„Es betrifft uns doch alle”
05.06.2009 | 19:00 Uhr 2009-06-05T19:00:00+0200
Ramona Scholand (18) ist am Sonntag Hernes jüngste Wahlhelferin. Sie kann Nichtwähler nicht verstehen.
Am Sonntag zur Europawahl sind in Herne 1426 Wahlhelfer im Einsatz. Die Jüngste unter ihnen ist Ramona Scholand aus Wanne. Sie ist erst wenige Tage 18 Jahre alt, hat gerade am Emschertal-Berufskolleg ihre Fachabiturprüfung in Erziehungswissenschaften abgelegt und will im Sommer in die Erzieherinnen-Ausbildung einsteigen. Mit der 18-Jährigen sprach WAZ-Redakteur Mirco Stodollick über ihr Engagement bei der Europawahl.
Du bist erst am Donnerstag 18 geworden, nur drei Tage später wirst du am Sonntag als Wahlhelferin im Einsatz sein. Wie kam es dazu?
Ramona Scholand: Mein Papa hat mir von dem Bericht in der Zeitung erzählt, dass noch Helfer gesucht werden – und ich hatte an dem Sonntag noch nichts vor. Warum also nicht?
Du wirst deinen Einsatz in der Grundschule an der Claudiusstraße haben. Wie stellst du dir deinen Tag im Wahllokal vor?
Ich denke, es wird nicht wirklich abwechslungsreich, vielleicht eher eintönig. Aber ich kann da bestimmt viel lernen – und dann ist es doch spannend.
In Herne wären die Verantwortlichen beim Wahlamt schon froh, wenn 40 % der Wahlberechtigten zur Wahl gehen. Lässt dich das Desinteresse vieler an der Wahl kalt?
Ich verstehe die Leute nicht, die nicht zur Wahl gehen. Es betrifft uns doch alle. Wir wohnen schließlich auch in Europa.
Was sagen deine Freunde? Gehen Sie – wenn sie denn überhaupt schon dürfen – alle wählen?
Die meisten haben es per Briefwahl getan. Ich kann mir gut vorstellen, dass die anderen auch wählen gehen. Die Europawahl war aber eigentlich kein Thema bei uns – bis meine Freunde gehört haben, dass ich Wahlhelferin werde. Aber ich glaube: Auch wenn wir die Europawahl nicht thematisiert hätten, würden sie zur Wahl gehen.
Was ist Europa für dich?
Eine Gemeinschaft. Ich finde Europa schon ganz gut, weil jeder jedem hilft, sofern es für die Länder möglich ist.
Jetzt wird's gemein. Der Europatest! Seit wann wird das Europäische Parlament gewählt?
Ich weiß es nicht, aber ich denke, schon eine längere Zeit. Vielleicht 50, 60, 70 Jahre . . .
Wie viele Menschen vertritt das Parlament?
Einige! Weiß ich nicht.
Wer ist der aktuelle Präsident des Europäischen Parlamentes?
Das hat mir mein Bruder vorhin noch gesagt, aber ich komme da jetzt nicht drauf, obwohl ich es mir unbedingt merken wollte.
Wie viele Abgeordnete werden nach der Wahl im Parlament sitzen – und wie viele kommen davon aus Deutschland?
Kommen da nicht nur ganz wenige aus Deutschland? Ich würde so auf fünf aus Deutschland tippen und vielleicht 50, 60 im Parlament.
Welches Land hat die wenigsten Abgeordneten? Oder haben doch alle Länder gleich viele Abgeordnete?
Auf gar keinen Fall glaube ich, dass alle gleich viele haben. Aber welches Land am wenigsten hat, kann ich nicht sagen.
Was bitteschön ist der Lissabon-Vertrag?
Keine Ahnung. Ich war nie gut in Politik.
Trotzdem wirst du Wahlhelferin . . .
Es hat mich einfach interessiert, was da passiert. Ich möchte neue Erfahrungen sammeln.
Die Testfragen waren schon schwierig, oder? Warum ist das wohl so: Die EU bestimmt über immer mehr Dinge unseres Lebens, aber kaum jemand weiß Genaueres über diesen Unionsgiganten?
Ich glaube, den Bürgern wird Europa nicht nahegebracht. Es wird immer nur vor einer Wahl dafür geworben. Aber nach der Wahl? Ich bekomme da nicht wirklich was mit.
Als Wahlhelferin wirst du es ja wissen: Es herrscht Wahlgeheimnis. Ich will jetzt auch gar nicht hören, für welche Partei du dich entscheiden wirst. Aber schon, ob dir die Entscheidung schwergefallen ist.
Ja, schon. Ich denke, das eine ist bei der einen Partei gut, etwas anderes bei einer anderen Partei. Ich habe mir eine Liste mit Pro und Contra gemacht, aber ganz sicher bin ich immer noch nicht, was ich am Sonntag wähle.
Was sind die Kriterien, die deine Auswahl bestimmen werden?
Zum Beispiel finde ich das Thema Arbeitslosigkeit ganz wichtig. Da ich Erzieherin werden will, ist es mir natürlich auch sehr wichtig, dass Erzieherinnen besser bezahlt werden. Danach treffe ich meine Entscheidung. Vielleicht auch wegen der Finanzkrise und wie man da am schnellsten rauskommt. Am meisten aber interessiere ich mich für den sozialen Faktor.
Meinst du, dass die EU diesen sozialen Aspekt ausreichend im Auge hat?
Das kann ich nicht sagen. Aber ich hoffe es natürlich.
Entdecken Sie Europa!
Viele Menschen wissen wenig über die EU.
Eine 18-jährige Wahlhelferin im Interview zum Europatest zu zwingen – ganz schön gemein, werden manche denken . . . Aber seien wir und Sie, liebe Leserinnen und Leser, ehrlich: Welche Fragen hätten wir richtig beantworten können?
Die WAZ machte gestern den Test und fragte auch einen leitenden Angestellten (49) mit langer Berufs- und Lebenserfahrung. Auch er konnte lediglich sagen, dass das Europäische Parlament zum ersten Mal 1979 direkt gewählt worden ist und Deutschland 99 Abgeordnete stellen wird. Immerhin kam er noch nahe an die Zahl der Parlamentssitze heran: Er tippte auf 725, es sind 736. Er nannte den Lissabon-Vertrag „die europäische Verfassung”, was nicht ganz richtig ist. Der Vertrag soll zwar den abgelehnten Vertrag zur Verfassung für Europa ersetzen, der völkerrechtliche Vertrag hat aber nicht den Rechtscharakter einer Verfassung. Der Begriff „Verfassung” taucht auch nicht im Vertragswerk auf.
Weiter im Testergebnis des leitenden Angestellten. Er tippte, dass das Parlament 3,6 Milliarden Menschen vertritt; es sind aber „nur” rund 500 Millionen. Der Parlaments-Präsident? „Ist das nicht ein Luxemburger?” Nein, ist es nicht. Es ist ein Deutscher: Hans-Gert Pöttering (CDU). Auch wusste unser Vergleichskandidat nicht, dass Malta die wenigsten Vertreter im Parlament hat, nämlich fünf.
23:48
Wer die DVU wegen Ihres Programms wählt tut mir leid. Und wer nicht zur Wahl geht, sollte bedenken:
wer nicht wählt, wählt auch. Und zwar meistens Rechts. (Siehe NL)
19:48
@9 - Mein Gott, was für ein geistiger Dünnpfiff. Jeden einzelnen Punkt lohnt sich hier wirklich nicht zu kommentieren.
23:52
Deutschland Exportmeister, wenn ich das schon höre...wen interessiert das denn? Und vor allem...auf wessen Kosten ist Deutschland denn Exportmeister geworden? Doch wohl auf Kosten der vielen kleinen Arbeiter die wegen Rationalisierung und Globalisierung ihre Arbeitsplätze verloren haben! Deutschland ist nicht nur Exportmeister sondern auch ein Land in dem die Reichen immer reicher werden und die Armut immer weiter ansteigt. Und was haben wir der EU mit ihrem Vereinheitlichungswahn zu verdanken? Rauchverbote, Umweltzonen und bei Verpackungsgrößen dürfen wir jetzt auch von den Herstellern ganz legal beschissen werden...DANKE EU!
21:27
Ja ich würde auch den Bürgern aus Herne Raten zu Europawahl zu gehen und ihnen mitzuteilen wie wichtig Europa ist.
Aber wenn ich dann lese wie stupide eine gewisse Ramona auf einfachste Fragen zu Europa antwortet, sage ich :Mädchen halte deinen Mund und schäme dich aber stecke das Geld ein.
20:14
Gut, zum Glück wählen viele Menschen eine andere Partei und informieren sich genauer, was denn diese Partei mit sich bringt.
Raus aus der EU und dies mit einem Land, welches als Exportmeister in der Mitte sitzt. Fahren wir dann einfach unser Land so richtig an die Wand, passt schon.
Und ich habe auch den Wahlomat genutzt, zum Glück zeigt er offen die Einstellung der DVU und damit fällt dieser Verein als nicht wählbar aus.
19:21
Der Wahl-O-Mat hat mir empfohlen die DVU zu wählen was ich nach genaueren Informationen auch tun werde da mir das Programm dieser Partei sehr gut gefällt. National denken und handeln statt europäisch.
15:23
Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.
09:39
Wählen kann man nur das kleinste Übel. Das Problem daran ist, dass die dann noch denken sie würden aus Überzeugung gewählt.
09:02
Jeder der nicht wählt, sollte mal überlegen wievielen Menschen auf diesem Planeten dieses Recht verwehrt wird.
07:17
Tja, dann die eigene Chance nicht begriffen.
Am Sonntag kann jeder für sich selbst entscheiden, in welche Richtung sich die EU bewegen soll.
Wer nicht wählt darf dann nicht maulen, wenn die EU auch für Deutschland geltende Dinge nicht nach der eigenen Meinung regelt.