Das aktuelle Wetter Herne 14°C
Umwelt

Feinstaub: Pläne der Stadt geplatzt

27.08.2012 | 20:00 Uhr
Feinstaub: Pläne der Stadt geplatzt
Vom Tisch: Pläne der Stadt, an der Kreuzung Recklinghauser Straße/Am Westhafen das Abbiegen nach links zu verbieten.Foto: Karl Gatzmanga

Wanne-Eickel.   Die Stadt ergreift wohl doch keine kurzfristigen Maßnahmen, um die hohe Feinstaub-Belastung im Wanner Norden einzudämmen. Das sagt Gerd Werner, Chef im Umweltamt der Stadt. „Wir haben alles ausgeschöpft, was machbar ist“, so Werner im Gespräch mit der WAZ.

Werner setzt darauf, dass die bisherigen Maßnahmen greifen, um die Werte zu drücken. Sein Appell: „Wir dürfen die Geduld nicht verlieren.“ Zum Hintergrund: Die Grenzwerte für den krebserregenden Feinstaub wurden seit Jahresbeginn an der Messstation Recklinghauser Straße bereits an 56 Tagen überschritten – so häufig wie an keinem anderen Messpunkt in NRW. Toleriert werden von der EU maximal 35 Überschreitungstage. Nach 67 Überschreitungen in 2011 droht, aufs Jahr hochgerechnet, in 2012 ein neuer Rekord.

Kein Abbiege-Gebot

Deshalb hatte die Stadt im Juni angekündigt, die Feinstaub-Belastung mit kurzfristigen Maßnahmen stärker als zuletzt zu bekämpfen. Zwei Ideen aber muss die Stadt wohl gleich wieder beerdigen. Die angedachte Rechtsabbiege-Verpflichtung für Fahrzeuge aus dem Westhafen sei rechtlich kaum durchsetzbar, sagt Werner. Damit sollte der Schwerlastverkehr – unter anderem der Wanner-Herner Eisenbahn (WHE) – nach Norden und damit weg von der Feinstaub-Messstation umgeleitet werden. Vom Tisch ist auch die geplante Synchronisierung der Fußgängerampel zwischen A 42 und Kreuzung Recklinghauser-/Dorstener Straße mit den anderen Ampeln. Eine Überprüfung habe gezeigt: „Das hilft uns nicht weiter.“ Bleibt allein die Überlegung, einen Kreisverkehr an der Dorstener-/Recklinghauser Straße zu bauen. Aber selbst dann, wenn dieser finanziell sowie technisch möglich wäre und eine Entlastung verspreche, so dauere es bis zur Fertigstellung mindestens fünf Jahre.

Neue Ideen hat die Verwaltung nicht in der Schublade. Die Möglichkeiten der Stadt, so Werner, seien nunmehr ausgereizt. Er glaubt, dass die bisherigen Maßnahmen, etwa die des Luftreinhalteplans Ruhrgebiet mit der Einführung der Umweltzone, die Feinstaub-Werte noch drücken werden – wenn auch nicht kurzfristig.

Das reicht Dirk Gleba, Sprecher im Umweltausschuss der Stadt, nicht. Die Stadt dürfe sich „nicht wegducken“. Es gebe durchaus Maßnahmen, die politisch noch diskutiert werden müssten. Tempo 30 auf der Recklinghauser Straße sei so eine, meint der Politiker von Bündnis 90/Die Grünen, eine großräumige Sperrung des Wanner Nordens für den Lkw-Verkehr sei eine andere. „Es darf keine Debkverbote geben“, betont Gleba, hätten die Anwohner doch schließlich ein Recht auf saubere Luft.

IHK gegen Tempo 30

Die Forderung nach einer Einschränkung des Lkw-Verkehrs oder der Einführung einer Tempo-30-Zone auf der Recklinghauser Straße schmeckt der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittleres Ruhrgebiet gar nicht. Es dürften keine Maßnahmen ergriffen werden, die den Wirtschaftsstandort Herne schädigten, sagte gestern Jörg A. Linden, Sprecher der Kammer, zur WAZ. Deshalb müssten Maßnahmen gegen den Feinstaub „im Einvernehmen mit den Unternehmen“ getroffen werden, fordert er.

Michael Muscheid

Kommentare
30.08.2012
09:42
Feinstaub: Pläne der Stadt geplatzt
von iswatlos | #5

So wie die Situation ist, kann sie aber nicht bleiben! Schließlich haben die Anwohner ein (EU-)Recht auf maximal 35 Tage mit Überschreitungen. Sollte...
Weiterlesen

Funktionen
Aus dem Ressort
Mitarbeiter des Herner Evk beklagen Überlastung
Gesundheit
Evk-Mitarbeiter beklagen eine Überlastung auf der Intensivstation. Im April sei in 146 Fällen die vorgeschriebene Pause nicht gewährt worden.
Zukunft des „Nils“ in Herne ist noch völlig offen
Gastronomie
Am Sonntag endet der alte Pachtvertrag für die Szenekneipe „Nils“ in Herne. Ob die Türen am Montag auf bleiben oder zu sind, steht noch nicht fest.
Spatenstich zu Neubau in Herne
Immobilien
Anfang Juni beginnt die Bauphase für das neue Wohnhaus an der Bielefelder Straße. 24 Menschen mit Behinderung sollen im Herbst 2016 einziehen.
Verrückter Polizist auf Mission sammelt für gute Zwecke
Sponsorlauf
Andy Seery (47) bewegt ein rollendes Krankenbett über 2500 Kilometer von Birmingham bis nach Posen. Er sammelt dabei Geld.
Schmerz - Mediziner aus Herne am heißen Draht
Gesundheit
Am kommenden Dienstag, dem Aktionstag gegen den Schmerz, stehen drei Ärzte den WAZ-Lesern Rede und Antwort. Rufen Sie an!
Fotos und Videos
Leckerer Möhreneintopf
Bildgalerie
Serie
KGV Herne-Süd - Eindrücke
Bildgalerie
Fotostrecke
article
7032960
Feinstaub: Pläne der Stadt geplatzt
Feinstaub: Pläne der Stadt geplatzt
$description$
http://www.derwesten.de/staedte/nachrichten-aus-herne-und-wanne-eickel/feinstaub-plaene-der-stadt-geplatzt-id7032960.html
2012-08-27 20:00
Nachrichten aus Herne und Wanne-Eickel