Ein Leben lang in Teutoburgia

Herbert Sander lebt seit seiner Geburt an der Laubenstraße. Zu Hochzeiten hat seine Familie mit drei Generationen unter einem Dach gewohnt.
Herbert Sander lebt seit seiner Geburt an der Laubenstraße. Zu Hochzeiten hat seine Familie mit drei Generationen unter einem Dach gewohnt.
Foto: Barbara Zabka
Was wir bereits wissen
Herbert Sander ist in der denkmalgeschützten, ehemaligen Herner Zechensiedlung geboren und lebt auch heute noch dort gemeinsam mit seiner Frau.

Herne..  Mit einer Gießkanne in der Hand steht Herbert Sander auf dem kleinen Balkon seines Hauses mit den typisch grünen Fensterläden und der grünen Haustür und wässert seine Geranien. Im Garten schaukelt Enkeltochter Emilia, hinter ihr ragen drei große Tannen in die Luft.

„Die Tannen hat mein Vater hier noch gepflanzt“, sagt Herbert Sander. Dass sich in der Teutoburgia-Siedlung seither viel verändert hat, kann er nicht zuletzt auch an einem ganz persönlichen Umstand festmachen: Mit drei Generationen hat er einst als Kind unter einem Dach auf 74 Quadratmetern in dem Haus gelebt, in dem er heute nur noch zusammen mit seiner Frau wohnt. Das Ehepaar hat in dem Haus den inzwischen erwachsenen Sohn groß gezogen.

Als Kind am Förderturm gespielt

Nicht nur Sander, auch schon seine Mutter, ist in Teutoburgia geboren. „Mein Vater ist bei der Heirat mit eingezogen. Und als meine Schwester und ich geboren sind, haben wir eben mit drei Generationen hier gelebt. Meine Großmutter wohnte nämlich mit bei uns im Haus“, erzählt der Rentner. Als eng habe er die Situation nie empfunden. „Wir waren als Kinder eh den ganzen Tag draußen und haben auf der Straße gespielt“, erinnert sich Sander. Auch an der Zeche, dessen Förderturm heute noch das Bild der ehemaligen Bergarbeitersiedlung prägt, habe er sich mit den Nachbarskindern oft getummelt.

Die Familie hatte jeden Tag frische Eier, im Garten hielt der Vater schließlich Hühner. „Die haben wir allerdings irgendwann abgeschafft, weil mein Vater es nicht übers Herz brachte, die Hühner zu schlachten“, erinnert sich der 66-Jährige. Ab den 60er Jahren wurde aus dem Selbstversorger-Garten mit Gemüseanbau nach und nach ein Platz zum Erholen. „Bei schönem Wetter bin ich auch heute noch überwiegend draußen“, sagt der Großvater zweier Enkeltöchter. Für sein jüngstes Enkelkind habe er im Garten jetzt auch wieder Beerensträucher angepflanzt.

„Ich bin hier reingewachsen, deshalb ist die Siedlung für mich eigentlich gar nichts besonderes“, meint Sander. Dass er sich dort wohl fühlt, beweist jedoch sein Versuch, das Haus zu kaufen. „Das ging aber leider nicht“, sagt der gelernte Uhrmacher, der als Mechaniker bei der Strumpffabrik Schulte und Dieckhoff arbeitete. Im Garten hat er sich ein kleines Häuschen gebaut, in dem er in seiner Freizeit Uhren reparierte. „Heute habe ich unter dem Dach des Hauses meinen Rückzugsort“, meint Sander. Dort bastele er gerne an seiner Modelleisenbahn. „Da kann ich schon mal bis zu elf Stunden sitzen“, so der begeisterte Tüftler.