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09.10.2008 | 19:35 Uhr

Buchkenner über Wahl von Le Clézio erstaunt.Sechs Titel in der Stadtbibliothek vorhanden

Auch wenn er zum "erweiterten Favoritenkreis" gehörte, Herner Buchkenner hatten den Franzosen Jean-Marie Gustave Le Clézio als Literaturnobelpreisträger 2008 nicht auf ihrer Rechnung. "Ich bin ziemlich überrascht und erstaunt", sagt Karin Anlauf, Leiterin der Herner Stadtbibliothek, und gibt zu: "Nein, gelesen habe ich von ihm noch nichts. Aber ich freu' mich darauf, das jetzt nachzuholen."

Sie wird dabei wohl auf ihre eigenen Bestände in der Stadtbibliothek zurückgreifen müssen, die den Lesern immerhin sechs Titel des Literaturnobelpreisträgers anbieten kann. Denn weder bei Koethers und Röttsches an der Bebelstraße noch bei Sander an der Bahnhofstraße sind Bücher von Le Clézio vorrätig. Und es wird auch ein paar Tage dauern, bis Nachschub kommt. "Die Titel sind bei den Zulieferern vergriffen", heißt es übereinstimmend in den Buchhandlungen, "die Verlage müssen erst nachdrucken."

Elisabeth Röttsches kennt Le Clézio als Autor von "Die Wüste". "Obwohl es bestimmt 15 Jahre her ist, dass ich das Buch gelesen habe, erinnere ich mich an eine sehr poetische Sprache, eindrucksvolle Bilder, an Hitze, Farben, aber auch an eine bedrohliche Stimmung", sagt die Chefin von Koethers und Röttsches. "Das ist kein Buch, das man zwischen Tür und Angel liest, aber eben eins, das man nach vielen Jahren noch wegen seiner intensiven Stimmung für sich abrufen kann."

Auch sie war völlig erstaunt, dass die Wahl der schwedischen Akademie auf Le Clézio gefallen ist, "und das wird bestimmt bei vielen so sein", vermutet sie. Denn es waren auch Namen im Gespräch, "mit denen wir öfter zu tun haben."

Für den Buchhandel mache es sich schon bemerkbar, wenn jemand den Literaturnobelpreis bekomme, das Interesse der Leser steige deutlich. Es sei denn, der Preis gehe an Autoren, deren Welt der unseren zu sehr fremd ist oder deren Zeit vorbei ist, wie es im vergangenen Jahr der Fall war, als die 88-jährige Doris Lessing die Auszeichnung der Akademie erhielt. Wer Doris Lessing liebt, hat sie vor 20 Jahren gelesen. Ganz anders, so Elisabeth Röttsches, sei es bei dem türkischen Autor Orhan Pamuk gewesen, der 2006 den Literaturnobelpreis erhielt: Bei seinen Büchern habe sich die Auszeichnung sehr nachhaltig bemerkbar gemacht - bis heute. Hei

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