Ein Denkmal für den gefallenen Großonkel

Gerd Ress recherierte die Geschichte des Denkmals an der Holsterhauser Straße.
Gerd Ress recherierte die Geschichte des Denkmals an der Holsterhauser Straße.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Das Preußendenkmal ehrt unter anderem gefallene Soldaten. Gerd Ress stieß auf die Inschrift seines Großonkels Heinrich Hermann Grafe.

Herne..  Im Nachlass seines Onkels entdeckte Gerd Ress kürzlich ein besonderes Tagebuch: Das seines Großonkels Heinrich Hermann Grafe. Der Herner Matrose war der Bruder von Ress´ Großmutter und ist als Gefallener auf dem Preußendenkmal an der Holsterhauser Straße verewigt. „Ich bin bislang immer an dem Denkmal vorbeigefahren ohne zu wissen, dass der Name meines Großonkels darauf steht“, erzählt Ress. Erst durch einen Zeitungsartikel in der WAZ erfuhr der 90-Jährige davon. Gekannt hat Ress seinen Großonkel jedoch nicht: „Als ich geboren wurde, war er ja schon einige Jahre tot“, sagt er.

Geboren wurde Heinrich Hermann Grafe am 27. Januar 1880 in Holsterhausen. Der gelernte Bergmann trat 1898 als Freiwilliger in die Kaiserliche Deutsche Marine ein. Am 18. September 1898 verließ er mit der „Hertha“, auf der er als Heizer diente, Deutschland. Seine Reise führte ihn über Venedig und Genua schließlich nach Beirut. Von dort aus ging es weiter nach Singapur, Hongkong und Tsingtau. Der junge Mann kehrte jedoch nie zurück, sondern wurde während des Boxeraufstands in China schwer verletzt. Grafe gehörte zu den Marinelandungskorps, die in Peking eingeschlossene Diplomaten befreien wollten. Er erlag seinen Verletzungen nach einem Schuss in den Bauch.

Tagebuch im Küchenschrank

Interessiert hatte Gerd Ress sich schon lange für das Leben seines Verwandten. Nachdem er ein Buch über den Boxeraufstand gelesen hatte, recherchierte er in Kirchenregistern, Archiven und anderen Dokumenten. „Ich erinnere mich, das Tagebuch damals im Küchenschrank meiner Großmutter gesehen zu haben“, sagt Ress. Geredet habe seine Großmutter jedoch nie über ihren früh verstorbenen Sohn. „Die alten Leute hatten damals andere Sorgen“, sagt Ress, der selbst mit 17 Jahren bei der Wehrmacht in Russland war. Nach dem Krieg arbeitete er dann beim Finanzamt in Wanne-Eickel.

Zurzeit wird Grafes Tagebuch, in das er auch selbst verfasste Gedichte hineinschrieb, im Herner Stadtarchiv restauriert, anschließend möchte Ress es als Leihgabe an die Stadt übergeben. „Nach meinem Tod geht das Tagebuch in das Eigentum der Stadt über“, denn: „Ich habe sonst keinen, der sich dafür interessiert.“

Seine Forschungen sind aber noch nicht beendet: „Eines würde mich aber noch interessieren“, sagt Ress, der bedauert kein Bild von dem Grab seines Großonkels zu haben: „Es gibt im Militärmuseum in Berlin eine Akte über das Schiff „Hertha“. Vielleicht ist in dem Schriftstück ja sogar die Grabstätte meines Großonkels festgehalten.“