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Fragezeichen hinter RWE-Aktien

13.12.2011 | 18:54 Uhr
Fragezeichen hinter RWE-Aktien

Herne.   Soll die Stadt weitere 22 000 RWE-Aktien kaufen und dafür rund 573 000 Euro berappen? Darüber wollte die Stadt am Dienstag den Rat beraten lassen. Der kurzfristigen Einladung zur Debatte folgte eine ebenso kurzfristige Absage.

Erst ein paar Tage vor der Sitzung des Rates Dienstagnachmittag warb die Verwaltung um die Zustimmung der Politik – um den Punkt zu Sitzungsbeginn dann wieder von der Tagesordnung zu streichen.

Aufgrund der „Komplexität und Dringlichkeit der Angelegenheit“, so hatte es Kämmerer Peter Bornfelder in einer Ratsvorlage formuliert, sei keine Zeit gewesen, das Thema bereits im Vorfeld im Haupt- und Finanzausschuss zu beraten. Das sollte gestern nachgeholt werden. Ganz so dringend, so scheint es, kann das Thema dann doch nicht gewesen sein: Ohne Begründung flog der Punkt aus dem Programm.

Vielleicht weil alles doch zu schnell ging? Das Ganze, so formulierte es SPD-Fraktionschef Frank Dudda am Rande der Sitzung, sei „mit der heißen Nadel gestrickt“.

Und darum geht es: Die Stadt, genauer: die Aktienbesitzgesellschaft Herne (siehe Kasten), hält – wie auch weitere Kommunen an Rhein und Ruhr – Aktien des Essener Energie-Riesen RWE. Da bei einem Aktienanteil von 15 Prozent steuerliche Vorteile winken, haben sich mehrere Städte, darunter Herne, zusammengetan und ihre RWE-Aktien gemeinsam in einer Beteiligungsgesellschaft untergebracht. Dieses so genannte Schachtelprivileg zahlt sich für Herne aus: Bei einer Dividende von 3,50 Euro wie im vergangenen Jahr, rechnet Kämmerer Bornfelder vor, gab es einen steuerlichen Vorteil von gut 900 000 Euro. Selbst bei einer Dividende von 2,50 Euro winkten der Stadt noch immer 700 000 Euro.

So weit, so gut. RWE plant aber eine Kapitalerhöhung, um sich besser aufzustellen. Wird sie umgesetzt, rutscht die Beteiligung der Kommunen unter die 15-Prozent-Marke, so Bornfelder. Um anzufügen: Die Rentabilität der städtischen Aktien würde deutlich sinken. Ergo: Weitere Aktien in einer Größenordnung von insgesamt 10 Millionen Euro sollen aufgekauft werden, um das „Schachtelprivileg“ nicht zu verlieren. Kaufen sollen alle Gesellschafter, auf Herne kämen besagte 573 000 Euro zu.

Ob und wann das Thema erneut auf der Tagesordnung erscheint, steht in den Sternen. Die rot-grüne Mehrheit jedenfalls geht davon aus, dass es keine Dringlichkeit gibt, ja mehr noch: dass die 15-Prozent-Marke durch die angekündigten Aktienkäufe anderer Gesellschafter bereits wieder in trockenen Tüchern ist.

Sollte das nicht der Fall sein, käme auf die Koalitionäre eine schwierige Arbeit zu. SPD-Fraktionschef Dudda pocht auf eine Zukunft des „Schachtelprivilegs“, der kleine Kooperationspartner Bündnis 90/Die Grünen will aber keinesfalls einem Aufkauf weiterer RWE-Aktien zustimmen. Wegen der „inhaltlichen Politik“ des Konzerns, aber auch deshalb, weil die Fraktion einen „Ankauf auf Pump“ ablehne, so Fraktionschefin Dorothea Schulte gegenüber der WAZ.

Zur Information: Die Aktienbesitzgesellschaft Herne (ABH) ist eine Tochtergesellschaft der Stadtwerke Herne (58,54 Prozent) und der Vermögensverwaltungsgesellschaft für Versorgung und Verkehr der Stadt Herne (41,46 Prozent). Sie hält nach Angaben der Stadt neben wenigen Aktien an der Gelsenwasser AG 1,95 Mio Stamm- sowie 10 500 Vorzugsaktien an der RWE AG.

Michael Muscheid

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Kommentare
14.12.2011
15:38
Vor wenigen Jahren waren die RWE-Aktien 100 Euro wert...
von nachdenken | #2

... jetzt schwanken sie um die 25 Euro je Aktie.
100 Euro x 1,95 Mio Aktien = 195 Mio (195.000.000) Euro
75 Euro x 1,95 Mio Aktien = 146,5 Mio _Verlust_ in der Zeit
25 x 1,95 Mio Aktien = 48,5 Mio Restwert, Tendenz sinkend.

Dividende 2 Euro x 1,95 Mio Aktien x 4 Jahre = 19 Mio Euro Dividendeneinnahmen seither.

Bei dem Kurs von 100 Euro schlug die AL vor, die _Hälfte_ zu verkaufen, um Schulen etc. mit rund 70 Mio Sanierungsstau zu sanieren... das wäre ein realer Wertzuwachs gewesen, plus Einnahmen per Gewerbe- und Lohnsteuer der beauftragten Unternehmen für die Stadt. Vielleicht wären sogar ein paar Euro zur Schuldentilgung übrig gewesen.
Jetzt ist der Wert einfach so verloren gegangen.
Ob die Schachtelprivilegnummer insgesamt für die Stadt günstiger war/ist??
Bibliotheken, Schulen, sonstige klaffende Finanzlöcher wären gestopft gewesen.

Ganz ab von der Unternehmenspolitik von RWE, bzw. RWE DEA, die Fracking, also Grundwasserverseuchung betreibt, demnächst auch das Trinkwasser des Ruhrgebiets, wenn die Politik nicht handelt.

Welches "Blut" (Anlehnung an Blutdiamanten) wollen unsere Politiker an den Händen kleben haben?

14.12.2011
11:31
Fragezeichen hinter RWE-Aktien
von Borniger | #1

Herr Bornfelder rechnet einen Steuervorteil von 900 000 bzw. 700 000 Euro vor. Das bezieht sich aber auf 1,95 Mio. Aktien von RWE. Wie hoch ist denn der Steuervorteil auf die Dividende der neu zu erwerbenden 22 000 Aktien? Nach dem guten alten Dreisatz wäre der Steuervorteil auf die neuen Aktien nur ca. 10 000 bzw. nur knapp 8 000 Euro hoch, je nachdem, wie viel Dividende RWE ausschüttet. Da aber allgemein nur noch von einer Dividende von 2 Euro pro Aktie ausgegangen wird, ergibt sich nur noch ein Steuervorteil von ca. 6400 Euro oder etwa 1,1 Prozent. Ob sich dafür ein Kapitaleinsatz von weit über einer halben Million Euro für eine so klamme Stadt Herne lohnt? Da sollte man lieber die Büchereien bestehen lassen!

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