Existenzgründung mit Fisch in Herne

Gina und Daniel Bicker bieten seit Oktober Räucherfisch auf Wanner und Herner Wochenmärkten an.
Gina und Daniel Bicker bieten seit Oktober Räucherfisch auf Wanner und Herner Wochenmärkten an.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Gina und Daniel Bicker bieten auf Wanner und Herner Wochenmärkten Forellen direkt aus dem Räucherofen an und besetzen damit eine Angebotslücke.

Herne..  Start-up - bei diesem Begriff denkt man an aufstrebende Firmen aus dem Bereich der Technologie. Doch es gibt auch ganz andere junge Unternehmen, die neue Absatzmärkte erschließen und wachsen wollen. Seit 1. Oktober ist so eine Existenzgründung auf den Wanner und Herner Wochenmärkten vertreten: Bicker’s Räucherstube.

An ihrem kleinen Stand bieten Gina und Daniel Bicker Forellen, Lachs und Aal direkt aus dem Räucherofen an.

Mit dem Verkauf von Fisch den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen, das war für die Herner ein wenig aus der Not geboren. Daniel Bicker war Außendienstmitarbeiter des Getränkeliefer-Services Aquella. Eigentlich habe er auch nicht aufhören wollen, doch ein doppelter Bandscheibenvorfall zwang ihn dazu, sich neu zu orientieren. Dabei fiel die Aufmerksamkeit schnell auf Fisch. Bicker ist begeisterter Angler seit Kindesbeinen, er half schon seinem Vater, die Angel auszuwerfen. Die Forellen, die der heute 34-Jähige gefangen hatte, räucherte und verkaufte er im Freundes- und Bekanntenkreis. Die Resonanz sei sehr gut gewesen, berichten die Händler.

Ein zweiter Wagen ist in Planung

Allerdings: Liebhaberei in ein Geschäftsmodell umzuwandeln, das dann auch noch eine vierköpfige Familie ernährt, ist nicht ohne Risiken. Dann können angesichts der Begeisterung für die Sache schnell die harten Rahmenbedingungen aus dem Blick geraten. Nicht so bei den Bickers. Vor der Gründung betrieben sie erstmal eine ausgiebige Marktbeobachtung. „Wir haben uns im Umkreis auf Märkten umgesehen, haben unser Angebot mit dem der Fischhändler verglichen“, schildern sie den drei Monate dauernden Gründungsprozess. An dessen Ende stand die Erkenntnis: Eine Räucherbude, an der Fisch direkt aus dem Rauch heraus verkauft wird, gibt es bislang nicht. Bickers hatten ihre Marktnische gefunden. Fördernd kam hinzu, dass sich die Anfangsinvestition mit rund 4000 Euro für den mobilen Räucherofen in einem überschaubaren Rahmen hielt und der kleine Stand mit seinen wenigen Quadratmetern nur wenig Gebühr kostet.

Ihre Ware beziehen Bickers - ganz regional - von einem Züchter aus Dülmen, die Fische werden direkt am Stand geräuchert und verkauft. Im Preis liegen Bickers über denen von Mitbewerbern, doch der Nachfrage scheint dies nicht zu schaden. Zwischen 60 und 150 Forellen verkaufen Bickers pro Tag. „Wir haben in der relativ kurzen Zeit schon eine kleine Stammkundschaft aufgebaut“, erzählt Gina Bicker. Die Räucherbude schreibe schwarze Zahlen - ohne Gründungsberatung oder -zuschuss. Dazu habe auch beigetragen, dass Bickers das Weihnachtsgeschäft mitnehmen konnten.

Inzwischen planen Bickers die Anschaffung eines zweiten Wagens - ein ziemlich erfolgreiches Start-up also.