Fritz Eckenga – der Mann mit der Flottmann-Dauerkarte

Ein Lyriker mit Herz für alte Stadien: Fritz Eckenga in der Kampfbahn Rote Erde in Dortmund.
Ein Lyriker mit Herz für alte Stadien: Fritz Eckenga in der Kampfbahn Rote Erde in Dortmund.
Foto: Volker Hartmann
Was wir bereits wissen
Er kennt Herne fast aus dem Effeff: Kabarettstar Fritz Eckenga über verpatzte Auftritte und legendäre Fußballmomente - und was er gegen Ruhrpottfolklore hat.

Hallo Herr Eckenga! Freitag kommen Sie mal wieder nach Herne. So oft wie Sie schon da waren – sind die Flottis Ihre Lieblingsbühne im Revier?

Ich weiß gar nicht, wie oft ich da schon aufgetreten bin, für 20 Mal lege ich meine Hand ins Feuer. Einen meiner letzten Auftritte habe ich aber in nicht so guter Erinnerung: Das war beim Tegtmeier-Preis, ich sollte eine Laudatio auf Jochen Busse halten. Leider ist mir an dem Abend meine Stimme komplett weggebrochen, was mir sonst nie passiert. Ich musste also das Publikum mit Fistelstimme darum bitten, besonders leise zu sein, damit es mich überhaupt verstehen konnte.

Meine Lieblingsbühne? Schreiben Sie: Der Künstler widerspricht nicht. Die Flottmann-Hallen haben sich gut entwickelt – weil sie kontinuierlich gut geführt werden. Ohne mich selbst loben zu wollen: Ich bin relativ bekannt – Veranstalter können darauf setzen, dass ein paar Leute zu meinem Auftritt kommen. Aber Flottmann lässt daneben eben auch Nachwuchstalente auftreten. Das ist dann ein Risiko, doch die verantwortlichen Leute denken über die Abendkasse hinaus.

Haben Sie privat Verbindungen nach Herne?

In meinen Zwanzigern, das muss jetzt 37, 38 Jahre her sein, habe ich mit meinem Verein Bochum-Werne mal gegen Westfalia gespielt, in dem schönen alten Stadion am Schloss. Ich weiß gar nicht, wie das heute heißt, zwischendurch hieß es ja mal Goldin-Parkplatz oder so (lacht). Das war ne irre Sache für mich, in dieser Saison in den ganzen alten Kampfbahnen zu spielen. Vor allem gegen die Schalke-Amateure und gegen Westfalia.

Gibt es etwas, was das Herner Publikum von dem in anderen Gegenden unterscheidet?

Der Fußball gehört hier dazu. Das ist noch nichtmal als Witz gemeint, wenn ich samstags am Anfang zu den Leuten sage: Sorry, bin etwas gestresst, war ein knappes Spiel heute. So etwas muss man hier nicht erklären. Fußballfans gibt es in anderen Gegenden natürlich auch, aber dort müsste ich vielleicht drei Sätze mehr dazu erzählen. Abgesehen vom Fußball kann man im Ruhrgebiet auch eine gewisse Aufgeschlossenheit voraussetzen. Im tiefsten Ostwestfalen ist es schon ein bisschen ruhiger, da kommt das Westfälische stärker raus – wobei man das nicht mit Unfreundlichkeit verwechseln darf. Die... hören halt erstmal konzentriert zu.

Wenn Sie an einem Tag wie Freitag bis 23 Uhr auf der Bühne stehen, was machen Sie dann abends noch?

Ich werde ziemlich euphorisch sein: Am nächsten Tag ist das Pokalendspiel... Aber eigentlich bin ich nach einem Auftritt meistens durch. Nur, ich kann nicht gleich ins Bett, weil ich noch voll bin mit Adrenalin. Meistens bleibe ich noch länger am Veranstaltungsort, führe Zuschauergespräche, signiere Bücher. Dadurch kommt man langsam runter. Ich denke auch viel darüber nach, was am Abend so passiert ist. Welche Nummer ist angekommen, welche weniger? Ich renoviere die Programme ja regelmäßig, das ist keine unanstrengende Sache. Man darf nie denken, es läuft sowieso wie geschnitten Brot. Die Alarmlampen müssen immer an sein.

Sie werden oft als Stimme des Reviers wahrgenommen. Geht es Ihnen eigentlich nie auf die Nerven, dass Sie in Interviews und Gesprächen ständig auf die immer gleichen Themen wie Borussia Dortmund und die Arschlochdichte im Ruhrgebiet angesprochen werden?

Es lässt sich nicht verheimlichen, wo ich herkomme – Sie hören ja, wie ich rede. Es gibt auch gute Gründe, warum ich hier lebe. Aber ich bin nicht als Folklorebotschafter unterwegs, die Herkunft aus dem Ruhrgebiet ist nicht per se komisch. Ich finde, man sollte sich nicht über Nebensächlichkeiten unterhalten, solange es Wichtigeres gibt. Es gibt ja Kollegen, die machen ein komplettes Abendprogramm aus ihrer Herkunft. Oder über Fußball. Ich kann da nicht drüber lachen – das Thema trägt nicht.