Friedhelm Wessel begibt sich auf die Suche nach dem Vater

Friedhelm Wessel bei der Buchvorstellung von „Zeitwaise“ in der Gaststätte Zille im Kulturzentrum.
Friedhelm Wessel bei der Buchvorstellung von „Zeitwaise“ in der Gaststätte Zille im Kulturzentrum.
Foto: Socrates Tassos/FUNKE Foto Servi
Was wir bereits wissen
Der Herner Journalist und Autor Friedhelm Wessel hat sein 22. Buch geschrieben. Es trägt autobiografische Züge.

Herne..  Manche Autoren sind eitel, sie halten sich für Edelfedern. Friedhelm Wessel gehört nicht dazu. Der Mann ist Vielschreiber, auch mit 70 sitzt er fast jeden Tag am Schreibtisch. Nun legt er sein 22. Buch seit 2007 vor. Darin gibt er viel von sich selbst preis: Nach zahlreichen Sachbüchern hat er mit „Zeitwaise“ seinen ersten, halb autobiografischen Roman veröffentlicht.

Schauplatz Ruhrgebiet

Es geht um einen Herner Autor, der sich auf die Suche macht nach seinem Vater. Über den hat die Mutter nie gesprochen. Der Schriftsteller nimmt die Fährte des Mannes auf, den er nie kennengelernt hat, seine Spurensuche führt ihn nach Oberhausen-Osterfeld und Bottrop, nach Ostwestfalen, ins Sauerland und nach Hessen, der Krieg spielt für die Geschichte eine große Rolle. Der Protagonist dringt tief in die Geschichte seiner Familie ein...

Wessel verarbeitet in dem 150-Seiten-Roman eigene Kindheitserlebnisse. Etwa dieses: „Als ich sieben oder acht Jahre alt war, habe ich erlebt, wie ein Russland-Heimkehrer nach Jahren der Gefangenschaft in unserer Siedlung ankam. Das war bedrückend. Der war ganz hager, konnte nichts sagen, trug so einen Filzhut. Allen Leuten in der Straße standen Tränen in den Augen.“ Das Buch spielt zu weiten Teilen in Zechensiedlungen in Osterfeld und Bottrop. Dennoch, sagt Wessel, habe er sich bemüht, keinen vor Klischees triefenden Revierroman zu verfassen. Also nichts von der Wäsche zu schreiben, die man zum Trocknen nicht nach draußen hängen kann, weil sie sofort rußig wird. Stattdessen bildet er den Alltag seiner Protagonisten ab.

„Es ist ein Trend: Jeder meint, er wolle und könne ein Buch schreiben. Aber viele, die uns etwas anbieten, sind Möchtegern-Autoren“, sagt Manuela Klumpjan, Wessels’ Verlegerin. Bei der Edition Paashaas, ihrem kleinen Hattinger Verlag, gehen jeden Tag um die 50 Manuskripte ein. Klumpjan kennt die Region, sie stammt aus Börnig. Dass ihr Wessels’ Text zusagte, lag auch an seinem Verzicht auf allzu träumerische Ruhrpott-Seligkeit. Allein schon das Wort mag Wessel nicht: Ruhrpott. Das klinge abwertend, er spricht lieber nüchtern vom Revier.

Seine Heimat: aufgewachsen in Oberhausen und dem Herner Dichterviertel, mittlerweile in Baukau daheim. Sein ganzes Leben dreht sich um die Geschichten dieser Gegend. Früher, als Zeitungsredakteur, schrieb er über Schalke und das Bottroper Stadtleben, seit seinem Ruhestand produziert er Bücher am Fließband – über die drei großen K’s des Reviers, wie er sagt: Kumpels, Kohle, Kicken. Er habe als Journalist und Privatreisender die ganze Welt gesehen, sagt Wessel. „Aber am liebsten würde ich gar nicht mehr in Urlaub fahren. Ich liebe das Ruhrgebiet einfach.“