Es gibt Krach bei den Kleingärtnern in Herne

Dieter Claar, Chef beim Stadtverband der Gartenfreunde in Herne,
Dieter Claar, Chef beim Stadtverband der Gartenfreunde in Herne,
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Krach bei den Kleingärtnern: Stadtgrün erwägt die Kündigung des Generalpachtvertrags mit dem Stadtverband. Vereine üben Kritik an der neuen Satzung.

Herne..  Lange herrschte eine scheinbare Ruhe bei den Kleingärtnern, doch nun brodelt es wieder. Einer der Gründe: Bei der Stadt Herne gibt es Überlegungen, den Generalpachtvertrag mit dem Stadtverband der Kleingärtner zu kündigen. Dies bestätigte Heinz-Jürgen Kuhl, Leiter des Fachbereichs Stadtgrün, im Gespräch mit der WAZ-Redaktion.

Laut Kuhl sind in der Vergangenheit bereits mehrfach Abmahnungen an den Stadtverband geschrieben worden. Ursache für die Auseinandersetzung sind laut Kuhl bauliche Missstände, unter anderem viel zu große Lauben und Hochbeete. Der Stadtverband ist gegenüber den Vereinen dafür verantwortlich, diese Missstände zu beseitigen, doch dies geschieht nach Ansicht der Stadt nicht mit dem nötigen Tempo und der erforderlichen Intensität. „Wenn diese Probleme nicht gelöst werden, kann dies zur Kündigung führen“, sagt Kuhl. In diesem Fall würde die Stadt direkt in die Pachtverträge mit den Vereinen einsteigen. Er räumt ein, dass das Verhältnis zum Vorsitzenden des Stadtverbands Dieter Claar alles andere als gut ist.

Dies könnte eine Erklärung dafür sein, dass bei der geplanten Änderung der Stadtverbands-Satzung bei den Neu-Fassungen eine ins Auge fällt: Bislang könnte das Vermögen des Stadtverbands im Falle seiner Auflösung auch an die Stadt Herne fallen. In der neuen Fassung ist die Stadt nicht mehr vorgesehen. Dort ist die Rede von einer juristischen Person oder einer steuerbegünstigten Körperschaft. Der Entwurf liegt der Redaktion vor.

„Größenwahn und Machthunger“

Die geplanten Satzungsänderungen rufen in Kreisen der Kleingärtner Argwohn hervor. Es geht die Sorge um, dass das Vermögen, zu dem die Kleingärtner selbst beigetragen haben, verloren geht. Inzwischen überlegt eine Gruppe von Kleingärtnern, selbst einen Verband zu gründen, um die Lücke im Falle einer Kündigung zu füllen.

Offenbar ist das Klima zwischen großen Teilen der Kleingärtner und der Spitze des Stadtverbands vergiftet. Der Redaktion liegt die Stellungnahme eines Vereins zur geplanten Satzungsänderung vor. Darin heißt es: „Wir empfinden es als positiv, dass der Vorstand bereit ist, die Verbandssatzung realistischer und zeitgemäßer zu gestalten. Wir empfinden es aber als negativ, dass hier nur Änderungen einfließen, die dem Verband und seinem Vorstand noch mehr Macht und Entscheidungsfreiheiten zubilligt und die Interessen der Mitgliedsvereine vernachlässigt.“ Die Stellungnahme endet mit dem bemerkenswerten Satz: „Ein bisschen weniger Größenwahn, Selbstüberschätzung und Machthunger einzelner Vorstandsmitglieder würde dem Verband auch ganz gut tun.“

Dieter Claar antwortete bis Redaktionsschluss nicht auf die WAZ-Anfrage von Donnerstag.