Experten diskutieren über häusliche Gewalt

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Eine Tagung in der Alten Druckerei wirft ein Schlaglicht auf ein gesellschaftliches Tabuthema. Es geht um häusliche Gewalt – eine Erfahrung, die viele Menschen machen, wie die Statistik belegt. „Mindestens jede vierte Frau wird im Lauf ihres Lebens Opfer psychischer oder physischer Gewalt“, sagt Dr. Peter Nyhuis, Ärztlicher Direktor am St.-Marien-Hospital in Eickel. Auch Männer seien betroffen, ihre Dunkelziffer liege hoch.

Das Krankenhaus veranstaltet die Tagung am 11. März zusammen mit der Stadt Herne, es soll nicht zuletzt um Unterschiede zwischen den Geschlechtern gehen. Denn Männer und Frauen reagierten unterschiedlich auf Probleme, oft spielten psychische Krankheiten eine Rolle, wenn es zu Gewalt in einer Beziehung kommt. „Werden sie mit Konflikten konfrontiert, neigen Frauen eher zu einem Rückzug, Männer zu aggressivem Verhalten“, so Nyhuis. Männer mit psychischen Problemen, etwa einer Alkoholsucht, suchten eher im Freundeskreis nach Hilfe, während für Frauen der Gang zu einer Beratungsstelle keine so große Hürde darstelle. Wer abhängig ist, hat ein höheres Risiko, Täter oder Opfer zu werden.

Weil das Thema so viele betrifft, richten sich die Vorträge nicht nur an Mediziner, sondern an die interessierte Öffentlichkeit. Beratungsstellen für Gewaltopfer und psychisch Kranke stellen sich vor, etwa Schattenlicht, Soforthilfe Herne, die Ehe- und Lebensberatungsstelle und das Bündnis gegen Depression. In Herne gebe es mehrere Angebote für Betroffene, sagt die städtische Gleichstellungsbeauftragte Sabine Schirmer-Klug: „Seit 1999 existiert ein ,Runder Tisch häusliche Gewalt’, wir organisieren auch immer wieder Veranstaltungen zum Thema.“