Finger hoch für Sekundarschule
01.08.2011 | 18:32 Uhr 2011-08-01T18:32:00+0200
Herne. Herne will die neue Schulform in die Schulentwicklungsplanung vor Ort einbeziehen. Hauptschulzahlen sind weiter rückläufig.
Die Utopie hat einen neuen Namen: Nachdem das Modell „Gemeinschaftsschule“ gerichtlich gestoppt wurde, soll nach Willen der rot-grünen Landesregierung ab 2012 die „Sekundarschule“ als neue Schulform an den Start gehen. Schuldezernentin Gudrun Thierhoff sieht Herne dafür gut vorbereitet: „Wir haben mit der Elternbefragung und dem politischen Willen ein deutliches Bekenntnis für längeres gemeinsames Lernen abgelegt.“ Diese Schritte war man schon gegangen, als noch die Gemeinschaftsschule geplant war.
Froh ist die Dezernentin darüber, dass endlich eine schulgesetzliche Regelung Planungssicherheit verspricht. „Wir sind dabei, in Herne die Schulentwicklungsplanung für den Sekundarbereich zu überarbeiten“, sagt sie. In diesen Kontext passe es, „die Sekundarschule als eine weitere Perspektive einzubeziehen“. Dies müsse nicht schon im Schuljahr 2012/13 geschehen. Die neue Schulentwicklungsplanung wird voraussichtlich Ende des Jahres oder Anfang 2012 vorliegen. Damit verbunden sein sollen Erkenntnisse über die Entwicklung der Schülerzahlen und über das Schulwahlverhalten.
Was der jetzt auf Landesebene ausgehandelte „Schulfrieden“ für die Hauptschulen in Herne bedeutet, mag die Dezernentin nicht voraussagen. Fest steht: Die Hauptschule hat danach keinen Verfassungsrang mehr, das heißt, Eltern verlieren das Recht, ihre Kinder dorthin zu schicken, sie wird aber nicht abgeschafft. De facto haben sich die Eltern aber längst zu großen Teilen von der Hauptschule abgewandt. Der Gustav-Adolf-Hauptschule etwa gelingt es im kommenden Schuljahr nicht, eine Eingangsklasse zu bilden, da nur sieben Schülerinnen und Schüler angemeldet worden waren – vermutlich der Anfang vom Ende.
„Wir gehen von weiter rückläufigen Anmeldezahlen bei den Hauptschulen aus“, sagt Gudrun Thierhoff. Bei sinkenden Schülerzahlen zeichne es sich auch ab, dass die Gesamtschulen vor Ort alle versorgen könnten, was in früheren Jahren nicht der Fall war. Das System Hauptschule „künstlich zu erhalten“, hält sie nicht für sinnvoll. Vielmehr sollte die lokale Schullandschaft „bedarfsgerecht und nachfragegerecht“ gestaltet werden.
Dass die Sekundarschule ohne Oberstufe konzipiert ist, findet Gudrun Thierhoff nicht problematisch. Schon bei den Überlegungen zur Gemeinschaftsschule sei daran nicht gedacht gewesen. Vier Schulen hatten sich in Herne als interessiert an der Schulform Gemeinschaftsschule gemeldet: neben den drei Hauptschulen Gustav-Adolf, Melanchthon und Hans-Tilkowski die Realschule Strünkede. Wichtig sei es nur, die „Durchlässigkeit zu gewährleisten“, sprich: den Übergang in die Sekundarstufe II zu ermöglichen, was laut Thierhoff in Herne aber kein Problem sei.
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