Ein krisensicherer Job
23.02.2012 | 14:13 Uhr 2012-02-23T14:13:00+0100
Herne. Zu Besuch in der Steuerkanzlei Falck Mohrmann und Partner in Herne-Mitte. Der expandierende Betrieb setzt auf Ausbildung.
„Direkt nach dem Abitur kam die Frage: Was mache ich jetzt? Weil mein Vater Steuerberater ist, kam es tatsächlich so, dass ich eine Ausbildung zum Steuerfachangestellten gemacht habe.“ Nach einem zusätzlichen Studium ist Marc Oliver Falck heute Diplom-Ökonom, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Partner in Vaters Firma.
1984 hat Edgar Falck die Kanzlei gegründet. Damals war der Sohn zehn Jahre alt. Über die Jahre hat Falck Senior die Kanzlei immer weiter ausgebaut; heute gibt es zwei Standorte in Herne. Die meisten Mandaten kämen aus der Stadt, einige sogar aus Paderborn oder Hamburg. „Das kam dadurch, dass Kunden weggezogen sind, uns aber als Kanzlei behalten haben. Andere Auswärtige kamen durch Empfehlungen dazu“, erzählt Firmengründer Edgar Falck.
Insgesamt hat die Kanzlei 365 Mandanten. Um alle bedienen zu können, hat man bei „FMP“ mittlerweile 16 Angestellte. Alles Frauen. Die meisten sind Steuerfachangestellte. Ein typischer Frauenberuf eben, wie Marc Oliver Falck bestätigt.
Zwei Mitarbeiterinnen sind Türkinnen. „Das war keine Strategie, sondern hat sich so ergeben“, erzählt Burkhard Mohrmann, Fachanwalt für Steuerrecht und dritter Teilhaber der Kanzlei Falck Mohrmann und Partner. Dieser Zufall habe sich als Glücksgriff herausgestellt. Die Kanzlei hat mittlerweile zahlreiche türkischstämmige Mandanten; viele betreut die Steuerfachangestellte Hatice Aksoy. Sie räumt sofort mit dem Vorurteil auf, dass die meisten Selbstständigen mit türkischen Wurzeln Imbissbetreiber seien. „Ich habe nur einen einzigen Dönerimbiss-Betreiber als Mandaten, dann einen Fleischer, mehrere Handyshop-Betreiber und viele Einzelhändler.“ Zudem spreche man meist Deutsch, erzählt die 30-Jährige.
Die Kontakte der Kanzlei zum Finanzamt gingen nicht über den üblichen Rahmen hinaus, so Edgar Falck. Über die Jahre habe man natürlich viele Gespräche mit Finanzbeamten geführt und wisse, wie die Abläufe in der Behörde funktionierten. Das helfe.
Falck ist stolz darauf, dass seine Kanzlei die Mitarbeiter seit Jahren konsequent schule und ausbilde: „Es gibt rund 80 Steuerberater in Herne, und wir gehören zu denen, die in den letzten 20 Jahren Lehrlinge ausbilden.“ Traurig sei, dass in diesem Jahr keine Berufsschulklasse für Steuerfachangestellte in Herne zusammengekommen sei, weil es nur zwei Auszubildende gegeben habe. Steuerberater sei schließlich ein krisensicherer Job, sagt auch sein Partner Burkhard Mohrmann: „Solange Geld verdient wird, müssen Steuern gezahlt werden.“
Am 1. August 2012 beginnt das neue Ausbildungsjahr. Erfahrungsgemäß würden es größtenteils Frauen sein, die sich um einen Ausbildungsplatz als Steuerfachangestellte bewerben. Männer seien aber genauso willkommen. Gerade weil sie so rar in dem Job sind.
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