Eifrige Diskussionen um Tempo 30 überall in Herne

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Was wir bereits wissen
Würden 50 Stundenkilometer zur Ausnahme, sieht die Stadt eine große Beschilderungsmaßnahme. Verkehrswacht erwartet geringere Unfallgefahr.

Bisher ist es nur ein Vorschlag, doch der sorgt bei Herner Verkehrsexperten schon jetzt für eifrige Diskussionen: In der kommenden Woche berät die Verkehrsministerkonferenz über eine Änderung der Straßenverkehrsordnung (die WAZ berichtete). Nach dem Willen mehrerer Bundesländer soll Tempo 30 in den Städten der Normalfall werden. Was würde das für die dicht besiedelte Großstadt Herne bedeuten?

Zwischen Bickern und Börnig gibt es schon jetzt knapp drei Dutzend Tempo-30-Zonen, vor allem vor sogenannten schutzwürdigen Einrichtungen: Grundschulen, Kindergärten, Altenheimen. „Wenn Tempo 30 zur Regel und Tempo 50 zur Ausnahme wird, wäre das vor allem eine große Beschilderungsmaßnahme“, sagt Klaus Tittel, in der Stadtverwaltung für die Verkehrslenkung verantwortlich. An allen bedeutenden Verkehrsachsen – etwa am Westring, Hölkeskampring oder an der Wakefieldstraße – müssten dann 50er-Schilder aufgestellt werden. Tittel: „Ob das den Aufwand lohnt?“ Die Stadt hält den diskutierten Dogmenwechsel in der Verkehrspolitik für unnötig. „Es gibt eben Straßen, auf denen man bedenkenlos 50 fahren kann“, so Tittel.

Die Verkehrswacht Wanne-Eickel hält dagegen. Geschäftsführer Horst Trampedach sagt: „Ich würde flächendeckendes Tempo 30 begrüßen. Ob ich irgendwo 45 Sekunden später ankomme, ist doch unerheblich, wenn man dadurch die Unfallgefahr minimiert.“ Die Stadt argumentiert anders. Da vor fast allen Grundschulen und Kindergärten ein Tempolimit gelte, sieht Verkehrslenker Klaus Tittel kein Handlungsgebot: „Für die Sicherheit der Fußgänger haben wir schon alles getan.“

Arnold Plickert, NRW-Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei mit Wohnsitz Eickel, befürwortet die Umkehr der Regel 50-30 in 30-50 ausdrücklich. Damit werde eine Forderung aufgenommen, die die GdP bereits vor vier Jahren in ihrem verkehrspolitischen Programm formuliert habe. Unfälle mit Todesfolge oder schweren Verletzungen seien mit Blitzen nicht in den Griff zu bekommen. Untersuchungen hätten gezeigt, dass die Wahrscheinlichkeit für einen erwachsenen Fußgänger, bei einem Zusammenprall mit einem Pkw tödliche Verletzungen zu erleiden, zwischen 30 und 50 Stundenkilometern sprunghaft ansteige, von etwa 10 Prozent auf 80 Prozent.

Tempo 30 bedeute keinen Stillstand des Verkehrs, es gehe um einen rationalen Umgang mit der Geschwindigkeit. Erfüllten manche Durchgangsstraßen die Voraussetzungen, könnten dort auch 60 Stundenkilometer erlaubt sein. Plickert: „Die Leute werden sich schnell an 30 Stundenkilometer gewöhnen.“

Wie effektiv es wäre, wenn überall in der Stadt nur 30 km/h erlaubt sind, weiß indes mit Bestimmtheit niemand. Horst Trampedach von der Verkehrswacht macht sich keine Illusionen. Viele führen dann zwar langsamer, aber immer noch zu schnell: „Die tatsächliche Geschwindigkeit würde von 60 auf 40 sinken.“