„Eher nicht interessant“

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Einmal mehr schneidet Herne bei einer überregionalen Studie zur Lebensqualität schlecht ab. Diesmal geht es um die Attraktivität der Stadt für Touristen. Eine Untersuchung des Online-Reiseportals „travel24.com“ kommt zu dem Schluss: Pro Einwohner verzeichnet Herne gerade mal 0,4 Gästeübernachtungen, damit belegt unsere Stadt den letzten Platz einer Studie unter 138 Gemeinden in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Zum Vergleich: In Berlin sind es pro Einwohner acht Gäste. Allzu viel Grund zum Trübsal bedeutet dieses Ergebnis jedoch nicht, wie ein genauerer Blick offenbart.

Zwar zählt keine Stadt weniger Übernachtungen je Einwohner, weswegen Travel24 Herne und acht andere Städte als „für Touristen eher nicht interessant“ einstuft. Allerdings basieren die Übernachtungszahlen auf Meldungen von Hotels und Pensionen mit mindestens zehn Betten – und davon gibt es in Herne nunmal wenige. Ruhrgebiets-Touristen übernachten lieber in den Metropolen – vergleichbar große Revierstädte wie Bottrop, Hamm, Mülheim oder Recklinghausen schneiden nur wenig besser ab als Herne.

Zudem zeigt die Entwicklung durchaus positive Ansätze. So verzeichneten die hiesigen Hotels einer weiteren Travel24-Studie zufolge 2014 immerhin 4,6 Prozent mehr Übernachtungen als im Vorjahr. Insgesamt knapp 70 000 – nur Delmenhorst (Niedersachsen) und Stendal (Sachsen-Anhalt) wollten weniger Gäste sehen. Die Revier-Hochburg Essen zählte zum Vergleich mehr als 1,4 Mio. Übernachtungen.

Dass Herne über die neue Studie keineswegs klagen muss, macht die Tageszeitung „Die Welt“ deutlich. Sie weist darauf hin, dass dies die verkehrsreichste Stadt des Landes sei und hier alljährlich das größte öffentliche Picknick der Republik gefeiert werde. Die Zeitung überschrieb ihren Artikel so: „Herne ist die verkannteste Stadt in Deutschland“.

Alles eine Frage der Deutung.