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Stadtentwicklung

Ein weiter Blick in die Zukunft

28.07.2012 | 15:00 Uhr
Ein weiter Blick in die Zukunft
Die Sanierung des Geländes von General Blumenthal dürfte teuer werden und lange dauern. Foto: Hans Blossey

Joachim Grollmann, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft, setzt in der „Vision 2020“ die Akzente auf die Gesundheitswirtschaft und die Logistik. Am Schloss Strünkede könnte ein Bürostandort entstehen, die Sanierung von General Blumenthal wird langwierig und teuer.

Die Gegenwart ist für Wirtschaftsförderer eigentlich schon Vergangenheit, ihr Blick richtet sich immer in die Zukunft. Joachim Grollmann, Geschäftsführer der Herner Wirtschaftsförderungsgesellschaft, blickt acht Jahre voraus - bis 2020. Im Interview mit Tobias Bolsmann erläutert er Details seiner Strategie.

Zukunftsvisionen für Herne zu entwickeln scheint keine besonders dankbare Aufgabe. Die Stadt leidet unter einigen Schwächen, etwa hohe Arbeitslosigkeit, hohe Verschuldungsquote oder niedrige Einkommen?

Grollmann: Das stimmt und es gibt weitere. Darüber hinaus haben die Menschen zuweilen selbst ein schlechtes Bild von ihrer Stadt, was ich für unnötig halte. Denn auf der anderen Seite gibt es durchaus Stärken. Denken Sie an die zentrale Lage im Ruhrgebiet mit den außerordentlich verkehrsgünstig gelegenen Gewerbegebieten. Und gerade im Gesundheitsbereich, etwa bei den Krankenhäusern oder der Pflege kann Herne punkten.

Welche Schlüsse ziehen Sie aus dieser Gegenüberstellung von Stärken und Schwächen?

Wir wollen versuchen, die Stärken auszubauen. Dazu gehört, den vermeintlichen Nachteil der demografischen Entwicklung in Herne in einen Vorteil zu verwandeln. Herne hat schon heute eine Altersstruktur, wie wir sie in einigen Jahren in ganz Deutschland haben werden. Wir könnten also eine Vorreiterrolle übernehmen und zeigen, mit welchen Maßnahmen und Angeboten man der Gesellschaft etwas Attraktives bieten kann.

Wie soll das konkret aussehen? Muss man sich die Stadt als Vorzeige-Seniorenstift vorstellen?

Nein, selbstverständlich nicht. Aber die Unternehmen werden in Zukunft mit diesen Tatsachen konfrontiert, sowohl was die älter werdende Belegschaft als auch was die Marktaufstellung betrifft. Wir müssen durch die Entwicklung von Handlungspaketen dafür sorgen, dass Herne auch in Zukunft für Unternehmen – und genauso auch für die Einwohner – attraktiv bleibt. Was wir brauchen, ist eine Gegenstrategie zum „Vorzeige-Seniorenstift“. Die Anfänge sind ja bereits an der einen oder anderen Stelle zu sehen. Und erst vor wenigen Tagen haben wir ein Zukunftsforum 50plus in den Flottmann-Hallen veranstaltet, bei dem Experten uns zahlreiche neue Erkenntnisse vermittelt haben.

Und bei der Firmenansiedlung gibt es Schnittmengen mit der Gesundheitswirtschaft und der Logistikbranche.

Die waren ja gerade erst heiß diskutiertes Thema beim bevorstehenden Rückkauf des Graf-Geländes durch das Land. Da geht eine weitere Freifläche verloren.

Das stimmt so nicht. Gerade das Hibernia-Gelände war ja früher Industriestandort. Durch die Aufbereitung für Firmenansiedlungen ist mehr Grün entstanden als zu Zeiten der Chemischen Werke Hüls.

Gibt es genug Flächenreserve?

Genug kann man ja eigentlich nie haben, schließlich bringt jede Ansiedlung ja neue Arbeitsplätze, das muss man sich immer vor Augen halten. Aber es existieren in der Tat einige Areale, die für Gewerbe in Frage kommen.

Welche?

Tatsächlich haben wir mit Schloß Grimberg ein wirkliches Sahnestück. Hier wird gerade an der verkehrlichen Anbindung gearbeitet. Ein weiteres Hauptaugenmerk liegt unter anderem auf dem Dienstleistungspark Schloß Strünkede.

Sie meinen die Fläche gegenüber des Westfalia-Stadions? Die ist doch eher als Zirkusstandort bekannt. Wie soll dort eine Vermarktung aussehen?

Uns schwebt ein Dienstleistungspark mit Büros vor. . .

. . .eine Sparte, in der Herne überhaupt keinen Ruf hat.

Das stimmt, das Image als Bürostandort ist, gelinde formuliert, nicht sehr ausgeprägt. Das müssen wir erst in die Köpfe bekommen. Gute Gelegenheit dazu besteht bei der internationalen Immobilienmesse Expo-Real in München. Dort werden wir ein 3D-Modell vorstellen, wie der Standort später mal aussehen kann. Da wäre übrigens wieder eine Verbindung zur Gesundheitswirtschaft möglich. Schließlich ist man mit der U35 ruckzuck am Gesundheitscampus in Bochum – die U35 hat ja nicht umsonst vor kurzem die Bezeichnung „Campuslinie“ bekommen, eine wirklich pfiffige Idee übrigens. Da würden wir uns auch wünschen, dass die Uni die Chancen aufgreift.

Da wollen Sie aber ein dickes Brett bohren. . .

. . .ja, beim Vermarktungszeitraum blicken wir voraus bis 2020. Mindestens dieser Zeitraum gilt auch für eine andere Fläche: General Blumenthal.

Das steht doch noch unter Bergrecht. . .

. . .das stimmt. Aber es ist mit über 24 Hektar die größte noch vorhandene Brachfläche in der Stadt.

Mit den größten Problemen. Dort dürften jede Menge Altlasten schlummern.

Ja, die Sanierung wird sehr teuer, außerdem gibt es dort keinerlei Verkehrsanbindung. Auch die müsste geschaffen werden. Wir gehen in einer sehr groben überschlägigen Rechnung von mindestens 50 Millionen Euro Kosten aus, bevor ein Unternehmen kommt.

Diese Summe bekommen Sie doch nie wieder zurück über die Quadratmeterpreise.

Deshalb plädieren wir auch in Kooperation mit anderen Wirtschaftsförderungsgesellschaften im Ruhrgebiet und der Wirtschaftsförderung Metropole Ruhr für die Neuauflage eines Gewerbeflächenfonds. Damit könnte die Lücke zwischen den Sanierungskosten und den Verkaufserlösen geschlossen werden. Wir sind der Meinung, dass es das wert ist, weil so neue Arbeitsplätze entstehen. Und die Blumenthal-Fläche wird hinterher sicher deutlich attraktiver sein als heute – für alle.

Tobias Bolsmann



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