
Heute spielten wir wieder unseren Kurs (Mülleimer treffen etc.) an der Akademie Mont-Cenis. Genauso wie Rudi achteten wir penibel darauf, dass in erreichbarer Nähe kein Mensch oder Tier ist. Es sei erwähnt, dass wir mit weichen Schaumstoffbälle spielen, die keinerlei Schaden anrichten können. Am Steingarten wurden wir dann vom Ordnungsamt ermahnt und dazu aufgefordert das Spielen zu unterlassen. Dies haben wir dann auch getan.
Manchmal frage ich mich wo denn die Logik hinter dem Ganzen ist. Es wird sich beschwert über Kinder und Jugendliche die nur noch vor dem PC hocken und Killerspiele spielen und keinen Sport mehr treiben und und und...
Und dann sowas. Und die Leute (Kinder und Jugendliche und Erwachsene) welche sich an der Akademie besaufen, vandalieren, Leute anpöbeln, Autos kaputt machen, Flaschen zerschmeissen dürfen sich natürlich an der Akademie austoben.
Ist dann das Ball werfen beim Hund auch verboten? Denn mein Arm ist ja ein Wurf und Schleudergerät.

Gruß :)

09.09.2009
09:11
Für Crossgolfer ist der Abschlag verboten
von wazup? | #15

golfer sind doch alle reiche schnösel.

02.09.2009
20:38
Für Crossgolfer ist der Abschlag verboten
von RudiCHC | #14

Nein, das kann man nicht fordern, und das tut auch niemand, der Spaß am Golfen hat, sich aber Plätze nicht leisten kann, sofern etwas Grips vorhanden ist.
Crossgolf ist vielschichtiger, als gemeinhin angenommen wird. Es geht nicht darum, wild zu sein und durch Ungehorsam zu glänzen, mit normalem Equipement in die Stadt oder in Parks zu rennen und die Bälle Unbeteiligten an den Kopf zu donnern.

Hier wird davon ausdgegangen, daß die Spieler auf Teufel komm raus in die Urbanität drücken und tun und lassen, was sie wollen, mit normaler Ausrüstung.
Das ist nicht Stand der Dinge.
Crossgolf ist Golf! Das ist ganz wichtig, es geht um den Sport, den man erstmal niemandem verbieten kann, es aber über diverse Gelder doch tut, Mitgliedsbeiträge, Fees, usw.

Crossgolf ist zum Einen ein eigener Industriezweig geworden, deshalb gibt es auch ungefährliche Ausrüstung und Crossgolf ist auch erwachsen geworden, indem es diesen Markt bedient und auf ungefährliche Materialien zurückgreift, weil der Spaß am Spiel mehr hergibt, als eine ewigliche Verfolgungsjagt mit den Behörden.

Für Unbeteiligte ist es in der Tat schwer, zu erkenne, ob mit passantenfreundlicher Munition geschossen wird, andererseits ist es ebenso nicht zu kontrollieren, wer sich entsprechend verhält oder wer doch das berühmte schwarze Schaf ist.
Das kann so aussehen, daß man sich wirklich Locations sucht, die geeignet sind oder eben diese Gummi-Ausrüstung benutzt, an Locations, wo man auch mit echter Golf-Materie nichts anrichten kann.

Der freie Golfsport steckt hier in einem Dilemma, denke ich.

Somit hat die Obrigkeit bis zu diesem Punkt gewonnen, ein generelles Vorgehen gegen diesen Sport ist derzeit unausweichlich.

Was ich aber auch nicht richtig finde, ist die allgemeine Schuldvermutung ob jeden Golfschlägers, den man sieht, auch, wenn es im Zweifelsfall der Gesundheit dienlich sein könnte.

Was mir hier fehlt, ist etwas Vertrauen in das Tun der Spieler, die Unschuldsvermutung sozusagen.

Wie bereits erwähnt, weiß ich nicht, was da wo vorgefallen ist, daß sich Leute belästigt fühlen, aber ich werde unbefangen versuchen, mit dem Thema umzugehen.

Am Ende ist es wie mit Allem, was man außerhalb der eigenen vier Wände tut, eine Frage des Wie, Wann, Wo unter Berücksichtigung aller Interessen, die in dieser Öffentlichkeit vorkommen.

02.09.2009
19:41
Für Crossgolfer ist der Abschlag verboten
von r.kant | #13

Ich bin der Meinung, dass Crossgolf nun wirklich nicht in Öffentlichkeit gehört.

Wenn man weiß wie weit man einen Golfball schlagen kann und welche Verletzungen ein Golfball, selbst auf große Entfernungen verursacht, kann nicht ernsthaft fordern diesen Sport in der Öffentlichkeit auszuüben.

02.09.2009
19:29
Für Crossgolfer ist der Abschlag verboten
von RudiCHC | #12

Jedwede Kommentare, in denen es gegen die Schreiber andere Kommentare geht, sind hier grundsätzlich fehl am Platz, hier geht es um Crossgolf und nicht um Deutschunterricht.
Rechtschreibfehler stehen sogar komplett außerhalb jedweder Diskussion, eben, weil sie jedem passieren können und daß hier Ur und nicht Uhr gemeint war, weiß auch jeder, nur nicht jeder muß sich darüber aufregen, selbst, wenn es kein Rechtschreibfehler war. Über mein fehlendes e in abends hat sich auch keiner beschwert, warum auch...
Für mich als (Cross)Golfer ist das Thema wichtig, wer sich über andere Themen, wie Rechtschreibung oder das Bashen anderer Kommentarschreiber unterhalten möchte, sollte das bitte woanders tun.

Zurück zum Thema:
Die Sache liegt einfach so, daß die bösen Spieler nach einmaliger Ermahnung offensichtlich nicht Willens waren, an ihrem Verhalten etwas zu ändern und nun haben alle Spieler die Quittung.
Egal, ist nun einfach Tatsache und damit muß man umgehen.

Auf der anderen Seite ist es aber auch so, daß, wenn man sich §§ 5 und 6 dieser Verordnung ansieht, meinen mag, die öffentlichen Grünanlagen in Herne sind nur noch zum Anschauen und zur Begründung des Steuereintreibens da.

Ich werde den Kontakt und das Gespräch mit der Stadt suchen, selbst, wenn ich davon ausgehe, daß es kein (für die Crossgolfer brauchbares) Ergebnis geben wird.
Und ich werde versuchen, die Jungs und Mädels?, die hier auffällig geworden sind, zu kontaktieren.

Crossgolf ist auch in Herne ohne Gefährdung Dritter möglich, das glaub ich wohl, auch, wenn es anderenorts definitiv leichter ist, sich zu arrangieren (war das jetzt richtig geschrieben?).
Man muß nur mal miteinander reden und sich zuhören.

02.09.2009
18:40
Für Crossgolfer ist der Abschlag verboten
von zwerglein | #11

Interessant, erst den Namen falsch und Zwerlein schreiben und anschließend sehr viel Zeit für eine Belehrung über die korrekte Schreibweise investieren.

02.09.2009
18:30
Für Crossgolfer ist der Abschlag verboten
von max.headroom | #10

@ #2 Zwerlein

Sie schreiben: ........es ist die Uhrform von Golf .......

Ich wusste gar nicht, dass Golf eine Uhrform hat. Wie viel Stunden zeigt die Golf Uhrform denn an? Eine Stunde für jedes Loch?

Oder dachten sie eher an die Urform von Golf??

02.09.2009
17:16
Für Crossgolfer ist der Abschlag verboten
von kwanggae | #9

Ich kann nur hoffen, das die Versicherung für evtl. Schäden aufkommt.

02.09.2009
16:59
Für Crossgolfer ist der Abschlag verboten
von volans | #8

Mea Culpa
In den Anlagen sind Wurf- und Schleudergeräte
verboten und ich habe Bumerang geworfen. Was nu.

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