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Ein System im Umbruch

12.05.2008 | 18:01 Uhr

In Herne zeichnet sich ein eklatanter Mangel an Hausärzten ab.Kassenärztliche Vereinigung sucht nach Möglichkeiten der Problembewältigung

Dr. Karl-Georg Furche, Vorsitzender des Ärztenetzes und Vorstandsmitglied im Ärzteverein , sieht "vielschichtige Probleme". Foto: WAZ, Ute Gabriel

Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) und die Herner Ärzteschaft suchen nach Möglichkeiten, wie der bevorstehende Mangel an Hausärzten in der Emscherstadt zumindest in seinem Ausmaß begrenzt werden kann. Kurzfristige Lösungen freilich zeichnen sich nicht ab, weil dem Ärzte-Nachwuchs ein Dasein als niedergelassener Allgemeinmediziner im Wettbewerb mit anderen Berufswahlmöglichkeiten offensichtlich zu unattraktiv erscheint.

Wie berichtet, wird in der Emscherstadt bis zum Jahr 2013 fast jeder vierte Hausarzt seine Praxis aus Altersgründen aufgeben. Der Nachwuchs macht sich rar, laut KVWL ziehen Medizin-Absolventen der Hochschulen es vor, in der Pharmaindustrie, in der Gesundheitsberatung oder als Arzt im Ausland anzuheuern, weil dort mehr Geld zu verdienen ist und die Balance zwischen Arbeits- und Freizeit den Bedürfnissen der Jungmediziner mehr entspreche. 60 Prozent der Hochschul-Absolventen gehen laut Dr. Karl-Georg Furche, dem Vorsitzenden des Herner Ärztenetzes und Vorstandsmitglied im hiesigen Ärzteverein, nicht mehr in die medizinische Versorgung. weil sie woanders "das doppelte Gehalt für 30 Prozent weniger Arbeit" bekommen könnten.

Furche nennt die Probleme "vielschichtig", den Nachwuchs von den Universitäten heute noch für eine Tätigkeit als niedergelassene Allgemeinmediziner zu begeistern. So lasse sich die verpflichtende Weiterbildung von Hochschulabsolventen in Hausarztpraxen "kaum mehr finanzieren", die hierfür vorgesehenen Zuschüsse allein reichten nicht aus, um einen jungen Mediziner in die Hausarztpraxis zu locken. "Wer will schon für 50 bis 70 Stunden in der Woche mit 1000 Euro netto nach Hause gehen?", so Furches rhetorische Frage.

Auch sorge die Gesundheitspolitik nicht dafür, dass der Nachwuchs in einer Tätigkeit als niedergelassener Arzt eine sichere Zukunft vor Augen habe. "Viele Gesetze sind vom Ende her offen", so Furche. Kommt es zum erbitterten Konkurrenzkampf vor Ort, weil der Gesetzgeber die Bedarfsplanung aufhebt und sich vor Ort so viele Ärzte niederlassen können, wie es wollen? Werden Kliniken für die ambulante Versorgung geöffnet? Wie setzen sich die Honorare künftig zusammen? Das gesamte System sei im Umbruch, die Praxisverwaltung sei schon jetzt mit enormem Aufwand verbunden und "extrem kompliziert", die Haftungsrisiken für niedergelassene Ärzte seien höher denn je, sagt Furche.

Sorgen über Sorgen, Fragen über Fragen, Dr. Furche stellt seine finale: Wer wolle 150 000 Euro in eine Praxis investieren, wenn noch nicht klar sei, ob man ihn in drei Jahren noch brauche und die Verdienstmöglichkeiten im ambulanten Bereich seit 25 Jahren kleiner geworden seien? "In Herne steht eine erhebliche Zahl an Praxen bereits unter Zwangsverwaltung der Banken", sagt Furche. Sein Fazit: "Viel Risiken für relativ wenig Nutzen - da muss man den Beruf schon sehr mögen." Kassenärztliche Vereinigung, Herner Ärzteverein und -netz sind laut Furche momentan dabei, Konzepte zu suchen, mit denen die hausärztliche Versorgung in Herne zukünftig sichergestellt werden kann.

Von Mirco Stodollick

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Kommentare
13.05.2008
11:57
Ein System im Umbruch
von Wedig | #2

Fakt ist: Der Nachwuchs hat sich vom Hausarzt-Beruf angewendet. Nebenbedingung ist die Kosteninsität einer Hausarztpraxis. Beobachtet wird eine nur geringe Rekrutierung von Nachwuchsärzten (18 Ärzte in Sachsenanhalt für 15.000,- € Buschprämie pro Hausarzt). Festzustellen sind Praxispleiten bei Übernahmen und Neugründungen. Resultat sind zahlungsunfähige Akademiker, welche auf die Wirklichkeit einer regulierten Marktwirtschaft nicht vorbereitet worden sind. Eine Lösung sucht der Hausarztverteter Herr Dr. med. Weigeldt in einer Steuerförderung.
Anstelle der Übernahme einer Hausarztpraxis mit 150.00 € Betriebswert und einem Immobilienerwerb kann jeder Arzt ohne 500.000 € auszugeben Arbeit finden, Freizeit erleben. Als Hausarzt wird er vom Beamten kujoniert, der den Hausbesuch für das viel fiebrige Kind einklagt und anstelle des verantwortenden Arztes nach eigenen Gutdünken über die veranlaßten Kosten entscheidet. - Und dies ist der Grund, der die Ärzte vertreibt.

12.05.2008
19:40
Ein System im Umbruch
von schreiber | #1

Leider herrscht kein Mangel an unfähigen Journalisten

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