Friedemann Weise gewinnt Jurypreis bei „Tegtmeiers Erben“

Die mitwirkenden Künstler versammelten sich am Ende der Comedy-Gala „Tegtmeiers Erben“ auf der Bühne.
Die mitwirkenden Künstler versammelten sich am Ende der Comedy-Gala „Tegtmeiers Erben“ auf der Bühne.
Foto: FUNKE Foto Services
Den Publikumspreis holte sich beim Wettberwerbs-Finale am Samstag im Kulturzentrum Özcan Cosar mit 38,8 Prozent der Stimmen.

Herne..  Kurz vor der Bekanntgabe des Jurysiegers musste Gerburg Jahnke dann doch noch schnell etwas loswerden. Sie wünsche sich das nächste Mal mindestens vier Frauen auf der Bühne, sagte die bekannte Kabarettistin und Gastgeberin der „Ladies Night“ angesichts der Geschlechterverteilung beim diesjährigen Wettbewerb „Tegtmeiers Erben“. Dann werde er als Friedefrau Weise wieder kommen, konterte der frisch gekürte Erbe, der am Samstagabend im Kulturzentrum die Jury überzeugt hatte: Friedemann Weise, der „King of Understatement“, so seine Homepage.

„Er bricht mit Erwartungen, wahrscheinlich sogar mit seinen eigenen“, begründete Jurymitglied Jahnke die Entscheidung. Weise beherrsche als Erfinder des „Satiropop“ das Eiskunstlaufen ohne Schlittschuhe. „Höchst riskant und mit einer ausgeprägten Fallhöhe. Das kann sehr in die Hose gehen, ist es aber nicht.“ Angekündigt als Mischung aus Helge Schneider und Olaf Schubert, ist Friedemann Weise der Typ, „der Filme im O-Ton sieht, gerade wenn sie auf Finnisch sind“, er erfreut mit kleinen Paradoxien („Ich verzichte auf Fremdwörter und Redundanz“) und singt zur Gitarre über Tante Polly, die Truckerin aus Massachusetts. Weise bedankte sich mit einem Kompliment an die Konkurrenz: „Ich habe noch nie so nette und gute Kollegen erlebt. Jeder hätte den Preis verdient.“

Starke Mannschaft mit nur einer Frau

Ein wahres Wort, hatte das Auswahlgremium doch eine starke Mannschaft zusammengestellt, der sogar ein Wanne-Eickeler angehörte. In Bestform bediente sich Martin Fromme, der einzige anderthalbarmige Comedian („Das ist eine wertvolle Schnitzarbeit aus dem Erzgebirge“), aus seinem Schatzkästchen. Provokation und Tabubruch, immer schön krass, sind seine Spezialitäten, Behinderung sein Thema. Für einen Sieg reichte das beim Tegtmeier-Finale nicht.

Den Anfang hatte Martin Zingsheim mit klassischer Stand-up-Comedy gemacht, ihm folgte der Slammer und Wortkünstler Jan Philipp Zymny. Die einzige weiblichen Bewerberin, Katie Freudenschuss, setzte auf die Methoden des Improvisationstheaters und ließ sich vom Publikum Stichworte zurufen wie „Schalke“, „Grünkohl“ und „Mond von Wanne-Eickel“, um daraus erstaunlich fix ein Lied zusammenzuklöppeln. Das kam zwar gut an, reichte aber nicht für den Publikumspreis, den sich Özcan Cosar holte, ein Stuttgarter mit Wurzeln am Bosporus, was eindrucksvoll seine türkische Version deutscher Weihnachtslieder belegte. Sein Blick auf Deutsche und Türken und besonders sein Breakdance-Ballett rissen die Zuschauer hin. Mit 38,8 Prozent der Stimmen kürten sie den Comedian zum Publikumssieger.

Bronzekappen für Olli Dittrich und Jürgen von der Lippe

Der „Tegtmeier“-Ehrenpreis ging an einen „Meister der Verwandlung“. So nannte der Laudator Axel Beyer, Ex-Unterhaltungschef des WDR, den u.a. als „Dittsche“ bekannt gewordenen Olli Dittrich, der nicht aufhöre „zu beobachten und abzuspeichern“. Dittrich erinnerte der Preis an alte Zeiten in der Familie, als der Vater mit dem Elbsegler auf dem Kopf dem Nachbarn „Mensch bleiben!“ zugerufen habe. Auch über seine Begegnungen mit Rudi Carrell erzählte er launig.

Entspannt und gewohnt witzig plauderte auch der zweite Ehrenpreisträger Jürgen von der Lippe, der für sein Lebenswerk die Bronzekappe bekam, weil er „volksnah“ sei, „ohne volkstümlich zu sein“, so Laudator Beyer. Von der Lippe ließ das Publikum an seinen Gedanken zum Glücklichsein teilhaben. Das feierte ihn mit großem Applaus.