Flüchtlinge sollen ins ehemalige Herner Siemens-Werk ziehen

Seit 2012 steht das Siemens-Werk an der Südstraße leer. Nun könnten dort Asylbewerber unterkommen.
Seit 2012 steht das Siemens-Werk an der Südstraße leer. Nun könnten dort Asylbewerber unterkommen.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Stadt Herne bestätigt Pläne für eine vierte zentrale Asylbewerber-Unterkunft: Im ehemaligen Siemens-Werk ist Platz für bis zu 175 Menschen.

Herne..  Wegen der weiter steigenden Flüchtlingszahlen will die Stadt in Kürze eine vierte zentrale Asylbewerber-Unterkunft in Herne einrichten. Nach Informationen der WAZ soll dazu das ehemalige Siemens-Werk an der Südstraße angemietet werden. Das bestätigt Sozialdezernent Johannes Chudziak. Die Stadt sei in aussichtsreichen Verhandlungen mit dem Besitzer der Immobilie. Komme es zum Vertragsabschluss, könnten die ersten Flüchtlinge Mitte bis Ende März dort einziehen. Platz ist dort für bis zu 175 Menschen.

Zu den Zahlen: 416 Männer, Frauen und Kinder aus 27 Nationen leben nach Auskunft der Stadt in den städtischen Unterkünften am Zechenring sowie an der Buschkamp- und Dorstener Straße. Im Dezember waren es rund 320, im November 280 Personen. Tendenz: steigend. Schon vor Weihnachten hieß es bei der Stadt, dass die Unterbringung nicht mehr sozialverträglich sei. Obwohl sie zwischenzeitlich Wohnhäuser angemietet hat, etwa an der Gneisenaustraße, gibt es keine Entspannung in den zentralen Unterkünften. „Durch die momentan hohe Belegungsdichte ist die Lage naturgemäß angespannt“, sagt Brigitte Bartels, Leiterin des städtischen Fachbereichs Soziales.

Zwei Waschkauen, eine Kantine

Für eine Entspannung sorgen soll die neue Unterkunft an der Südstraße. Im ehemaligen Flender- und späteren Siemens-Werk produzierten rund 175 Mitarbeiter Getriebe unter anderem für Windkraftanlagen, 2012 machte Siemens die Zweigstelle dicht. Flüchtlinge könnten etwa im Bürogebäude und in benachbarten Werkswohnungen untergebracht werden. Sanitäre Einrichtungen gibt es in den beiden Waschkauen, auch eine Kantine ist vorhanden. Sei alles hergerichtet, sei an der Südstraße eine vergleichsweise gute Form der Unterbringung möglich. „Die Unterzeichnung der Verträge für die neue Flüchtlingsunterkunft soll kurzfristig nach Abschluss der bau- und brandschutzrechtlichen Prüfung erfolgen“, sagt Sozialamts-Chefin Bartels.

Katja Jähnel, Flüchtlingsreferentin im Eine Welt Zentrum, ist nicht erfreut über die Pläne: „Das wäre eine Sammelunterkunft“, stellt sie klar. „Dort wird es Probleme geben“, prophezeit sie mit Blick auf die bis zu 175 Menschen, die auf einem Gelände wohnen würden. Sie plädiert für dezentrale Unterkünfte mit weitaus kleineren Einheiten.

Ähnlich äußert sich Rolf Ahrens vom Arbeitskreis Flüchtlinge: „Großunterkünfte haben sich nicht bewährt.“ Der Grünen-Politiker fürchtet zudem eine Isolierung der Flüchtlinge an dem abgelegenen Standort gegenüber dem Lidl-Zentrallager. Und doch: Ob der steigenden Flüchtlingszahlen müsse man den Standort wohl oder übel akzeptieren – „als Not-Immobilie“.