Förderturm und Privatisierung sind in Teutoburgia Thema

Untrennbar mit der Siedlung Teutoburgia verbunden: dasFördergerüst.Der denkmalgeschützte Turm ist sanierungsbedürftig.
Untrennbar mit der Siedlung Teutoburgia verbunden: dasFördergerüst.Der denkmalgeschützte Turm ist sanierungsbedürftig.
Foto: Foto: Ralph Bodemer
Was wir bereits wissen
Das sanierungsbedürftige Fördergerüst, Gerüchte über eine Privatisierung und Pläne für Garagen in Gärten halten die Siedlung Teutoburgia in Atem.

Herne..  Der 1987 von den Einstürzenden Neubauten veröffentlichte Song „Keine Schönheit ohne Gefahr“ war sicherlich nicht auf Teutoburgia gemünzt. Doch irgendwie passt dieser Titel der deutschen Avantgarde-Band sehr wohl zu der Börniger Gartenstadt.

Denn: Hiobsbotschaften über den schlechten Zustand des Teutoburgia-Fördergerüsts brachen in den vergangenen Jahren ebenso in die Idylle der Kolonie ein wie Gerüchte über weitere Privatisierungen durch die Deutsche Annington und Pläne für den Bau von Garagen in Gärten. Eine aktuelle Bestandsaufnahme.

Das Fördergerüst

Im Oktober 2013 ließ die Stadt den Förderturm Teutoburgia einrüsten, spätestens im Februar 2014 schrillten in Politik und Bürgerschaft endgültig die Alarmglocken. Das städtische Gebäudemanagement GMH berichtete in der Bezirksvertretung Sodingen, dass bei einer Begehung Schäden unter anderem an Stufen und der Podestfläche festgestellt worden seien. Doch damit nicht genug: Mittelfristig sei eine Generalsanierung nötig. Kosten: rund 1,5 Millionen Euro.

Die „kleinen“ Schäden sind inzwischen nach mehr als eineinhalb Jahren so gut wie behoben worden. Voraussichtlich noch in dieser Woche würden die Arbeiten abgeschlossen, berichtet Stadtsprecher Horst Martens auf Anfrage. 40 000 Euro habe die Maßnahme zur Herstellung der Standsicherheit gekostet; die Freigabe erfolge nach der Abnahme der Arbeiten.

Für die „große“ Sanierung tickt dagegen nach wie vor die Uhr. Um das Gerüst dauerhaft vor Korrosion zu schützen, müssten die Stahlteile spätestens in fünf Jahren gestrahlt und anschließend mit einem zweifachen Anstrich beschichtet werden, berichtet die Stadt. Dazu müsse der Turm komplett eingerüstet werden. „Die Haltbarkeit der Beschichtung beträgt dann circa 25 Jahre“, so Stadtsprecher Horst Martens. Die Kostenschätzung liegt noch immer bei 1,5 Millionen Euro. Die Frage, aus welchen Töpfen dies finanziert werden soll und kann, ist nach wie vor offen.

Die Privatisierung

Das Gerücht hält sich hartnäckig und kam zuletzt in der sehr emotional geführten Debatte über die Anpassung von Denkmal- und Gestaltungssatzung (siehe unten) mal wieder auf: Die Deutsche Annington will die Siedlung nach Ablauf der Zweckbindung für öffentliche Förderungen komplett privatisieren. Das Wohnungsunternehmen, als Haupt-Eigentümer der Siedlung unter anderem Nachfolger von Veba und Viterra, kann dies nicht bestätigen: „Solche Pläne gibt es zurzeit nicht“, sagt Daniel Lucke, Regionalleiter der Annington, im Gespräch mit der WAZ. Die Zweckbindung laufe in den Jahren 2017, 2019 und 2022 aus.

Teutoburgia sei eine tolle Siedlung, sehr gepflegt, es gebe kaum Leerstand, sagt Lucke. Und, so betont Annington-Sprecherin Nina Henckel: Unternehmensziel sei die langfristige Bewirtschaftung von Wohnungsbeständen.

Börnigs SPD-Ratsherr Jörg Högemeier hört die Botschaft. Doch: Bei einem großen Wohnungsunternehmen könne man einen Kurswechsel nie ausschließen, sagt er. Wichtig wäre bei einer Privatisierung, dass Bewohner entweder ein Vorkaufsrecht wahrnehmen könnten oder als Mieter ein Wohnrecht behielten.

136 Gebäude mit 469 Wohneinheiten zählt die denkmalgeschützte Siedlung, rund 1400 Menschen leben hier. Die Privatisierung beschränkt sich bisher auf die Schadeburgstraße, in der seit 2005 Häuser vorrangig an Mieter verkauft werden. Für 25 Wohneinheiten sei dies bisher der Fall gewesen, so die Annington.

Die Garagen

Die Pläne schlugen in der Siedlung ein wie eine Bombe: Im Zuge der Anpassung von Satzungen und Bestimmungen für Teutoburgia wollte die Stadt an ausgewählten Standorten in Gärten den Bau von Garagen und Carports möglich machen. Damit wolle man für den Fall rechtlicher Auseinandersetzungen Lücken im Bebauungsplan schließen und die Siedlung an „Bedürfnisse des modernen Wohnens“ anpassen, so die Begründung der Stadt. Bewohner und Politiker entfachten daraufhin im Bezirk Sodingen einen Proteststurm. Weitere Garagen in den Gärten würden den Charakter der Siedlung zerstören, so der breite Tenor. Der Widerstand zeigte Wirkung: Die Stadt hat die Pläne inzwischen zurückgenommen.