Friedemann Weises Humor für kluge Leute

Friedemann Weise spielte in den Flottmann-Hallen sein Programm „Der große Kleinkunstschwindel“.
Friedemann Weise spielte in den Flottmann-Hallen sein Programm „Der große Kleinkunstschwindel“.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Der grandiose Tegtmeier-Jurypreisträger Friedemann Weise spielte in den Flottmann-Hallen das Programm „Der große Kleinkunstschwindel“.

Herne..  Dass es bei Özcan Cosar vor ein paar Wochen richtig voll war, hatte Friedemann Weise wohl mitbekommen. Während Cosar als Publikumspreisträger des Tegtmeier-Wettbewerbs eine ganze Halle bespaßt hatte, spielte Juryfavorit Weise am Mittwoch sein Solo vor deutlich kleinerem Publikum. Er nahm es mit lässiger Selbstironie: „Mein Humor ist für kluge Leute. Aber kluge Leute lachen nicht so gerne.“

Natürlich lachten sie dann doch über den spiddeligen Mann, der in Anzug und weißen Turnschuhen, mit Gitarre und Hintersinn den „Großen Kleinkunstschwindel“ enttarnte. Immer ein bisschen schleppend, als warte er darauf, dass es endlich losgeht, klampft er auf der Gitarre herum und erzählt beiläufig von Leuten „die alles im O-Ton sehen wollen, gerade wenn der Film auf Finnisch ist. Ich bin so einer“. Nonsens à la Friedmann Weise geht so: „Als kleiner Junge habe ich viel Camus gelesen. Ach nee, Karl May. Ich meine, Winnetou im Fernsehen geguckt.“

Mit seinen eckigen Bewegungen erinnert Friedemann Weise an Herbert Knebel, sein irrlichternder Witz hat was von Helge Schneider. „Und wenn euch das an Insterburg erinnert, seid ihr zu alt“, sagt er und singt „Bei meinem Auftritt in Essen, hab ich meine Gitarre vergessen“, ganz so, wie es die Komiker-Combo in den 70er Jahren mit ihrem „Ich liebte ein Mädchen aus ...“ vorgemacht hat.

Bei der Wahl seiner Liederthemen beweist der Comedian ansonsten viel Originalität: „Burnout nur mit dir“ heißt ein Liebeslied, in einem Protestsong schmäht er den Beruf des Abmahnanwalts, ein anderes Lied geht Stefan Raabs Privatleben nach. Weise spottet über den „Do it yourself“-Wahnsinn („Du sollst nicht häkeln, du sollst dich räkeln“) und lästert über Yoga, Reiki und Energiesteine, und ein Hauch Wahnsinn bewahrt ihn vor dem Klischee. Hin und wieder greift Friedemann Weise auch zum Notebook und führt vor, was er visuell so alles ausheckt. Stellt ein Foto von Peter Maffey neben Pressemeldungen und beweist, dass es zu „Russische Holzskulptur ist 11000 Jahre alt“ genauso passt wie zu „Deutschland schrumpft und vergreist“. Grandios.