Flüchtlings-Lage in Herne spitzt sich täglich zu

Gut 50 Bürger kamen zur Informationsveranstaltung, zu der die SPD Röhlinghausen eingeladen hatte.
Gut 50 Bürger kamen zur Informationsveranstaltung, zu der die SPD Röhlinghausen eingeladen hatte.
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Was wir bereits wissen
Der SPD-Ortsverein Herne-Röhlinghausen lud zu einer Bürgerversammlung rund ums Thema Asylbewerber. Dabei hieß es: Die Übergangsheime sind dicht.

Herne..  Die Stadt rechnet nun sogar mit bis zu 900 Flüchtlingen, die mittelfristig nach Herne kommen. Das sagte Brigitte Bartels, Leiterin des Sozialamts, bei einer Bürgerversammlung am Montagabend. Eingeladen hatte der SPD-Ortsverein Röhlinghausen ins evangelische Gemeindehaus am Göddenhoff. Das Thema: die vorübergehende Unterbringung der Asylbewerber in der Görresschule in Röhlinghausen.

Rund 50 Bürger nahmen die Einladung an. „Ich glaube, die Bereitschaft, Flüchtlinge aufzunehmen, ist hoch“, stellte der SPD-Ortsvereinsvorsitzende in Röhlinghausen und Stadtverordnete Hendrik Bollmann fest. Sozialamts-Chefin Bartels fasste den aktuellen Stand der Flüchtlingssituation zusammen. Stand Montag leben 455 Asylbewerber aus 27 Nationen in Herne, die meisten zwischen 17 und 25 Jahren alt. 127 von ihnen, sagte Bartels, könnten mit einer Aufenthaltserlaubnis rechnen.

84 Flüchtlinge leben zurzeit in der Görresschule an der Edmund-Weber-Straße, die nun für gut einen Monat als Erstaufnahme-Einrichtung der Landes genutzt wird. Anschließend sollen die Pläne des DRK, die Görresschule zu einer Pflegeschule umzubauen, umgesetzt werden, hieß es.. Deswegen, so Bartels, sei man auf der Suche nach alternativen Unterbringungsmöglichkeiten.

Platz für 20 weitere Menschen

Was die städtischen Übergangseinrichtungen für Flüchtlinge angeht, so seien diese restlos ausgeschöpft. Herne könne noch maximal 20 Asylbewerber aufnehmen, zu rechnen seien aber laut Zahlen des Bundes mit besagten rund 900 Menschen. „Wir sitzen auf einem Pulverfass. Es ist eine prekäre Situation, die sich täglich zuspitzt“, betonte die Sozialamts-Chefin. Um anzufügen: „Eine menschenwürdige Unterbringung muss Priorität haben, egal welchen Hintergrund und Motive die Flüchtlinge haben. Dabei muss die Einschränkung und Belastung für die Bevölkerung jedoch gering gehalten werden“.

Der anschließende Meinungsaustausch verlief ruhig und sachlich. Die Bürger hatten ernsthaftes Interesse an den Flüchtlingen und zeigten teilweise auch persönliches Engagement. So kamen unter anderem Fragen zur Ausstattung der Unterkunft, zu den anfallenden Kosten, zur Herkunft, zu Sprachkenntnissen und zum Gesundheitszustand. Rede und Antwort standen neben Bartels und Bollmann auch Manuela Lukas, stellvertretende SPD-Fraktionschefin im Rat, sowie Willibald Wiesinger, Bezirksverordneter, und Bettina Brüser, Fraktionsvorsitzende in Eickel. „Solch eine Versammlung hätte es schon viel eher geben müssen“, bilanzierte Bollmann, „so hätte viel Unmut vermieden werden können.“