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Ein Quintett zur Fünfzigsten

15.11.2010 | 17:53 Uhr
Ein Quintett zur Fünfzigsten
Indianer: Werke von Birgit Poch. Foto: Ute Gabriel

Wanne-Eickel.Die 50. Kunstausstellung im St. Anna-Hospital bestreiten fünf Künstlerinnen und Künstler der Künstlerzeche Unser Fritz 2/3. Seit Sonntag (14.) sind unter dem Titel „Quintett“ Malerei, Zeichnungen, Druckgrafik und Fotografie zu sehen.

Jürgen Buhre ist mit zwei großformatigen Ölbildern vertreten. Seine Malerei lebt aus der Materialität der Farbe. Gestisch und pastos auf die Leinwand aufgetragen, schafft er mit seinen Farben reliefhafte Oberflächenstrukturen. In diesen Farbwelten finden sich auf einfache Linien reduzierte Bilder von Menschen, die in ausdrucksstarken Posen verharren. Die Farben und die strichförmigen Menschenbilder schaffen ein emotionales Bildgefüge, in dem der Betrachter eigene Gefühle wiederentdecken kann.

Doris Kirscher-Hamer zeigt eine Reihe von kleinteiligen Zeichnungen. Sie arbeitet oft in Serien. Ihre Bilder leben einerseits ganz aus der Spontaneität des Augenblicks, anderseits lässt sich die Künstlerin immer wieder von literarischen Vorlagen anregen. Mit meist sehr dünn aufgetragener Tusche entstehen gestische Blätter, in die Worte oder Sätze eingeschrieben werden. Linien und Flächen fügen sich hier zu immer neuen Dialogen zusammen. Ihre Blätter werden so zu Dokumenten von momentanen Stimmungen und Gefühlen.

Der Fotograf Winni Labus zeigt einige Beispiele seiner Serie mit Heuballen in ganz unterschiedlichen Formationen. Es sind Bilder eines ländlichen Alltags, die fast emotionslos in schwarz-weiß abgebildet werden. Seine Fotografien dokumentieren diesen Alltag. In einer frontalen Sicht bekommen Heuhaufen etwas Monumentales. Zugleich werden die von den Bauern in der Form eher zufällig aufgetürmten Ballen durch die Fotografien zu fast abstrakten Plastiken, die uns auffordern, auch im Alltag mal genau hinzuschauen.

Birgit Poch stellt eine Reihe mit porträthaften Bildern von nordamerikanischen Indianern vor. Sie reduziert die Personen auf ihre ausdrucksstarken Gesichter, die auch mal zu maskenhaften Grimassen entstellt sein können. Ihre Personen bleiben anonym. Die amerikanische Fahne oder ein Dollar auf der Stirn lässt den Betrachter aber immer wieder innehalten und nach den dramatischen Geschichten hinter den Bildern suchen.

Gitta Witzke zeigt eine zweiteilige Arbeit. Sie löst eine ganz alltägliche Straßenszene in zwei Ansichten auf, deren jeweiliger Standort ein wenig voneinander abweicht. Die hellen Farben erinnern allein durch ihren gepunkteten Auftrag an ein fast impressionistische Leichtigkeit. Zusätzlich zeigt sie die ganze Szenerie ganz bewusst in einer leichten Unschärfe. Der Betrachter wird so aber dazu gezwungen, sich auf die vielen Details in ihrer Malerei zu konzentrieren.

„Die Klammer zwischen den sehr unterschiedlichen künstlerischen Sprachen liegt in einer gewissen Hintergründigkeit der Bilder“, kommentierte der Herner Kunsthistoriker Michael Kade die Auswahl der Arbeiten. Alle fünf zeigen Arbeiten, die sich nicht immer auf den ersten flüchtigen Blick erschließen. Der Ausstellung im Anna-Hospital versucht, trotz einer gewissen Enge, jedem Künstler seinen Raum zuzuweisen.

Die Arbeiten des „Quintetts“ sind noch bis zum 31. Januar 2011 während der Besucherzeiten zu sehen (Hospitalstraße 19).

Falko Herlemann

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