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Fluchtpunkt Schrebergarten

05.10.2008 | 19:16 Uhr

Stadtverband der Gartenfreunde Herne-Wanne feierte am Samstag sein 75-jähriges Bestehen.Anneliese Flormann ist schon seit 50 Jahren dabei und genießt immer noch jede Minute auf ihrer Scholle

Seit fast 50 Jahren hegt und pflegt Anneliese Flormann ihren Schrebergarten in der Anlage Röhlinghausen an der Gelsenkircher Straße. Die 88-Jährige, bis vor einem Jahr noch Kassenwartin des Stadtverbandes der Gartenfreunde, ist zurzeit damit beschäftigt, die Parzelle winterfest zu machen. Fotos: Stefan Kuhn/press imageDieter Claar, Vorsitzender des Stadtverbandes.

Es gab eine Zeit, in der Kleingärten als Inbegriff der "Spießigkeit" schlechthin galten. Kleinbürgertum, das sich mit Gartenzwergen Ausdruck verleiht und Kleinkriege am Maschendrahtzaun waren gängige Horrorszenarien. Heute scheint es anders: Der Kleingarten ist mehr und mehr zu einer Rückzugsfläche im städtischen Alltagsleben geworden. Immerhin gibt es etwa 2500 Gartenparzellen und mehr als 4000 Kleingärtner.

Sie alle sind Mitglieder des Stadtverbands der Gartenfreunde Herne-Wanne, der sein 75-jährigen Bestehen im Kulturzentrum am Willi-Pohlmann-Platz feierte. Gekommen waren neben den rund 450 geladenen "Vorstands- und Gartenzaungästen" der 40 Kleingartenvereine in Herne auch Bürgermeisterin Erika Wagner (SPD, 70), Bundestagsabgeordneter Gerd Bollmann (SPD, 61) und CDU- Kreisvorsitzender Ulrich Finke (65), um ihre Glückwünsche zu überbringen.

Neben ihnen stand Anneliese Flormann als Ehrengast auf der Bühne. Sie ist ein Unikum in der Kleingartenlandschaft. Am Abend reihte sie sich mit einem Vortrag über das Erntedankfest in das Programm ein, am Vormittag - wenige Stunden vor ihrem Auftritt - nahm sie sich noch die Zeit, der WAZ ihren Garten in der Kleingartenanlage Röhlinghausen zu zeigen und ihre Eindrücke vom Wandel im Gartenwesen zu schildern. Anneliese Flormann ist 88 Jahre, seit 50 Jahren Kleingärtnerin und war noch vor einem Jahr Kassenwartin des Stadtverbandes der Gartenfreunde. "Ich habe nie viel über das Gärtnern gewusst, habe sogar zeitweise Unkraut gegossen, weil ich dachte, dass das ja auch Blumen sein könnten", lacht die alte Dame. Gleichzeitig entschuldigt sie sich für den Zustand des Gartens - sie habe nicht mit einem Fototermin gerechnet und schon angefangen, den Garten winterfest zu machen. Seit ihr Mann ihr den Garten einst schenkte, habe sich viel verändert: "Früher waren viele ältere Leute Gartenbesitzer. Heute nutzen viele junge Familien den Schrebergarten als Fluchtpunkt." In der immer dichter bevölkerten Stadt suchten die Menschen einen Ort jenseits von Lärm und Gefahren: "Hier können die Kinder spielen, ohne dass der Ball auf die Straße rollt, höchstens ins Erdbeerbeet des Nachbarn", schmunzelt Anneliese Flormann. Habe der Garten früher der Selbstversorgung gedient, sei es heute oft günstiger, Gemüse zu kaufen. Geblieben sei der Spaß, etwas selber gezüchtet, großgezogen zu haben. Auch die einst sehr starren Vorschriften in den Kleingartenanlagen seien überholt: So dürfe man heute die Laube sogar als Partyhäuschen nutzen. Doch das wichtigste sei: "Morgens in aller Seelenruhe den Garten zu betreten, die Vögel zwitschern zu hören, den blauen Himmel zu genießen - das ist ein Idyll in der Stadt."

Von Henrik Neumann

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Kommentare
08.10.2008
14:47
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #3

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

06.10.2008
19:49
Fluchtpunkt Schrebergarten
von info@kleingarten-herne.de | #2

Stellungnahme des Stadverbandes zum Kommentar von Peter Silie:
Die Angaben über das Alter der genannten Ehrengäste ist nicht durch uns angebracht, sondern durch den zuständigen Redakteur. Ein bischen Benehmen haben die Laubenpieper sicherlich auch noch vorzuweisen. Fragen Sie doch bitte bei Herrn Hendrik Neumann

06.10.2008
11:05
Fluchtpunkt Schrebergarten
von peter silie | #1

Ich frage mich, warum steht das Lebensalter der Ehrengäste hinter deren Namen? Ist das so üblich
bei Festen der Laubenpieper?

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