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Street View

Fotograf kämpft gegen eine verpixelte Google-Welt

20.08.2010 | 19:23 Uhr
Fotograf kämpft gegen eine verpixelte Google-Welt
So könnte das Herner Rathaus auf Google Street View aussehen. Die Stadt will dort alle öffentlichen Gebäude unkenntlich machen. Foto: Winfried Labus

Herne.Herne will öffentliche Gebäude bei Google Street View unkenntlich machen. Ein Fotograf und IT-Berater aus Berlin findet das gar nicht gut . Er heißt Jens Best und will etwas gegen die Pläne der Stadt unternehmen.

Momentan beherrscht Google Street View die Schlagezeilen der Medienlandschaft. Der Plan: Städte und Straßen sollen mit Hilfe von auf Autos montierten Kameras abfotografiert und im 3-D-Format im Internet veröffentlich werden. Die halbe Welt, so scheint es manchmal, lehnt sich nun gegen das Internet-Angebot auf – viele wollen ihre Privats-phäre nicht verletzt wissen.

Jens Best gehört nicht dazu. Der IT-Berater und Fotograf aus Berlin will genau das Gegenteil: Er besteht auf das Recht auf einen digitalen öffentlichen Raum. In seinem Internet-Blog streetview.mixxt.de schreibt er: „Für mich zeigt sich an der Reaktion auf Street-View, dass dieses Tool ein Kristallisationspunkt ist, an dem klar wird, dass es Menschen gibt, die denken, das Internet wäre eine andere Welt. Für mich ist das Internet die digitale Ebene der einen Realität.“ Und so will Best Straßen und Häuser eigenhändig ablichten, die von Privatpersonen oder auch von Kommunen zuvor verpixelt wurden. Anschließend will er die Bilder Medienberichten zufolge auf den Google-Fotodienst Picasa laden, bevor die Aufnahmen dann wiederum in Google Maps und Street View per Link eingebaut werden sollen. Seine ersten Ziele, weil überschaubar: Weilheim-Schongau in Oberbayern und Herne, weil hier öffentliche Gebäude in Street View nicht zu sehen sein sollen.

Die Stadt blickt der Sache eher gelassen entgegen. Man könne das Abfotografieren von Gebäuden nicht mit Google vergleichen. „Was soll man dagegen sagen? Wenn Herr Best Herne schön findet, dann soll er doch ruhig fotografieren“, sagt Stadtsprecher Christian Matzko auf Anfrage und fügt hinzu: „Außerdem verstößt er nicht gegen das Straßenverkehrsnutzungsrecht, so wie es Google tut.“

Zunächst kein juristischer Kampf

Eben aufgrund dieses „Verstoßes“ setzte sich die Stadt Herne gegen die Street View-Pläne zur Wehr. Die Google-Autos beführen die Straßen nicht in gewöhnlicher Manier, sondern mit dem Ziel – aus den Fahrzeugen heraus – die Städte Meter für Meter abzufotografieren. Es läge also der Tatbestand der „unsachgemäßen Straßennutzung“ vor.

Gegen den Hauptstadt-Fotografen Jens Best will die Stadt zunächst nicht juristisch vorgehen. Es sei denn, er nutze die gleichen technischen Möglichkeiten wie Google. Bis dahin nimmt man den Fotografen irgendwie nicht ganz ernst: „Wenn er unser Rathaus fotografieren möchte, freuen wir uns“, so Matzko.

Für das Vorhaben von Google Street View hat die Stadt Herne unterdessen eine besondere Nutzungseinschränkung beschlossen: 20 Euro pro gefahrenen und abfotografierten Kilometer in Herne soll Google an die Stadt zahlen. Insgesamt verfügt Herne über ein Straßennetz von 300 Kilometern.

Ob Google bereit ist, die geforderte Straßengebühr zu zahlen, ist nicht bekannt. Bisher hat sich das US-Unternehmen jedenfalls noch nicht bei der Stadt gemeldet und ein „Google-Foto-Auto“ wurde auf Herner Boden auch noch nicht gesichtet. Herne gehört nicht zu jenen 20 deutschen Großstädten, die in einem ersten Schritt bei Street View zu sehen sein sollen.

Daniele Giustolisi

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Kommentare
24.08.2010
14:10
Fotograf kämpft gegen die verpixelte Welt
von OriginalBuckel | #72

#64 Ich seh da fast nur grüne Büsche und ein wenig was von nem roten Haus!

23.08.2010
13:23
Fotograf kämpft gegen die verpixelte Welt
von StellaMaris | #71

#70 Auch ne gute Frage!

23.08.2010
12:35
Fotograf kämpft gegen eine verpixelte Google-Welt
von wonko | #70

Mit welchem Recht wollen die Damen und Herren aus Herne denn die Abbildung Öffentlicher (!!!) Gebäude verhindern? Oder anders gefragt - wie definitert man in Herne öffentlich?

23.08.2010
11:56
Fotograf kämpft gegen die verpixelte Welt
von StellaMaris | #69

Schade, daß Street View nicht schon zu Beginn vo Ruhr 2010 am Start war! Das wäre mal eine innovative Kampagne geworden. Alle öffentlichen Gebäude und Sehenswürdigkeiten verpixelt, das ganze Ruhrgebiet terra incognita! Die Leute wären nur so geströmt, um ihren Forscherdrang zu befriedigen! Wie mag das Herner Rathaus aussehen, oder das Essener Straßenverkehrsamt? Schade, schade! Aber vielleicht beim nächsten Mal! Wäre aber vielleicht ein Tip für andere Kommunen. Verpixelt Dresden, das lockt noch mehr Besucher!

23.08.2010
11:53
Fotograf kämpft gegen eine verpixelte Google-Welt
von Sebastian B. | #68

Was mir persönlich an Google Street View gefällt, ist die Tatsache, dass es ein Bisschen desillusionierend ist, sich mögliche Urlaubsziele bereits zuvor im Detail angucken zu können.

Ein Grund, weswegen ich mir potenzielle Reiseziele - auch wenn ich Streetview an sich ,,toll finde (glücklicherweise wohnen wir einigermaßen gepflegt; würde ich in einer schlechteren Gegend wohnen, wäre meine Begeisterung ggf. wahrlich nicht gigantisch; dann würde ich vielleicht sogar im studiVZ die für Freunde sichtbare Adresse entfernen), nur ungerne anschaue.

23.08.2010
11:32
Fotograf kämpft gegen eine verpixelte Google-Welt
von ruhri | #67

Lieben die Herner Politiker ihr Rathaus nicht?

Warum sonst dieser Unsinn?

23.08.2010
10:23
Blockierter Kommentar.
von spacedrummer | #66

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

23.08.2010
10:20
Blockierter Kommentar.
von spacedrummer | #65

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

22.08.2010
23:52
Fotograf kämpft gegen eine verpixelte Google-Welt
von Der_Horsthausener | #64

@59: Und, hat es Ihnen viel gegeben, sich das Standbild der Frau anzusehen?

so langsam wird es langweilig...die Linse der Kamera befindet sich wenige Zentimeter über dem Rand von Strassenverkehrsschildern.

Von da aus hat man einen sehr guten Einblick in z.B. Gärten und Wohnbereiche von Häusern.

Ich weiss nicht für wie groß Sie Ihren Kopf schätzen, aber mit Verlaub, es dürfte nur wenige Menschen geben, welche sich einen solchen Überblick verschaffen könnten. Und die dürften wahrscheinlich noch seltener vor der Tür anzutreffen sein.

Mal ein einfaches Beispiel für den Sichtbereich, wie ich es bei einem weiteren Domizil erleben durfte:
Google Maps und dann die nachfolgende Suchadresse:
Valuastraat, Venlo

Diese endet im nördlichen Bereich am Buitensingel.

Wenn man dort Streetview aktiviert und die Valuastraat im Rücken hält und frontal auf die Mauer schaut, gibt es am Noord Buitensingel ein schönes Tor in der Mauer. Über dieses kann man eine wunderschöne Tür vom Gartenausgang vom Haus sehen.

Dieser Einblick ist so sonst nicht möglich. Dürfen gerne vorbeischauen.

Wenn man nun von der Kreuzung rückwärts in die Valuastraat geht und die Kreuzung/Mauer in der Frontalen hält, dann hat man gleich links neben sich ein Strassenschild in üblicher Höhe montiert neben sich. Sorry, aber die Aussicht hat man sonst nicht.

Wird so langsam Zeit, dass wir hier auch endlich private resorts aufbauen und schöne Landschaftsabschnitte in ihrer Schönheit bewahren.

22.08.2010
21:49
Fotograf kämpft gegen eine verpixelte Google-Welt
von BerndBruns | #63

Die sind erkennbar nicht ganz dicht, diese profilierungsbedürftigen Herner Provinz-Politiker. Ich empfehle Google, dieses verzichtbare städtische Territorium aus allen werbewirksamen Veröffentlichungen zu tilgen. Verpixselt diese verstaubte Provinz insbesondere auf Google Maps und selbstverständlich auch auf dem allseits beliebten Google Earth.

Was fehlt in dieser vernagelten kleinkarrierten Republik namens BRD? Keine Frage: Ein grundgesetzlich garantiertes Persönlichkeitsrecht für Hausfassaden nebst diverser Wasserkopfbehörden zur Durchsetzung dieses Grundrechts von Baulichkeiten. Inklusive einer Justiz zur Durchsetzung solcher rechtlichen Abstrusitäten. Ich empfehle dazu die Zuständigkeit der restriktiven wie berüchtigten Pressekammer des Landgerichts Hamburg unter dem Vorsitz eines Lord-Richters namens A. Buske.

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