Fernab vom Stress des Alltags
15.12.2008 | 19:42 Uhr 2008-12-15T19:42:05+0100Gospelprojekt bringt 6000 Besuchern singend den tiefen Sinn der Weihnacht nahe.Dabei halten die Kinder den Erwachsenen und ihrer Welt einen Spiegel vor
Es ist eine schnelllebige Zeit, in der wir leben. Geplagt vom Stress des Alltags, gehetzt von der Verantwortung des Erwachsenseins, nehmen wir kaum noch die "schönen Dinge" um uns herum wahr. Gerade in der Weihnachtszeit merkt man an sich selbst, dass man mehr Zeit in Geschäften verbringt als mit seinen Lieben daheim.
Um sich zurückzubesinnen, hielten am Wochenende 300 Kinder der Erwachsenenwelt den Spiegel vor. Während des Weihnachtsprogramms "Remember Christmas" erinnerten mehr als 500 Darsteller des Gospelprojekt-Ruhr in der Essener Grugahalle an den wahren Geist von Weihnachten. Unter den 300 Kindern des in Herne gegründeten Musikprojektes sangen auch 80 junge Herner.
Es war ein Auftritt der Kleinsten, zugleich ein Auftritt der großen Gefühle. Vor rund 6000 Zuschauern, 3000 pro Abend, initiierte das von der Hernerin Christa Merle ins Leben gerufene Gospelprojekt eine schillernde Weihnachtsgeschichte à la Charles Dickens. Dabei zeigten gerade die Nachwuchstalente, Kinder im Alter von sechs bis 15 Jahren, den großen Sängern, was im Erwachsenenleben falsch läuft: Geplagt von äußeren und inneren Zwängen sind die "Großen" nur scheinbar glücklich, nur scheinbar erfolgreich. Immer mehr verschiebt sich die Perspektive, und plötzlich scheint der Job wichtiger als die Familie, als die Liebe! Diese innere Zerrissenheit spiegelte sich in den bezaubernd gefühlvollen Gesangseinlagen von Hauptdarsteller Christian Heckelsmüller und der Hernerin Julia Merle.
Dagegen an sang ein schillernder Kinderchor "Supercalifragilistic-expialigorisch", Kinder auf zwei Meter hohen Einrädern düsten über die große Bühne und luden die Großen zu einer Runde "Gummi-Twist" ein. Sie drehten mit einem Schlag die dunkle, verzweifelt anmutende Stimmung in eine unbeschwerte Welt und zeigten, dass der Spaß am Leben immer im Vordergrund stehen muss!
Und auch der Blick hinter die Kulissen des XS-Chors, darunter auch die 80 Herner Kinder, machte deutlich, dass es hier hauptsächlich um Freude ging: 300 kleine Stars wuselten fröhlich im Backstage-Raum umher, spielten Fangen und trieben kindlichen Unsinn. Von Nervosität war nichts zu spüren, eher wollten alle endlich auf die Bühne. So auch die zwölfjährige Johanna Hess aus Herne. Sie singt schon seit sechs Jahren im Gospelprojekt und ist ein kleiner Profi: "Es macht einfach ganz viel Spaß, auf der Bühne zu singen und zu tanzen", erzählte Johanna. Auch die elfjährige Nadja Bielawney und die zehnjährige Julia Bass - beide sangen ein Solo - lieben das Singen, "besonders vor so vielen Zuschauern", sagte Julia lachend.
Und so war es nicht nur den Kleinsten, sondern allen Darstellern anzusehen, dass sie mit großem Elan auftraten und es mit einem wundervollen Auftritt schafften, die Zuschauer an den eigentlichen Sinn der Weihnacht zu erinnern.
Das Gospelprojekt-Ruhr wurde 2001 von Christa Merle in Herne gegründet. Dabei stehen die christlichen Werte im Vordergrund. Das Gospelprojekt versucht zu zeigen, dass Kirche nicht immer ernst und still sein muss. Es zeigt mehrmals jährlich bei seinen Auftritten, dass Glaube auch bunt, laut und kindlich sein darf. HeN
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