Fahrende Mülltonne kriegt den Blues
18.07.2010 | 19:16 Uhr 2010-07-18T19:16:00+0200
Herne.So griesgrämig kann keiner sein: Selbst notorischste Nörgler mussten zugeben, dass das Asphalt-Picknick auf der alten B1 eine richtig schöne Sache war. Und obwohl Herne an der Emscher liegt und nicht am Ruhrschnellweg, war die Stadt stark vertreten beim Still-Leben.
Erster Stopp nahe der Ausfahrt Bochum-Freudenbergstraße. Die Musikschul-Belegschaft sitzt schon gemütlich auf der Holzbank und zupft an diversen Gitarren. „Setz Dich zu uns“, sagt „Cheffe“ Christian Ribbe. Gesagt, getan, aber: „Nein, nicht da, da biste schon bei den Linken.“ Die sonnen sich nämlich am Nachbarstisch. Der Tisch auf der anderen Seite ist mittags noch verwaist. Eigentlich sollte hier der Fachbereich Kultur Platz nehmen. „Die haben den Weg wohl nicht gefunden“, vermutet eine. Plötzlich kommt ein Mann in einer fahrenden Mülltonne vorbei. Er heißt Frank Hoffmann, hat mal in Herne gelebt und als Clown in seiner Wahlheimat Hattingen lokale Prominenz erreicht. Hoffmann macht Späßkes mit den Leuten, nun ruft er: „Jetzt hören wir den Stillleben-Blues in A“, Ribbe gibt den Takt vor, Hoffmann swingt mit. „Sie hören nicht WDR 2, sondern die Musikschule Herne!“ Schnell bildet sich eine Traube, dutzende Menschen singen mit. Auf der Fahrradspur gegenüber staut sich der Verkehr, alle lauschen dem Spontan-Jam. Auch Bärbel Beuermann, die Spitzenfrau der Linkspartei in NRW, schnippt und wippt mit.
Weiter geht’s in Fahrt-, pardon: Gehrichtung Essen. Überall singt und sitzt, geht und steht irgendwer. Jungs und Mädels von Pottfiction, dem Zusammenschluss mehrerer Jugendprojekte, zu dem auch das Theater Kohlenpott gehört, meditieren mitten auf der Straße. Dabei halten sie Schilder hoch: „Augen zu. Mund zu. Glück auf!“ Währenddessen wird der Besucher-Mahlstrom immer zäher, langsamer. „Auffe 40 is ehm doch imma Stau“, witzelt einer – der Scherz wird nicht lustiger, wenn man ihn zum zehnten Mal hört. Manche schieben die Schuld auf Kinderwagen, davon gibt es gefühlte vier pro Quadratmeter.
Heiß ist’s und ergo Zeit für den nächsten Stopp. Volker Ittermann aus Eickel hätte wohl nicht gedacht, dass er mal unter der Brücke landet: Der Tisch, den er zusammen mit seinen Kollegen von schwul-lesbischen Fanclub „Andersrum auf Schalke“ reserviert hat, steht direkt in einer Unterführung im Halbdunkel. Die Fahrradklingeln echoen an dieser Stelle besonders laut. „Immerhin ist es schön schattig hier“, sagt Ittermann. Die Fußball-Freunde haben Plastikdosen dabei mit lauter Tapas drin, „weil Raul bald von Real Madrid nach Schalke kommt“. „Diese spanischen Schweinereien sind wirklich gut“, sagt einer. Mit „Schweinereien“ meint er Datteln im Speckmantel, und die Geschmacksprobe ergibt: Stimmt!
Weiter geht’s. Hinter der Ausfahrt Bochum-Hamme sorgt sich die Kolpingsfamilie Wanne-Eickel Zentral um die Physis der Wanderer und offeriert Melonenstückchen. Für Leute, die kein Obst mögen, gibt es Schmalzstullen. Nach all den Snacks und Erfrischungen ist’s jetzt mal Zeit zum Austreten. Toiletten sind reichlich vorhanden. „2700 Stück haben die entlang der Strecke aufgestellt“, erklärt einer. „Wahrscheinlich gibt es jetzt in ganz Europa keine Dixie-Klos mehr.“
22:34
Hilfe, jetzt muss tatsächlich Mulder kommen, hier sind die Hirnfresser aktiv.
21:04
Info an alle
http://www.demokratisch-links.de/herner-dauerzustand
08:12
Stimmt, wir könnten da auch niedere Beweggründe vermuten, eventuell sollten wir auch Scully und Mulder informieren und wenn wir ganz viel Pech haben stecken die Körperfresser dahinter.
Das Event wurde von X Gruppen gefördert, organisiert und auch geplant. Da hat eine Einzelperson leider keine Aktien gehabt, doch mit genügend Verfolgungswahn kann natürlich auch hier das Schlimmste vermutet werden.
02:28
#5
Danke für Ihren Kommentar. Masse ist eben noch keine Klasse.
Und so muß man es wohl so sehen: Es war die größte Abschiedsfeier, die jemals ein Geschäftsführer einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung auf Steuerzahlers Kosten feierte. Denn in fünf Monaten ist wohl für Pleit(g)en Schluss mit lustig und den (fünfstelligen) Monatsgehälter!
18:46
Für die einen ist ein etwas halb voll und für die anderen halb leer. Es ist alles eine Sache der Ansicht und von welcher Seite ich etwas betrachten möchte.
13:09
Wie verzweifelt über seine Region muss man eigentlich sein, wenn man sich an einem Traum-Sommertag mit x Millionen auf einer Stadtautobahn trifft und das ganze dann für ein gelungenes Event einer Kulturhauptstadt Europas hält?
11:49
Was ein Wochenende, ich habe selten so viele Radfahrer auf der Bochumer Straße gesehen und selten so viel Spaß auf der A40 :o)
War eine sehr tolle Aktion!
10:01
Wer ist Anne?
07:03
Unsere Anne hatte sich wieder hübsch gemacht.
19:52
Die Oberdunsel der Linken aus Herne waren auch auf der Grillpiste :
Ratsgruppe und Linksfraktion unterstützt vom Heiligenschein-Klute!
Heißer Asphalt und Sonnenstich können diesen Herrschaften nichts mehr anhaben !
Die haben schon alles was eine Chaosgesellschaft benötigt ... die rote Beuermobberin natürlich in doppelter Funktion dabei !